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Volkswagen-Mitarbeitern droht ein massiver Stellenabbau.

Volkswagen-Mitarbeitern droht ein massiver Stellenabbau.
 © dpa

Konzern in der Krise

VW streicht in Deutschland 23.000 Stellen

Volkswagen will weltweit 30.000 Stellen streichen – 23.000 davon allein in Deutschland. So will der Konzern die nach dem Abgas-Skandal angeschlagene Kernmarke VW wieder fit machen.

Wolfsburg. Volkswagen hat sich mit dem Betriebsrat auf den Abbau von weltweit bis zu 30.000 Arbeitsplätzen geeinigt. Rund 23.000 Stellen sollen in den kommenden neun Jahren alleine in Deutschland wegfallen, das bestätigten Unternehmen und Betriebsrat am Freitag in Wolfsburg. Weitere Arbeitsplätze sollten überwiegend in Brasilien und Argentinien abgebaut werden, sagte Karlheinz Blessing, Personalmanager bei Volkswagen, auf der Pressekonferenz zum Zukunftspakt.

Es sollen aber alle Standorte erhalten bleiben, hieß es am aus informierten Kreisen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben, der Abbau soll etwa mit Hilfe von Altersteilzeit geregelt werden. Der gesamte Volkswagen-Konzern beschäftigt weltweit mehr als 624.000 Menschen, 282.000 davon in Deutschland.

Volkswagen hat an vielen Stellen zu kämpfen. Der Abgas-Skandal zwingt den Autobauer zum Sparen, zugleich muss der Konzern viel Geld in zentrale neue Trends der Branche stecken: Digitalisierung und Vernetzung sowie alternative Antriebe. Dazu hat die Pkw-Kernmarke seit langem ein Rendite-Problem. Der Hausmarke um Golf und Passat blieben zuletzt von 100 umgesetzten Euro nur rund 1,60 Euro als Gewinn, wovon dann noch Zinsen und Steuern abgingen.

Kosten um 3,7 Milliarden drücken

VW will mit den Maßnahmen die Kosten bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro pro Jahr drücken. VW und die Arbeitnehmervertreter standen bei den Verhandlungen unter Druck, der Abschluss des Zukunftspakts war die Voraussetzung für den Investitionsplan des Autobauers bis 2021, über den der Aufsichtsrat am Freitag in Wolfsburg beraten und vor allem beschließen sollte. Dabei geht es um die Verwendung von rund 100 Milliarden Euro.

Die Einigung auf den Pakt wollten am Vormittag in Wolfsburg VW-Konzernchef Matthias Müller, Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erläutern. Betriebsbedingte Kündigungen hatte der mächtige VW-Betriebsrat schon vor den Verhandlungen ausgeschlossen. Zudem durfte aus Sicht der Arbeitnehmervertreter nicht an bestehenden Verträgen wie dem VW-Haustarif - mit Regeln etwa für Einkommen und Arbeitszeit - gerüttelt werden. Eine Forderung, mit der sich Betriebsratschef Osterloh wohl durchsetzen konnte.

Pakt betrifft vorrangig Werke im Westen

Mit dem Zukunftspakt wollen Betriebsrat und Unternehmen die aus Sicht aller Beteiligten nötigen Reformen bei der gewinnschwachen Kernmarke VW-Pkw mit Absicherungen für die Belegschaft vereinen. Der Pakt ist vorrangig eine Regelung für die sechs westdeutschen VW-Werke (Emden, Wolfsburg, Hannover, Salzgitter, Braunschweig, Kassel) sowie VW-Sachsen. Dabei geht es um Aufgaben der Werke, etwa im Motorenwerk Salzgitter, das mit der Elektromobilität Arbeit verlieren könnte. Die Verhandlungen dazu liefen seit Monaten. Seit September ist klar, dass der Pakt eine Rechtssicherheit nach tarifvertraglichem Status haben soll. Einen VW-Sanierungstarifvertrag gab es zuletzt 2006.

Müller: "Eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt"

Der Zukunftspakt bei Volkswagen macht Europas größten Autobauer nach Ansicht von Konzernbetriebratschef Bernd Osterloh zukunftssicher. "Mit dem Zukunftspakt schaffen wir den Einstieg in eine neue Ära", sagte er. "Er stellt nach langem Ringen einen tragbaren Kompromiss dar." Zudem habe der Gesamtbetriebsrat bis Ende 2015 Beschäftigungsgarantien durchgesetzt.

Der Pakt sei in Summe ein Schritt der Vernunft. VW-Chef Matthias Müller betonte: "Der Zukunftspakt ist das größte Modernisierungsprogramm in der Geschichte unserer Kernmarke." Er ermögliche vor allem einen Transformationsprozess mit Blick auf die Zukunftsthemen Elektromobilität und Digitalisierung. "Uns allen ist bewusst: die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt", sagte er.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil würdigte die Einigung als klare und konsequente Orientierung auf die Elektromobilität. Wolfsburg würde im VW-Konzern das Zentrum schlechthin für den IT-Bereich und strahle damit auch in die Region aus. "Wir werden diese Chance beherzt nutzen", sagte der SPD-Politiker. "Das ist das größte Umbauprogramm in der Geschichte des Unternehmens."

Von RND/dpa/are

Volkswagen, Wolfsburg

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