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VW-Chef Matthias Müller setzt auf die Digitalisierung der Mobilität.

VW-Chef Matthias Müller setzt auf die Digitalisierung der Mobilität. © Bernd von Jutrczenka

Auto

Neue Strategie: VW setzt auf E-Autos und autonomes Fahren

VW plant eine grundlegende Neuausrichtung. Mit der neuen "Strategie 2025" will der Autokonzern weg vom "Dieselgate" und hinein in die Zukunft. Der Umbau ist nicht leicht. Kurz vor der Hauptversammlung wurde zudem ein Streit entschräft.

Wolfsburg/Berlin. Mit Milliardensummen für Elektroautos, neue Dienstleistungen und autonomes Fahren will sich Volkswagen aus der Abgas-Krise befreien. Europas größter Autobauer stellte Details seiner Strategie bis zum Jahr 2025 vor: VW will sich grundlegend neu aufstellen.

Vorstandschef Matthias Müller sagte in Wolfsburg, die zusätzlichen Bereiche sollten zur zweiten Säule neben dem Kerngeschäft werden. VW solle auf das "neue Zeitalter der Mobilität" ausgerichtet werden. In den nächsten neun Jahren werde dafür ein zweistelliger Milliardenbetrag investiert.

So reagiert VW auch auf fundamentale Veränderungen in der Branche. Die großen Zukunftsthemen sind alternative Antriebe wie E-Motoren und die digitale Revolution mit mehr Internet im Auto. Müller sieht einen "epochalen Wandel", der Wettbewerb werde härter. Neben den Autobauern drängen auch IT-Konzerne wie Google und Apple ins Autogeschäft.

"Die technologischen Megatrends stellen traditionelle Geschäftsmodelle in Frage, auch weil sich mit ihnen die Kundenbedürfnisse massiv verändern", erklärte der VW-Chef. Bei den Mobilitätsdienstleistungen geht es etwa um mehr miteinander vernetzte Fahrzeuge, mehr individuelle Mobilität sowie mehr Geschäfte mit IT und Software. Erst vor kurzem war Volkswagen mit umgerechnet 267 Millionen Euro beim Fahrdienst und Uber-Rivalen Gett eingestiegen.

Außerdem soll die Batterietechnik als "neues Kompetenzfeld" erschlossen werden, wie Müller ankündigte. Mit Hochdruck wird auch eine eigene Fabrik für Batteriezellen geprüft. Bisher sind deutsche Autobauer abhängig von Zulieferern vor allem aus Asien. Batteriezellen sind wesentliche Bestandteile von Elektroautos.

Mit Blick auf den Abgas-Skandal sagte Müller, die Bereitschaft für Veränderungen im Konzern sei deutlich gewachsen. VW hatte mit einer Software Emissionstests bei Millionen von Dieselfahrzeugen manipuliert. Dies löste eine schwere Krise aus, 2015 gab es einen Rekordverlust.

Müller sagte, aus seiner Sicht könnte schon in etwa zehn Jahren auf dem Weltmarkt jeder vierte Neuwagen rein batteriebetrieben sein. Von der wachsenden Bedeutung der E-Mobilität wolle man profitieren: die reinen Batteriefahrzeuge des Konzerns sollten im Jahr 2025 "rund 20 bis 25 Prozent" vom dann erzielten Gesamtabsatz ausmachen.

VW müsse jedoch profitabler werden müsse, um den Umbau finanzieren zu können: "Wir müssen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette, in allen Marken und Bereichen effizienter werden." VW liege derzeit bei wesentlichen Kennzahlen zum Teil deutlich hinter den Besten der Branche. "Das kann und das wird so nicht bleiben." Dazu beitragen solle auch ein "Zukunftspakt", über den jetzt zwischen Management und Betriebsrat verhandelt wird.

Vor allem die Konzern-Kernmarke VW mit Modellen wie dem Golf und dem Passat ist ertragsschwach. 2015 erreichte der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz hier gerade einmal knapp 2 Prozent.

VW will daher auch seine große Modellpalette verschlanken. "Die Gesamtzahl unserer heute rund 340 Modellvarianten werden wir reduzieren", sagte Müller. Er räumte Wildwuchs bei der Gleichteile-Strategie ein, mit der der Konzern versucht, möglichst viele identische Bauteile in unterschiedlichen Typen einzusetzen.

Bei neuen Mobilitätsdienstleistungen werde man sich vieles ansehen, aber "nicht jedem Trend hinterher laufen". Ziel sei es, hier bis 2025 einen Umsatz "in substanzieller Milliardenhöhe" zu machen. Hauptsitz der neuen Einheit solle Berlin sein. Der Anteil von VW an Gett werde der "Nukleus für den Ausbau", sagte Müller. "Um diesen Kern werden wir in den nächsten Jahren in rascher Folge weitere Dienste wie Robotaxis, Carsharing oder Transport-On-Demand gruppieren."

Zur Bewältigung der Abgas-Affäre in den USA hat VW in wichtigen Punkten noch etwas mehr Zeit bekommen. Der Richter Charles Breyer - bei ihm sind zahlreiche Klagen gegen den Konzern gebündelt - verschob in der Nacht die Frist, bis zu der die Details eines Vergleichs bei Gericht eingereicht werden müssen. Statt bis zum 21. Juni haben die Beteiligten dafür nun bis zum 28. Juni Zeit.

Unterdessen haben die Familien Porsche und Piëch als Großaktionäre kurz vor der Hauptversammlung einen Streit über die Zahlung einer Dividende für die Aktionäre für beendet erklärt. Demnach streben sie keine Null-Dividende bei dem Autobauer an, wie die "Bild"-Zeitung (Freitag) berichtete. Eine Null-Dividende hätte für große Konflikte bei VW sorgen können. Dabei wäre es vor allem um die starke Stellung des Landes Niedersachsen beim Autobauer gegangen.

Die beiden VW-Aufsichtsräte Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche sagten der Zeitung: "VW sollte aktuell möglichst viel Geld im Unternehmen belassen, um die Dieselthematik zu bewältigen und gleichzeitig die notwendigen Zukunftsinvestitionen finanzieren zu können. Folgerichtig haben wir uns auch für eine geringstmögliche Dividendenzahlung ausgesprochen."

Zuvor hatte es Spekulationen geben, die Familien wollten auf der Hauptversammlung von VW am kommenden Mittwoch (22.) durchsetzen, dass keine Dividende gezahlt wird. Es habe darüber "Diskussionen" gegeben, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen.

dpa


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