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Wirtschaft Ricoh-Chef: Wir haben die Weichen gestellt
Nachrichten Wirtschaft Ricoh-Chef: Wir haben die Weichen gestellt
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00:17 13.06.2018
MIT RELIKT IN DIE ZUKUNFT: Niculae Cantuniar Chef von Ricoh Deutschland, mit einem der ersten Hochgeschwindigkeitsfaxgeräte der Welt, aus dem Jahr 1974, welches der japanische Konzern entwickelt und produziert hat. Die Ricoh-Fax-Maschinen brauchten für eine Übertragung Tokio – New York eine Minute statt der üblichen drei bis sechs Minuten. Quelle: Foto: Dröse
Hannover

„Ich bin kein Manager, der einfliegt und am Ende der Woche wieder rausfliegt“, sagt Niculae Cantuniar (59), Deutschlandchef des japanischen Ricoh-Konzerns mit Arbeitsplatz Hannover, Vahrenwalder Straße. Er wurde an die Leine geschickt als Aufräumer bei dem Drucker-, Kopierer- und Kamerahersteller (Pentax).

Seinen Job trat er im September 2015 an, „in der Woche davor bin ich in Linden eingezogen. Da wohne ich heute noch, da bleibe ich auch – das ist so ein cooles Quarteier!“ Der Schweizer mit rumänischen Wurzeln ist so davon begeistert, dass er gar einen Linden-Aufkleber „mit den drei Schloten“ auf seinem Dienstfahrzeug hinten drauf hat, obwohl das die Unternehmensrichtlinien so eigentlich nicht gestatten. Nach Zürich und Mailand sagt er: „Hannover ist für mich eine Entdeckung! Ich war hier in nicht einmal drei Jahren öfter in der Oper als in Zürich in 25!“ Und wenn Freunde und Verwandten sagen: „Oh, Hannover? Dann lade ich sie ein und zeige es ihnen.“ Der Manager mit Erfahrung aus Stationen etwa bei Xerox, Sun Microsystems und Dell wirkt begeistert und sagt: „Ich fühle mich hier superwohl!“. Zudem gefällt ihm, „dass das hier für mich in 40 Jahren Kariere auch der kürzeste Arbeitsweg ist“.

Keine Zweifel am Standort

Und inzwischen ist der Mann, der sechs Sprachen fließend spricht, im Prinzip durch mit dem Aufräumen, zu 85 Prozent etwa. Das sei nötig gewesen, da Ricoh durch Zukäufe anderer Firmen neu strukturiert werden habe müssen, „um die Basis zu schaffen für weiteres Wachstum“. Aus Sicht von Cantuniar waren es „drei Jahre solide Handarbeit“, er habe dabei „27 Millionen Euro an Kosten rausgenommen“ – jetzt schreibe Ricoh Deutschland wieder schwarze Zahlen. Aus Mitarbeitersicht freilich heißt das auch: Weihnachtsgeld und Lohnzuwächse geopfert, deutschlandweit wurden 500 Arbeitsplätze abgebaut, jetzt seien es noch 2800, davon etwa 850 (zuvor 1000) hier in der Zentrale. Nun sei es so, dass „hier und da noch was zu tun ist; aber wir haben die Weichen gestellt, die Voraussetzungen geschaffen, wieder wachsen zu können. Darauf liegt der Fokus, nicht mehr auf Kosten sparen.“ Und: „An Hannover gibt es keinen Zweifel, das wird unser Standort bleiben“, versichert er, man werde hier investieren, sowohl in Ausstattung als auch in die Menschen.

Teil der Revolution

Noch sei „Toner auf Papier“ das Hauptgeschäft, doch die nächste Stufe sei im Kommen: „Anything on Anything“, heiße die, erklärt der Geschäftsführer, und meint wörtlich: Alles Mögliche wird auf alles Mögliche gedruckt – Glas, Laminat, Granit, Böden, Wände, was auch immer. Und Ricoh will die Technik dafür bereitstellen, samt Service und Anschlusskonzepten an all die digitalen Welten, Tribut zollen dem Wunsch nach Individualisierung - nicht wie in vielen Jahren nur Bürokopierer verkaufen und hinstellen oder vermieten (Leasing-Modelle). Cantuniar ist überzeugt: „Die Geräte werden Teil der Art, miteinander zu arbeiten. Sie werden integriert, stehen nicht mehr nur dabei.“ Diese digitale Revolution komme nun langsam auch im Mittelstand an, dort begreife man, dass man da etwas tun müsse, glaubt man in der Ricoh-Deutschlandzentrale. Und dort hat das Management auch erkannt: „Wir können nicht nur sagen: Investiert in Digitalisierung – wir müssen selbst in Digitalisierung investieren. Wir sind Teil der Revolution und wir unterliegen ihr auch!“

Chance für die neue CeBIT

Der Konzern aus Japan will „anderen Unternehmen bei der digitalen Transformation helfen“ – das ist sein Geschäftsmodell. Und was man darunter versteht, das zeigt man auf der CeBIT nächste Woche, „die ganze Bandbreite“. Ricoh sei erstmals seit über 20 Jahren wieder auf der Computer- und Informationselektronikmesse – weil man sich von deren neuem Konzept angesprochen fühlt, das nicht mehr nur eine Ausstell-Schau sei und man überzeugt ist: „Das wird eine Art Think-Tank, da kommen jetzt wieder die jungen, coolen Leute, jene, die in der digitalen Welt das Sagen haben!“ und während jetzt die Konkurrenten der Messe den Rücken gekehrt haben, sieht Cantuniar da nicht nur ein gutes neues Umfeld für sein Unternehmen: „Wenn das funktioniert, wird die CeBIT wieder aufleben. Das ist eine große Chance!“

Von Ralph Hübner

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