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Die Kritik an der Bankenbranche reißt nicht ab: Gegen happige Zinsen fürs Konto-Überziehen müssen endlich gesetzliche Limits her, fordern die Grünen.

Die Kritik an der Bankenbranche reißt nicht ab: Gegen happige Zinsen fürs Konto-Überziehen müssen endlich gesetzliche Limits her, fordern die Grünen. © Jens Kalaene

Finanzen

Dispozinsen: Kritik an der Bankenbranche reißt nicht ab

Vor allem kleine Banken und Sparkassen kassieren zu hohe Zinsen fürs Konto-Überziehen. Obwohl sie sich selbst für 0,75 Prozent Geld leihen könnten, verlangten die Geldinstitute von ihren Kunden bis zu 15,32 Prozent Zinsen, ist das Ergebnis einer Umfrage der Stiftung Warentest.

Berlin. Nur ein Drittel der mehr als 1500 befragten Banken und Sparkassen informiert demnach freiwillig über die Höhe ihrer Zinsen. Beim aktuellen Zinsniveau sollten die Dispozinsen nach Einschätzung der Warentester deutlich unter zehn Prozent liegen. Im Schnitt seien aber Zinssätze von 11,76 Prozent berechnet worden, sagte Stiftungschef Hubertus Primus am Dienstag in Berlin. Das sei zwar etwas weniger als im Vorjahr. Weil der Leitzins der Europäischen Zentralbank aber auf einem Rekordtief von 0,75 Prozent liegt, verdienten die Banken mehr.

Die Geldinstitute stehen seit längerem wegen der hohen Dispozinsen in der Kritik. Der Vorwurf: Sie gäben ihre eigenen günstigen Konditionen nicht an die Kunden weiter. Zuletzt hatte die Deutsche Kreditwirtschaft Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) versprochen, Kunden über günstigere Alternativen zu informieren und mehr Transparenz zu prüfen. Aigner bezeichnete das als "Schritt in die richtige Richtung". Die Opposition dagegen sprach von einem "Kaffeekränzchen mit den Banken".

"Es kann nicht sein, dass man bei einigen Banken ewig nachfragen muss, bis man irgendwann einmal die Höhe der Zinssätze erfährt. Dieses Versteckspiel muss aufhören", sagte Aigner der Passauer Neuen Presse (Mittwoch). Eine gesetzliche Obergrenze, wie von SPD und Linkspartei sowie mehreren Bundesländern gefordert, lehnte sie erneut ab. Auch im Bundestag war ein entsprechender Vorstoß gescheitert.

Die Deutsche Kreditwirtschaft kritisierte die Argumentation der Warentester. Einen direkten Zusammenhang zwischen Leitzins und Dispozinsen gebe es nicht. Der Dispokredit sei besonders flexibel und kurzfristig. "Dieser erhöhte Nutzungsspielraum für den Kunden spiegelt sich zwangsläufig auch in höheren Zinsen im Vergleich zu Ratenkrediten wider", teilte die Kreditwirtschaft mit.

Stiftung Warentest sieht dagegen sowohl bei der Höhe wie der Transparenz Verbesserungsbedarf: Nur neun Banken und Sparkassen im Test forderten weniger als neun Prozent Zinsen, 18 Institute dagegen sogar mehr als 13,75 Prozent. Mehrere Banken machten die Überziehungszinsen von der Bonität ihrer Kunden abhängig und verlangten bis zu 15,32 Prozent.

Zudem erschweren es viele Banken den Kunden, sich über die Höhe des Dispozinses zu informieren. Auf die Anfrage der Stiftung Warentest unter 1566 Instituten antworteten lediglich 357 freiwillig. Bei 588 weiteren ermittelten die Tester den Zinssatz im Internet oder bei Hausbesuchen. Trotzdem blieben die Konditionen von einem Drittel der befragten Institute im Dunkeln. Es sei zu vermuten, dass diese 621 Banken besonders hohe Zinsen verlangten, sagte Warentest- Kreditexpertin Stephanie Pallasch.

Bestandskunden würden in Kontoauszügen über die Zinsen informiert, betonte dagegen die Deutsche Kreditwirtschaft. Neukunden könnten sie über das Preis- und Leistungsverzeichnis oder einen Aushang erfahren. Nicht einmal die Hälfte der Banken und Sparkassen aber veröffentliche die Höhe der Dispozinsen im Internet, kritisierte die Stiftung Warentest. "Wir fordern daher, die Banken gesetzlich zu verpflichten, auch im Internet einen Preisaushang zu veröffentlichen", sagte Primus. Sein Vorschlag: Die Dispozinsen auf "ein vernünftiges Niveau" senken und dann nach festen, transparenten Kriterien an den Leitzins der EZB koppeln.

dpa


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