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Peter Praet, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank.

Peter Praet, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank. © Andreas Varnhorn/EZB

Tarife

EZB spricht sich für höhere Löhne in Deutschland aus

Noch mehr Rückenwind für Arbeitnehmer und Gewerkschaften: Neben der Bundesbank wirbt nun auch die Europäische Zentralbank (EZB) für höhere Tarifabschlüsse in Deutschland.

Berlin/Frankfurt/Main. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sagte dem Nachrichtenmagazin "Spiegel", in manchen Krisenländern der Eurozone mit hoher Arbeitslosigkeit seien aktuell eher "niedrige Lohnabschlüsse erforderlich, um Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen". In Staaten wie Deutschland dagegen, in denen die Inflationsrate niedrig und der Arbeitsmarkt in guter Verfassung sei, seien höhere Verdienststeigerungen angemessen.

Vor einer Woche hatte sich bereits die Deutsche Bundesbank für höhere Löhne bei den anstehenden Tarifrunden ausgesprochen. Bundesbank-Chefvolkswirt Jens Ulbrich hatte dem "Spiegel" gesagt, die Lohnentwicklung in Deutschland sei "vor dem Hintergrund der guten konjunkturellen Lage, der niedrigen Arbeitslosigkeit und der günstigen Perspektiven durchaus moderat". Über Jahre hinweg hätten die Tarifparteien "sehr verantwortungsbewusst Lohnzurückhaltung" geübt - nun gebe es neuen Spielraum.

Die Banker treibt vor allem die Sorge um stabile Preise. Im Euroraum hatte die Inflation zuletzt bei nur 0,5 Prozent gelegen. Angesichts des schwachen wirtschaftlichen Wachstums im Euroraum und der historischen Niedrigzinsen fehlt der europäischen Notenbank die sonst übliche Waffe niedrigerer Zinsen gegen die gefürchtete Deflation. Höhere Reallöhne in Deutschland könnten die Nachfrage auch nach Importen aus anderen Euroländern und damit die gesamteuropäische Preisentwicklung anheizen.

Die unerwarteten Signale der Bundesbanker hatten für Aufsehen gesorgt. Auch mehrere Wirtschaftsforscher und der Arbeitnehmerflügel der CDU sprachen sich für höhere Tarifabschlüsse aus. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bezeichnete die Äußerungen allerdings als "nicht hilfreich", da sich die Unternehmen bereits um die ausufernden Arbeitskosten sorgten. Auch das Echo der Gewerkschaften blieb verhalten. "Die Sozialpartner brauchen keine Belehrung in der Tarifpolitik", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, dem "Handelsblatt" am Freitag. "Es gilt nach wie vor die Tarifautonomie."

Die Gewerkschaften sollten den volkswirtschaftlich neutralen Verteilungsspielraum voll ausschöpfen, wurde Bundesbank-Chefvolkswirt Ulbrich aus Gesprächen beim DGB zitiert - die entsprechende Summe aus Preissteigerungsrate und Produktivitätszuwachs liegt derzeit bei rund drei Prozent pro Jahr. Laut Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung konnten sich die deutschen Arbeitnehmer bei den bisherigen Abschlüssen 2014 über ein so dickes Gehaltsplus freuen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Die Tarife stiegen demnach im Schnitt um 3,1 Prozent. In der Metall- und Elektroindustrie steht Ende des Jahres die nächste große Tarifrunde an.

dpa


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