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Werk von German Pellets in Wismar. Der Holzverarbeiter ist in eine Schieflage geraten und hat Insolvenzantrag.

Werk von German Pellets in Wismar. Der Holzverarbeiter ist in eine Schieflage geraten und hat Insolvenzantrag. © Bernd Wüstneck

Unternehmen

Insolvenz von German Pellets: Anleger fürchten um Millionen

Der Höhenflug des Holzverarbeiters German Pellets ist jäh unterbrochen. Eine Anleihe kann nicht zurückgezahlt werden. Das Unternehmen nennt den niedrigen Ölpreis als einen Grund.

Wismar. Tausende wollten das große Geld machen. Mit Holz. Lange sah es gut aus - dann kamen warme Winter, die Ölpreise fielen. Nun ist der Brennstoff-Hersteller German Pellets pleite.

Was produziert German Pellets?

Das 2005 in Wismar gegründete Unternehmen stellt Holzpellets zum Heizen her - das sind gepresste Holzspäne (englisch: pellet = Kügelchen). Dafür können Abfälle, aber auch Stammholz verwendet werden. Durch das Pressen unter hohem Druck haben Pellets einen niedrigen Wassergehalt und eine hohe Dichte. Sie werden nicht nur in privaten Haushalten in speziellen Öfen oder Heizungen genutzt, sondern auch in Kraftwerken zur Herstellung von Strom und Wärme. Nach eigenen Angaben ist German Pellets der weltgrößte Pelletproduzent und -händler mit 650 Mitarbeitern.

Mit welchen Problemen hat German Pellets zu kämpfen?

Als anleihefinanziertes Unternehmen hat sich German Pellets Geld nicht bei Banken, sondern bei verschiedenen Anlegern geliehen. Denen wurden hohe Zinsen versprochen. Eine Anleihe mit einem Volumen von 52,4 Millionen Euro, verzinst mit 7,25 Prozent, sollte zum 1. April zurückgezahlt werden. Doch dafür fehlt das Geld. Daher wollte German Pellets bei einer Gläubigerversammlung um eine Laufzeitverlängerung um zwei Jahre und einen um zwei Punkte niedrigeren Zinssatz bitten. Anlegervertreter empfahlen, dies abzulehnen, weil der Wert der Anteile nicht bekannt sei. Doch das Treffen wurde kurzfristig abgesagt - das Unternehmen ist insolvent.

Welche Folgen hat der Insolvenzantrag für die Anleger?

"Was der Insolvenzantrag für die betroffenen Anleger bedeutet, ist noch nicht absehbar", sagt der Anlegervertreter Klaus Nieding, Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft. Die Kanzlei kritisiert, die betroffenen Anleger hätten kaum Chancen gehabt, auf die negative Entwicklung zu reagieren. Klar ist: Tausende Geldgeber fürchten nun um ihre Anlagen in zusammen dreistelliger Millionenhöhe. Und der Wert der Anleihen sank seit Jahresbeginn rapide auf weniger als zwei Prozent des Nennwertes. Schlecht sieht es auch für die Beschäftigten aus: Nach Angaben der IG Metall existiert bei German Pellets kein Betriebsrat - es könne damit weder Sozialplan noch Interessensausgleich geben.

Warum kann German Pellets die Anleihe nicht zurückzahlen?

Als Gründe für die wirtschaftlichen Probleme nannte die Geschäftsführung den Verfall des Ölpreises, durch den auch der Preis für Holzpellets unter Druck geraten sei. Zudem seien die Umsätze wegen zweier warmer Winter hintereinander eingebrochen. Drittens habe sich die Übernahme des Ofenbauers Kago im Jahr 2010 als Fehlinvestition erwiesen. Kago meldete im Januar Insolvenz an.

Was will das Unternehmen jetzt?

Die Geschäftsführung hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das ist bei Unternehmen möglich, die gute Aussichten auf eine Fortführung des Geschäftsbetriebs haben. In diesem Fall bleibt die Geschäftsleitung im Amt, ihr wird ein sogenannter Sachwalter zur Seite gestellt. Die alte Geschäftsführung behält damit große Teile der Verfügungsgewalt über das Unternehmen. Zugleich ist die Firma vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen von Gläubigern geschützt.

Was sagt das Insolvenzgericht dazu?

Das Insolvenzgericht hat diesem Antrag zunächst nicht zugestimmt, sondern eine Rechtsanwältin mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung beauftragt. Das Gericht muss vor einer endgültigen Entscheidung die Gläubiger anhören. Dazu muss ein Gläubigerausschuss gebildet werden, der die Struktur der privaten oder institutionellen Geldgeber widerspiegelt. Da diese Struktur laut Gericht unübersichtlich ist, braucht es etwas Zeit. Den von der Geschäftsführung vorgeschlagenen Gläubigerausschuss akzeptierte das Gericht nicht.

dpa


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