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Finanzen

G20-Staaten wegen China-Flaute nicht alarmiert

Die Top-Wirtschaftsmächte geben sich gelassen - trotz abflauender Konjunktur in China. Das globale Wachstum werde zwar ausgebremst. Aber Schäuble und seine G20-Kollegen halten das für beherrschbar. Und geben Signale für einen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes.

Ankara (dpa) - Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) sind trotz des Wirtschaftsabschwungs in China und der Börsenturbulenzen nicht in Alarmstimmung.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 verpflichteten sich nach zweitägigen Beratungen in Ankara lediglich, "entschiedene Maßnahmen zu ergreifen", um die wirtschaftliche Erholung auf Kurs zu halten.

Zwar bleibe das globale Wachstum hinter den Erwartungen, wird eingeräumt. "Wir sind zuversichtlich, dass die Erholung der Weltwirtschaft an Geschwindigkeit gewinnen wird", heißt es in der am Samstag verabschiedeten G20-Erklärung aber weiter.  

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann halten die Lage für beherrschbar. Die "gewisse Abschwächung" der Weltwirtschaft sei kein Grund, "jetzt mit großer Nervosität die Dinge zu betrachten", sagte Schäuble. Laut Weidmann gibt es auch für die "robuste" deutsche Wirtschaft keinen Grund zur Schwarzmalerei.

Nach der jahrelangen Politik des extrem billigen Geldes steuern die Top-Wirtschaftsmächte auf ein Ende der Niedrigzinspolitik zu. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass im Einklang mit verbesserten Wirtschaftsaussichten eine straffere Geldpolitik in einigen Industrieländern wahrscheinlicher wird." Betont wird, dass Geldpolitik allein nicht für ausgewogenes Wachstum sorgen könne. Über diese Formulierung stritten die G20 bis zuletzt.

Die Konjunkturabkühlung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt war das beherrschende Thema in Ankara. Offene Kritik an China unterließen die G20 in den Sitzungen jedoch. 

China und die Weltwirtschaft seien widerstandsfähig, um diese "leichte Eintrübung zu meistern", sagte Schäuble. Die Chinesen hätten vor geraumer Zeit darauf verwiesen, dass die früheren hohen Wachstumszahlen eher auf Raten zwischen 6,5 und 7,0 Prozent einschwenken würden: "Das erreichen sie auch, nach allem, was man weiß." 

Weidmann zufolge wird schon länger eine Anpassung der chinesischen Wirtschaft zu einem ausgewogeneren Wachstumspfad beobachtet. Der Kursrutsch an Börsen sei eine Korrektur früherer Übertreibungen. Die Auswirkungen dürften begrenzt sein. 

Ohne China zu nennen, warnen die G20 vor einem Abwertungswettlauf beim Wechselkurs: "Wir werden Abwertungswettläufe unterlassen und allen Formen des Protektionismus widerstehen." Angemahnt wird eine Wechselkurspolitik, die den ökonomischen Daten entspricht. 

Aus Sicht Schäubles nähert sich China dem Ziel, dass der Yuan in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen wird und zur globalen Reservewährung aufsteigt: "Das ist noch nicht so weit, die Voraussetzungen sind noch nicht geschaffen. Aber es geht in die Richtung."

Ein Zeitpunkt für die in Aussicht gestellte Zinswende wird in der G20-Erklärung nicht genannt. Um negative Auswirkungen - insbesondere auf Schwellenländer - zu vermeiden, kündigten die G20 ein "sorgfältiges Vorgehen mit klarer Kommunikation" über einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik an.  

Vor allem aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien fürchten negative Folgen wie einen massiven Kapitalabfluss, wenn die USA die Leitzinsen anheben. Denn dann werden Geldanlagen in der größten Volkswirtschaft der Welt attraktiver. 

Im Ringen um mehr Investitionen vor allem in die Infrastruktur loten die G20 weiterhin die Möglichkeiten des islamischen Finanzwesens aus - wie bereits im Februar angekündigt. Dessen Bedeutung für die globale Wirtschaft nehme zu, bekräftigte Schäuble in Ankara: "Wir alle haben ein besseres Verständnis über die Risiken und die Rolle der islamischen Finanzwesens."

Das islamische Finanzwesen verbietet unter Bezug auf das Zinsverbot des Propheten Mohammed Zinsen, erlaubt aber die Vergabe von bestimmten Sachmittelkrediten.

dpa


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