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Der Brite John Cryan ist neuer Co-Chef der Deutschen Bank. 

Der Brite John Cryan ist neuer Co-Chef der Deutschen Bank. © Steffen Schmidt / Archiv

Banken

Neuer Deutsche-Bank-Chef Cryan gibt sich bei Strategie mehr Zeit

Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan gibt sich für die Neuausrichtung des Dax-Konzerns bis zum Herbst Zeit. In einem Schreiben an die Mitarbeiter kündigte der Brite zu seinem Amtsantritt als Co-Vorstandsvorsitzender allerdings an, Schwächen der Bank entschlossen angehen zu wollen.

Frankfurt/Main. n. Cryan beerbt Anshu Jain an der Seite von Jürgen Fitschen und soll Deutschlands größtes Geldhaus nach der Hauptversammlung Mitte Mai 2016 alleine führen.

Statt bis Ende Juli will die Deutsche Bank nun bis Ende Oktober Markt und Öffentlichkeit über weitere strategische Schritte bis 2020 informieren. Grundsätzlich rütteln will Cryan an den Beschlüssen von Ende April nicht. Die Entscheidungen seien grundlegend, betonte der 54-Jährige, der seinerzeit im Aufsichtsrat der Bank saß. "Und daran halten wir auch weiterhin fest."

Beschlossen sind etwa die Trennung von der Tochter Postbank und die Schließung von bis zu 200 eigenen Filialen. Einschnitte soll es auch im Investmentbanking geben. "Als neuer Co-Vorsitzender des Vorstands möchte ich an meinem ersten Tag zum Ausdruck bringen, dass ich es für richtig halte, den Sommer und Frühherbst zu nutzen, um zu prüfen, wie diese Entscheidungen am besten ausgeführt werden", schreibt Cryan.

Insgesamt sei die Bank "zu diversifiziert und zu komplex", meint der Brite. "Unser Geschäftsmodell muss einfacher werden. Zudem müssen wir interne Barrieren überwinden und eine Kultur der Zusammenarbeit schaffen", schreibt Cryan. "Eines meiner persönlichen Ziele ist die Verbesserung der internen Kommunikation." Die Bank müsse auch ihre Beziehungen zu Aufsichtsbehörden verbessern. Juristische Altlasten dürften "noch für einige Zeit eine Belastung darstellen".

Skandale und Milliardenstrafen haben das Image der Bank zunehmend ramponiert. Die seit Juni 2012 amtierende Doppelspitze Jain/Fitschen war zuletzt immer mehr in die Kritik geraten. Bei der Hauptversammlung im Mai straften die Aktionäre das Duo ab. Anfang Juni stellte der Aufsichtsrat die Weichen für den Neuanfang an der Konzernspitze.

Die Bank müsse nun "zuverlässige und belastbare Prozesse" im Einklang mit den Regeln aufbauen, mahnte der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld. "Hier muss die Bank nachbessern."

Als Finanzvorstand der UBS (2008-2011) entrümpelte Cryan deren Bilanz und war mitten in der jüngsten Finanzkrise maßgeblich beteiligt an einer radikalen Umstrukturierung der Schweizer Großbank. 2013 zog er in den Deutsche-Bank-Aufsichtsrat ein. Diesen Posten gibt er nun auf.

Der neue Privatkundenchef der Deutschen Bank, Christian Sewing, sieht sein Haus trotz der massiven Umbrüche im Massengeschäft in einer guten Ausgangsposition. Bei der Kosteneffizienz habe seine Sparte noch Nachholbedarf, sagte Sewing am Mittwoch bei einer Konferenz in Frankfurt. Sein vorrangiges Ziel sei, das Privatkundengeschäft möglichst ausgeglichen bei Erträgen, Produkten und Ländern aufzustellen: "Wenn wir das schaffen, habe ich überhaupt kein Problem damit, in Europa weiter zu wachsen", sagte Sewing.

Jain verhandelt nach Informationen der "New York Post" unterdessen mit dem japanischen Medien- und Telekomkonzern Softbank über einen Einstieg in das Management. Die Deutsche Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. Der japanische Konzern betreibt ein Breitband- und Mobilfunknetz und ist an Telekom- und Internetfirmen beteiligt.

dpa


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