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Wirtschaft Konzernchef Joussen sieht Tui in „sehr guter Position“
Nachrichten Wirtschaft Konzernchef Joussen sieht Tui in „sehr guter Position“
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18:49 12.02.2019
Der Vorstandsvorsitzende der Tui Group, Friedrich Joussen. Quelle: dpa
HANNOVER

Fritz Joussen gibt sich optimistisch. Ein ungeregelter Brexit, der möglicherweise die Airlines des Tui-Konzerns lahmlegen könnte? Dem sieht er, so versichert der Konzernchef den Aktionären am Dienstag bei der Hauptversammlung des Reiseriesen in der hannoverschen Tui-Arena, recht gelassen entgegen. Man habe einen ganzen „Strauß von mehr oder weniger guten Lösungen“, um auf alle möglichen Brexit-Szenarien reagieren zu können, so Joussen. Man würde zwar bevorzugen, diese nicht einsetzen zu müssen. Alles in allem gehe er aber davon aus, „dass es unser Geschäft nicht nachhaltig behindert“.

Wenn die Tui nicht mehr in europäischer Hand liegt

Dabei ist die Ausgangslage komplex: Nach EU-Recht müssen europäische Fluggesellschaften auch mehrheitlich in europäischer Hand liegen. Das ist derzeit bei der Tui und ihren Fluggesellschaften wie Tuifly und Tui Airways der Fall: 25 Prozent gehören dem russischen Großaktionär Alexej Mordaschow. Doch sollte es am 29. März zu einem ungeregelten Brexit kommen – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch –, fallen die 30 Prozent Aktien der britischen Anteilseigner aus dieser Rechnung heraus: Der Tui-Konzern würde nicht mehr mehrheitlich in der Hand von Europäern liegen – und könnte alle Flugrechte verlieren.

Daran glaubt Joussen nicht. Schon seit zwei Jahren arbeitet eine Arbeitsgruppe bei Tui daran, Lösungswege für jede mögliche Form des Brexit vorzubereiten. Wie genau diese aussehen, verrät Joussen aber auch nicht den Aktionären auf der Hauptversammlung. Er deutet an, dass man im Falle eines No-Deal-Brexits die Gesellschaftsstruktur der konzerneigenen Airlines ändern könnte. Er rechne aber damit, dass man vorher eine Lösung finden werde – daran hätten schließlich alle Seiten ein Interesse.

Joussen will das Unternehmen auf Wachstumskurs halten

Auch ansonsten verbreitet der 55-jährige Konzernchef vor allem Zuversicht: Trotz Herausforderungen wie dem Brexit oder einem höheren Preisbewusstsein der Kunden, das im ersten Geschäftsquartal bereits an den Gewinnen nagte (siehe Meldung), sei die Tui gut aufgestellt. „Unsere Ausgangsposition ist gut. Die Tui ist heute kerngesund“, betont Joussen. Auch künftig werde es gelingen, das Unternehmen auf „Wachstumskurs zu halten“. Man sei viel robuster als früher, „aber wir sind nicht immun“.

Das merkten die Anleger nach der Gewinnwarnung der vergangenen Woche, als der Tui-Kurs zweistellig abrutschte. Auch am Dienstag verlor die Aktie nach der Verkündung der Quartalszahlen mehr als fünf Prozent auf 10,38 Euro. Nord/LB-Analyst Wolfgang Donie empfiehlt das Papier dennoch zum Kauf, mit einem Kursziel von 15 Euro. Die Tui bleibe trotz der schwachen Zahlen im ersten Quartal „gut positioniert“, der mittel- und langfristige Wachstumstrend sei weiter „intakt“. Und auch die Dividende von mittlerweile 72 Cent (Vorjahr: 65 Cent) sei attraktiv.

Die Grundlage dafür hat Joussen in den vergangenen Jahren mit dem Wandel der Tui vom Reiseverkäufer zum „integrierten Touristikkonzern“ mit eigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffen gelegt: Dieser Bereich (inklusive Veranstaltungen am Reiseort) liefere mittlerweile knapp 70 Prozent des Konzernergebnisses. Nun stehe der nächste Transformationsschritt zum digitalen Plattform-Unternehmen an, sagte Joussen. Dies sei vor allem wichtig für die Eroberung neuer Märkte etwa in China, Indien oder Brasilien. Für den anstehenden Konsolidierungprozess der Branche sei man in einer „sehr starken Position“.

Bei den Anlegern kam all das gut an. Aktionärsvertreter fragten zwar durchaus bohrend nach den Folgen eines Brexits, lobten aber überwiegend „die ausgesprochen gute Leistung“ und das „Glanzergebnis 2018“.

Von Inken Hägermann

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