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Wirtschaft Klage gegen Zuckerkartell: Gutachten angeordnet
Nachrichten Wirtschaft Klage gegen Zuckerkartell: Gutachten angeordnet
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00:17 01.02.2018
SÜSSER STOFF: In Hannover werden Zuckerkonzerne auf mehr als 200 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Quelle: dpa
HANNOVER

Die Millionen-Klage der Kunden des aufgedeckten Zuckerkartells um die Nordzucker AG erscheint dem Landgericht Hannover „schlüssig“ – darum hat es am Montag angeordnet, das ein Sachverständiger klärt, „ob und wenn ja in welcher Höhe ein Schaden entstanden ist“, sagte Gerichtssprecher Hans-Christian Rümke auf NP-Anfrage.

Da die Sache vor dem Landgericht als eine der bundesweit ersten ausgetragen wird, geht man von Richtung weisenden Erkenntnissen aus. Die drei beteiligten Zuckerkonzerne sind allein in Hannover auf 206 Millionen Euro Schadenersatz verklagt worden – und das ist nur eines von bundesweit mehr als 35 Verfahren. Im konkreten Fall stehen sich die Nordzucker, Südzucker sowie Pfeifer & Langen („Diamantzucker“) und die Süßwarengröße August Storck (Merci, Dickmanns, Nimm2) gegenüber; allein hier geht es um 85 Millionen Euro.

Das Gericht sieht laut Rümke für die Klägerin „einen Anspruch dem Grunde nach“, sollte tatsächlich ein Schaden entstanden sein – und darum werde nun „Beweis erhoben“.

Rümke geht davon aus, dass angesichts der „sehr komplexen Geschichte“ und des noch zu findenden Sachverständigen das Gutachten „wohl nicht mehr in diesem Jahr erstellt werden kann“.

Grund für die Klagen ist, dass das Bundeskartellamt im Jahr 2008 dem Kartell auf die Spur kam und feststellte, dass rund 15 Jahre lang die Preise abgesprochen worden waren. Dafür gab es im Jahr 2014 eine Geldstrafe über 280 Millionen Euro. Nordzucker musste nur zehn Millionen zahlen, da der Konzern aus Braunschweig (bei dem das Kartell aufflog) mit den Kartellwächtern zusammenarbeitete, einen Art Kronzeugenstatus erhielt. Südzucker musste 195 Millionen Euro zahlen.

Die klagenden Kunden der drei Zucker-Konzerne behaupteten nun zum Verfahrensauftakt im April, sie hätten zu hohe Preise gezahlt, das sei ihr Schaden. Die ehemaligen Kartell-Unternehmen konterten das und sagen: Den Kunden sei kein Schaden entstanden – die Süßwarenhersteller hätten die Preise ohnehin an die Endabnehmer weitergereicht, alles im Verkaufspreis einkalkuliert. Sprich: Den einzigen Schaden hätten dann die Konsumenten gehabt, weil sie eventuell mehr zahlen mussten, als ohne die Preisabsprachen.

Von RALPH HÜBNER

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