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Ein Börsenhändler verfolgt am Donnerstag in New York die Pressekonferenz von Fed-Chefin Janet Yellen. 

Ein Börsenhändler verfolgt am Donnerstag in New York die Pressekonferenz von Fed-Chefin Janet Yellen. © Andrew Gombert

Zentralbanken

US-Notenbank schiebt Zinswende auf

Auf diese Entscheidung hatte die Weltwirtschaft gebannt geschaut: Doch die US-Notenbank Fed belässt die Leitzinsen auf dem historischen Tief. Die Börsen reagieren unterschiedlich - je nach Perspektive.

Frankfurt/Main/Washington. Vorerst keine Zinswende in den USA: Die US-Notenbank Fed hat die geplante Abkehr ihrer Nullzinspolitik verschoben - und damit Kursrückgänge an den internationalen Finanzmärkten ausgelöst.

Hauptmotive der amerikanischen Währungshüter sind eine schwächelnde chinesische Wirtschaft und Börsenturbulenzen. Der Leitzins bleibt unverändert auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent, wie die Federal Reserve (Fed) am Donnerstag in Washington mitteilte. Die Aktienmärkte reagierten unterschiedlich.

Während es an den Börsen in den USA, Japan und Deutschland Verluste gab, profitierten chinesische Aktien. Für China und andere Schwellenländer sind niedrige US-Zinsen gute Nachrichten - denn manche Experten befürchten Kapitalabflüsse von dort, wenn die US-Zinsen steigen.

Die wichtigsten Aktienindizes in China stiegen leicht. Dagegen startete sackte der deutsche Leitindex Dax an der Frankfurter Börse am Freitag unter die Marke von 10 000 Punkten. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte in Tokio fiel um 1,96 Prozent. An der Wall Street verlor der US-Leitindex Dow Jones Industrial am Freitag weiter.

Deutliche Kursbewegungen gab es auch am Devisenmarkt. Der Dollar geriet unter Verkaufsdruck, der Euro stieg im Gegenzug zwischenzeitlich um mehr als einen Cent auf bis zu 1,1450 Dollar.

Analysten begründeten die verhaltenen Reaktionen der Börsianer mit gestiegenen Unsicherheiten nach der Zinsentscheidung. "Mit der aufgeschoben Zinswende in den USA ist die Unsicherheit über die künftige Zinsentwicklung und den Weg der Wirtschaft weiter gestiegen", sagte Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel. "Eines haben die US-Notenbankvertreter erreicht: Die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank bleibt erhalten", kommentierte Experte Dirk Gojny von der National-Bank.

Die US-Geldpolitik ist für die gesamte Weltwirtschaft von hoher Bedeutung. Sind die Zinsen in den USA höher als im Ausland, zieht das internationales Finanzkapital an und lässt damit den Kurs des US-Dollar steigen. Davor zittern vor allem Schwellenländer, in die in den Jahren der Nullzinsen viel Anlegergeld floss und deren Unternehmen sich stark in Dollar verschuldet haben.

Mit dem ersten Zinsschritt der Fed seit der Finanzkrise 2008 rechnen die meisten Währungshüter dennoch noch bis Ende des Jahres. Zur aktuellen Entscheidung teilte der Fed-Offenmarktausschuss nach einer zweitägiger Sitzung mit: "Globale wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen könnten die Konjunktur bremsen." Das sich verlangsamende Wachstum in anderen Ländern müsse genau beobachtet werden und sei ein wichtiger Grund für die Vertagung der Zinserhöhung gewesen, sagte Fed-Chefin Janet Yellen.

Mit ihrem Entschluss erhöhen die Notenbanker den Druck, in einer der beiden Sitzungen Ende Oktober und Mitte Dezember tätig zu werden. Beim nächsten Treffen im Oktober handelt es sich um eine Sitzung ohne anschließende Pressekonferenz, auf der traditionell keine großen Entscheidungen zu erwarten sind. Viele Beobachter haben daher nun den Dezember im Blick. Grundsätzlich sei der Zinsschritt aber auch schon bei der kommenden Sitzung möglich, sagte Yellen.

Der US-Zins, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, verharrt seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Ende 2008 auf seinem historisch niedrigen Niveau.

Vor dem Hintergrund globaler Unsicherheiten hatten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank die Fed aufgefordert, vorerst von einer Zinsanhebung abzusehen. Die Verknappung des billigen Geldes würde Anleger noch nervöser machen, so die Befürchtung. "Die Fed scheint den von IWF und Weltbank mit Blick auf die Schwellenländer geäußerten Bedenken zum jetzigen Zeitpunkt Rechnung zu tragen", kommentierte Allianz-Chefökonom Michael Heise.

dpa


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