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Daimler-Chef Dieter Zetsche lässt sich von den wirtschaflichen Turbulenzen in China offensichtlich nicht entmutigen. Er erwartet sogar Wachstum.

Daimler-Chef Dieter Zetsche lässt sich von den wirtschaflichen Turbulenzen in China offensichtlich nicht entmutigen. Er erwartet sogar Wachstum. © Frank Rumpenhorst

Auto

Digitalisierung mischt Autobranche auf - Messe IAA gestartet

Bei ihrem Heimspiel auf der weltgrößten Automesse IAA schlagen die deutschen Autobauer leisere Töne an. Es gibt viele Fragezeichen, die Branche ist mitten in einem historischen Umbruch.

Frankfurt/Main. Mit zahlreichen neuen Modellen für immer mehr Internet im Auto und alternative Antriebe wollen die deutschen Autobauer ihre Führungsposition verteidigen.

Doch die mögliche neue Konkurrenz durch Apple und Google sowie sinkende Verkäufe im wichtigsten Automarkt China sorgen zum Start der Automesse IAA in Frankfurt für Ungewissheit. Die Gebote der Stunde im digitalen Wandel lauten Apps und Abgaswerte. Autos werden Smartphones auf Rädern. Für einen Schrecken zum Messestart sorgte am Dienstag derweil BMW-Chef Harald Krüger.

Pünktlich zur Weltleitmesse gaben die Verkaufszahlen für Europa zwar weiter Rückenwind: Selbst im traditionell schwachen Monat August wurden erneut spürbar mehr Autos abgesetzt. Damit setzte der Automarkt seine vor zwei Jahren begonnene Erholung fort. Dabei lagen im August nahezu alle Märkte in der EU im Plus. Doch der mit Abstand wichtigste Markt China gab um 1,5 Prozent nach.

"Die Normalisierung in China ist deutlich schneller gekommen als wir es vorhergesehen haben", sagte BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner mit Blick auf den Wachstumsknick im weltgrößten Automarkt. Auch Audi-Chef Ruper Stadler dämpfte hohe Erwartungen: "Ich glaube, grundsätzlich werden wir in China dieses "new normal" wahrscheinlich längerfristig erleben." Chinas Pkw-Markt schrumpft bereits seit dem Frühling.

Eichiner und Stadler sind auf lange Sicht aber optimistisch, dass die Verkäufe in China wieder klettern. Das sieht auch Daimler-Chef Dieter Zetsche so: "Ich bin auch für das nächste Jahr optimistisch, was unser Wachstum in China angeht."

Den vielen Fragezeichen begegnen die deutschen Hersteller mit zahlreichen neuen Modellen - samt einer Kampfansagen zur Vernetzung der Fahrzeuge. "Bis Ende des Jahrzehnts machen wir jedes unserer neuen Autos zum rollenden Smartphone", sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn.

Ein großes Thema in Frankfurt war die mögliche neue Konkurrenz durch Apple und Google. Google hat bereits ein Roboterauto entwickelt, Apple arbeitet angeblich an einem eigenen Elektroauto.

VW-Chef Winterkorn will außerdem die bisher lahmende Elektromobilität vorantreiben. Er kündigte für den Mehrmarkenkonzern 20 weitere Autos bis zum Jahr 2020 an, die rein elektrisch fahren oder als Hybrid zumindest streckenweise per aufladbarer Batterie unterwegs sind.

Der Zulieferer Bosch gab eine Übernahme auf dem Feld der Batterietechnik bekannt und versprach bis 2020 einen enormen Sprung bei der derzeit noch problematischen Reichweite der Energiespeicher. "Die Festkörperzelle könnte eine entscheidende Durchbruchstechnologie sein", sagte Bosch-Chef Volkmar Denner. Der Zulieferer übernimmt Seeo, ein US-Startup, und erhofft sich mit der dortigen Technologie einen Durchbruch bei der Reichweite der Energiespeicher.

Damit versucht ein deutscher Hersteller wieder stärker im Geschäft mit Batteriezellen Fuß zu fassen. Die Zellen, aus denen Batterien für Elektroautos hergestellt werden, stammen derzeit überwiegend aus Asien von Firmen wie LG, Panasonic oder Toshiba. Während der E-Auto-Pionier Tesla in Nevada zusammen mit Panasonic eine Zellfertigung aufbaut, will Daimler seine Produktion von Batteriezellen in Deutschland im Laufe des Jahres einstellen.

Der Bosch-Konkurrent Continental lotet nach dem Aus für seine Batteriepartnerschaft mit dem koreanischen Chemiespezialisten SK Innovation neue Alternativen aus. "Wir überlegen natürlich, wie wir uns hier für die Zukunft strategisch aufstellen", sagte Conti-Chef Elmar Degenhart in Frankfurt.

Für einen Schockmoment sorgte der neue BMW-Chef Harald Krüger: Er erlitt auf der IAA bei einer Präsentation vor Hunderten Zuschauern eine Kreislaufschwäche und kippte um. Der 49 Jahre alte Vorstandschef des Autoherstellers wurde danach ärztlich behandelt. Sein Zustand sei stabil und "nicht besorgniserregend", sagte ein BMW-Sprecher. "Die Ärzte haben jetzt entschieden - und wir auch - dass er alle Termine abbrechen wird, nach Hause fahren und sich zu Hause erholen wird."

dpa


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