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TGV und ICE könnten bald aus den selben Werkshallen rollen. Doch manche Politiker befürchten den Niedergang des französischen Industrie-Standorts.

TGV und ICE könnten bald aus den selben Werkshallen rollen. Doch manche Politiker befürchten den Niedergang des französischen Industrie-Standorts.
© imago stock&people

Fusion zwischen Siemens und Alstom

Für viele Franzosen ist der Deal eine bittere Pille

Zwischen Siemens und Alstom bahnt sich eine Megafusion an. Die beiden Zugsparten schließen sich zusammen. Siemenschef Joe Kaeser will damit einen europäischen Champion schaffen. Doch französische Beobachter befürchten den endgültigen Niedergang des traditionsreichen TGV-Bauers.

Paris. Die Reaktionen sind bitter und die Kommentare vielsagend. „Ein letzter Nagel auf dem Sarg des französischen Kapitalismus“ sei die anstehende Fusion des deutschen Konzerns Siemens und seines französischen Rivalen Alstom, sagte der französische Wirtschaftswissenschaftler Elie Cohen gestern. „Alstom: Endstation jenseits des Rheins?“ übertitelte die Zeitung „Libération“ ihren Artikel über den Industriedeal.

Alstom war das Aushängeschild der französischen Industrie

Am Dienstagabend hatten die beiden Aufsichtsräte jeweils einem Zusammenschluss beider Bahntechniksparten zugestimmt. Damit will man mit insgesamt fast 16 Milliarden Euro Umsatz und rund 62 000 Mitarbeitern weltweite Nummer zwei werden und vor allem der chinesischen Konkurrenz die Stirn bieten. Doch dass Siemens an dem Gemeinschaftsunternehmen namens Siemens Alstom künftig eine knappe Mehrheit halten soll, stößt in Frankreich übel auf.

Auch wenn Job- und Standortgarantien für vier Jahre in Aussicht gestellt werden, herrscht Beunruhigung auch unter den 10 000 Angestellten in den französischen Werken des Traditionskonzerns. 1928 entstand er durch die Fusion zweier bestehender Unternehmen, zunächst unter dem Namen Alsthom – gebildet aus dem Namen der Region Alsace (Elsass) und jenem des Ingenieurs Elihu Thomson. Bis zur Jahrtausendwende handelte es sich um eines der industriellen Aushängeschilder des Landes, das zeitweise neben der Herstellung von TGV-Zügen auch in den Bereichen Schiffsbau und Telekommunikation, im Gas- und Dampfturbinengeschäft sowie bei der Herstellung von Diesel- und Gaskraftwerken tätig war und gut von staatlichen Aufträgen lebte.

Siemens wollte bereits 2014 fusionieren

Doch seither häuften sich die finanziellen Probleme. Obwohl nach und nach Geschäftsbereiche verkauft wurden, 2003 etwa das Industrieturbinengeschäft an Siemens, musste der französische Staat Alstom 2003 vor der Insolvenz retten.

2014 ging die Energiesparte an den US-Konzern General Electric, für die sich Siemens ebenfalls interessiert hatte – der Staat mischte damals aktiv bei den Verhandlungen mit. Auch als das Unternehmen vor einem Jahr aufgrund Auftragsmangels die Schließung der Fabrik im ostfranzösischen Belfort und die Verteilung der Beschäftigten auf andere Standorte ankündigte, griff die damalige Regierung unter François Hollande ein und bestellte für den Erhalt der 400 Arbeitsplätze vor Ort 21 TGV-Schnellzüge und 20 Diesel-Lokomotiven.

Ein Ex-Minister kritisiert den Deal heftig

Selbstverständlich und mehr als anderswo wird in Frankreich Einsatz vom Staat gefordert, wenn es um den Erhalt wichtiger Unternehmen geht – auch wenn dieser nur bis 2006 Haupteigner war und dann seine Aktien an den Bouygues-Konzern verkaufte. Und so erheben sich auch jetzt Kritiker an der Regierung, die nicht ausreichend für Alstom gekämpft und ihre „strategische Rolle“ bei wichtigen Wirtschafts-Dossiers nicht ausgefüllt habe.

Es werde kein europäischer Champion aufgebaut, sondern ein deutscher, klagte der konservative Ex-Arbeitsminister Xavier Bertrand: „Man soll uns nichts vormachen: Alstom wird von Siemens geschluckt (…) Ich will nicht, dass der Preis für die deutsch-französische Freundschaft der Abstieg der französischen Industrie ist.“

Von Birgit Holzer/RND


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