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Boomender Hamburger Hafen: Deutschland ist einer der größten Gewinner des EU-Binnenmarktes.

Boomender Hamburger Hafen: Deutschland ist einer der größten Gewinner des EU-Binnenmarktes. © Marcus Brandt/Archiv

Wirtschaftspolitik

Deutschland einer der größten Gewinner des EU-Binnenmarktes

Weniger statt mehr Zusammenarbeit in Europa - damit gewinnen Europaskeptiker Stimmen. Eine neue Studie hält dagegen: Der EU-Binnenmarkt kennt fast nur Gewinner - und kaum ein anderes Mitgliedsland profitiert so stark wie Deutschland.

Gütersloh. Die Schweizer Prognos AG hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung das wirtschaftliche Zusammenwachsen Europas über die zwei Jahrzehnte zwischen 1992 und 2012 analysiert. Danach haben die Auswirkungen des Binnenmarktes die reale Wirtschaftsleistung Deutschlands in jedem Jahr um durchschnittlich 37 Milliarden Euro steigen lassen.

Das entspreche einem jährlichen Einkommensgewinn von 450 Euro pro Einwohner, heißt es in der am Montag verbreiteten Studie. Nur Dänemark (plus 500 Euro pro Kopf) habe höhere Zuwächse erzielt.

Untersucht wurde die Entwicklung von 14 der 15 Gründungsstaaten der EU (außer Luxemburg). Der EU-Binnenmarkt trat 1993 in Kraft. Sein Fundament ist der freie Verkehr von Waren, Arbeitskräften, Dienstleistungen und Kapital.

Gerade in den Kernländern der EU haben die rechtsextremen, populistischen und euroskeptischen Parteien in den jüngsten Europawahlen viele Anhänger gefunden. Der in Deutschland beheimateten eurokritischen AFD ist es gelungen, erstmals in das Europaparlament zu ziehen, in Frankreich gewann der rechtspopulistische Front National unter Marie Le Pen stark hinzu, auch in Italien und Österreich legten ähnliche Gruppierungen stark zu. Gemeinsam ist vielen Anhänger eine Europa- und Euroverdrossenheit gekoppelt mit einem wiedererstarkten Nationalismus.

Während die Europa-Gegner einen stärkeren Zusammenschluss verhindern wollen, lautet die wirtschaftliche Gesamtbilanz der Prognos-Ökonomen: "Die zunehmende europäische Integration hat das Wirtschaftswachstum der beteiligten Länder erhöht." Gelohnt hat es sich für alle Gründungsländer, allerdings mit starken Unterschieden. Der EU-Binnenmarkt habe besonders jenen Ländern geholfen, die wirtschaftlich sehr eng mit den anderen EU-Ländern verflochten seien, geht aus der Studie hervor.

So hatten die südlichen EU-Länder deutlich geringere Zuwächse als Dänemark, Deutschland oder Österreich (280 Euro). Der durchschnittliche jährliche Einkommenszuwachs, der dem EU-Binnenmarkt zugerechnet werden könne, liege in Italien bei 80, in Spanien und Griechenland bei 70 und in Portugal bei 20 Euro pro Einwohner.

Das Euro-Krisenland Griechenland ist allerdings ein Sonderfall. Im Durchschnitt der Jahre habe Griechenlands Bruttoinlandsprodukt durch die Integration zwar zugelegt, aber nur bis zur Schuldenkrise 2008/2009. Danach sei Griechenland praktisch vom EU-Binnenmarkt abgekoppelt worden. Darum: "Werden lediglich die Werte der Jahre 1992 und 2012 miteinander verglichen, so können alle Länder außer Griechenland dank der europäischen Integration höhere Pro-Kopf-Einkommen erzielen."

Die tatsächlichen Vorteile für die beiden Euro-Krisenländer Griechenland und Portugal, aber auch für andere Länder, die von Hilfsprogrammen in der Euro-Schuldenkrise profitiert haben, dürften noch höher liegen. "Diese Bemühungen wären sehr wahrscheinlich weniger konsequent ausgefallen, wären Griechenland oder Portugal keine Mitglieder der Europäischen Währungsunion." In den Berechnungen seien die Unterstützungsprogramme aber nicht berücksichtigt.

Der EU-Binnenmarkt sei keineswegs vollendet, erklären die Prognos-Ökonomen. Ausbaufähig sei vor allem der europäische Dienstleistungs- und Arbeitsmarkt. "So machen Dienstleistungen gegenwärtig rund 70 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts aus, aber nur 20 Prozent des grenzüberschreitenden Handels zwischen den EU-Ländern."

Thieß Petersen von der Bertelsmann-Stiftung erklärt dazu: "Den Menschen muss es leichter gemacht werden, Dienstleistungen auch aus dem Ausland zu beziehen." Dazu empfiehlt die Stiftung, Dienstleistungen in der EU besser zu standardisieren und die EU-Dienstleistungsrichtlinie vollständig umzusetzen.

Zum europäischen Arbeitsmarkt fordert die Stiftung: "Qualifikationen und Abschlüsse sollten unbürokratischer anerkannt werden." Hilfreich seien auch bessere grenzüberschreitende Informationen über Stellenangebote und eine erleichterte Mitnahme von Ansprüchen in der Sozialversicherung.

dpa


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