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Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen.

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen.© Boris Roessler

Banken

Deutsche-Bank-Aktionäre bestätigen angefochtene Beschlüsse

Die Deutsche Bank macht keine Hoffnung auf ein baldiges Ende des Streits mit den Nachfahren des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch. Das außerordentliche Aktionärstreffen in Frankfurt stand ganz im Zeichen dieser Fehde, die inzwischen mehr als ein Jahrzehnt dauert.

Frankfurt/Main. Die Deutsche Bank hat ihre Handlungsfähigkeit für wichtige Entscheidungen wieder. Bei der ersten außerordentlichen Hauptversammlung in der Geschichte des Instituts bestätigten die Aktionäre am Donnerstag mit großer Mehrheit bereits im vergangenen Jahr getroffene Beschlüsse. Dabei ging es unter anderem um die Dividendenzahlung für das Geschäftsjahr 2011, die Wahl von Aufsichtsratschef Paul Achleitner und die Bestimmung der

 

Abschlussprüfer. Diese Beschlüsse waren von Aktionären aus dem Lager des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch vor Gericht in erster

 

Instanz erfolgreich angefochten worden.

 

Mit dem mehr als 5 Millionen Euro teuren Sondertreffen wollte die

 

Deutsche Bank wieder Rechtssicherheit für wichtige Entscheidungen wie

 

die anstehende Auszahlung der Dividende schaffen, wie Co-Chef Jürgen

 

Fitschen erläuterte. Allerdings deuteten einige Aktionäre schon während der Versammlung an, erneut rechtliche Schritte gegen die Beschlüsse einzulegen.

 

Das Rederecht eines Aktionärs bei der Hauptversammlung am 31. Mai

 

2012 sei zu Unrecht beschnitten worden, hatte das Frankfurter

 

Landgericht sein Urteil begründet, mit dem es die alten Beschlüsse

 

kassierte. Dagegen legte die Deutsche Bank zwar Berufung ein. "Wir

 

sind der Meinung, dass uns nichts vorzuwerfen ist", sagte Fitschen.

 

Ein rechtskräftiges Urteil werde jedoch erst in mehreren Jahren

 

feststehen. Das dauerte der Bank zu lange.

 

Seit mehr als einem Jahrzehnt liefert sich die Deutsche Bank eine

 

an vielen Fronten geführte Auseinandersetzung mit dem Lager rund um

 

die Kirch-Erben. Diese geben dem Institut die Schuld an der Insolvenz

 

des Medienunternehmers im Jahr 2002 und fordern Schadensersatz. Neben

 

dem eigentlichen Verfahren überziehen die Kirch-Anwälte die Bank

 

immer wieder mit Anfechtungsklagen.

 

Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Auseinandersetzung mit der

 

Kirch-Gruppe zerstreute Co-Chef Fitschen. Er betonte, dass derzeit

 

keine Vergleichsverhandlungen liefen. Die Deutsche Bank hatte erst im März Beschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) gegen das Urteil des Oberlandesgerichts München eingelegt. Dort war das Institut am 14. Dezember zu Schadensersatz für die Pleite des Kirch-Medienimperiums verurteilt worden. Die Höhe ließen die Richter allerdings zunächst offen, geklagt hatte die Kirch-Seite in diesem Verfahren auf rund zwei Milliarden Euro.

 

Fitschen räumte ein, dass die Bank inzwischen erstmals

 

Rückstellungen für einen möglichen Schadensersatz gebildet hat. Zur

 

Höhe machte er keine Angaben. Der Streit mit Kirch hat die Deutsche

 

Bank laut Fitschen inzwischen allein an Rechtskosten einen "niedrigen

 

zweistelligen Millionenbetrag" gekostet.

 

Viele Aktionäre gaben sich genervt von der seit mehr als zehn

 

Jahren andauernde Fehde mit der Kirch-Gruppe. "Es reicht, wir werden

 

mit Kosten belastet, die mit uns nichts mehr zu tun haben", sagte

 

Kleinaktionärsvertreter Klaus Nieding von der Deutschen

 

Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Den Kirch-Vertretern gehe es

 

mit ihren ständigen Anfechtungen von Beschlüssen nur darum, ihren

 

"Lästigkeitsgrad" zu steigern und so die Deutsche Bank im

 

eigentlichen Schadenersatzverfahren zum Einlenken zu bewegen. Damit würden aber Aktionärsrechte zugunsten der Interessen Einzelner missbraucht.

 

Auch andere Redner forderten, dass der Streit in Gerichten und

 

nicht auf dem Rücken der Anteilseigner ausgetragen werden solle. Kirch-Anwalt Franz Enderle verteidigte vor den Aktionären sein

 

Vorgehen. Die Deutsche Bank stelle die Rechtslage falsch dar und

 

verharmlose das milliardenschwere Risiko einer Niederlage. Er

 

betonte, dass die Kirch-Seite zu einem Vergleich bereit gewesen wäre,

 

bei dem die Deutsche Bank 812 Millionen Euro hätte zahlen müssen.

dpa


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