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Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank.

Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. © Boris Roessler

Bundesbank

Bundesbank-Vorstand: Bankenstresstest nicht überbewerten

Europas Bankenaufseher durchleuchten wieder die Bilanzen großer Kreditinstitute. Doch dieses Mal ist einiges anderes als beim letzten Stresstest.

Frankfurt/Main. Die Deutsche Bundesbank warnt vor vorschnellen Schlüssen aus den laufenden Krisentests für Europas Banken. "Es geht bei diesem Stresstest nicht um Bestehen oder Durchfallen", sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

"Die Ergebnisse führen nicht unmittelbar zu harten bankaufsichtlichen Kapitalmaßnahmen." Die Ergebnisse der Untersuchung sollen nächste Woche Freitag (29.7.) nach Börsenschluss veröffentlicht werden. "Sie werden Aufschluss über den Zustand der größten europäischen Banken in einem strengen Stressszenario geben", sagte Dombret.

Die europäische Bankenaufsicht EBA hat 51 der größten europäischen Institute unter die Lupe genommen. Parallel dazu überprüfte die Europäische Zentralbank (EZB) gut 60 weitere Kreditinstitute aus der Eurozone. Veröffentlicht werden soll nur der EBA-Teil. Die EZB, die seit November 2014 zentrale Bankenaufsicht für den Euroraum ist, will ihre Resultate intern für die Überwachung der Banken nutzen.

"Mit einer vorschnellen Analyse der Ergebnisse wird man dieser Übung nicht gerecht", betonte Dombret. "Es geht darum, eine Wasserstandmeldung über den Zustand der Institute unter Stress einzuholen. Solche Tests sollen die Widerstandsfähigkeit der Institute unter ungünstigen Rahmenbedingungen offenlegen und damit zu Transparenz im Bankenmarkt beitragen."

In dem aktuellen Test wollten die Aufseher wissen, ob die Geldhäuser genügend Kapitalpuffer haben, um einen Absturz der Wirtschaft und einbrechende Immobilienpreise zu verkraften. Auf Basis der Geschäftszahlen zum Jahresende 2015 wurden verschiedene Szenarien für die Jahre 2016, 2017 und 2018 durchgespielt. Neu ist, dass sogenannte Rechtsrisiken einbezogen wurden. Damit sind zum Beispiel Strafen gemeint, die zu erwarten sind, etwa für Zinsmanipulationen (Libor).

"Es muss nicht sein, dass ein Kapitalbedarf entsteht, weil eine Bank 2018 unter Stress die Kapitalanforderungen nicht erfüllt", erklärte Dombret. "Die Idee eines Stresstests ist es gerade, extreme Szenarien durchzuspielen, die aber nur mit einer geringen Wahrscheinlichkeit eintreten."

Der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand betonte: "Es ist ja durchaus so, dass Banken ihre Geschäfte regelmäßig selbst überprüfen. Allerdings rechnen dabei alle Institute individuell. Der Stresstest soll Vergleichbarkeit schaffen und Transparenz für Marktteilnehmer." Allerdings würden in solchen Tests "gleiche Modelle über unterschiedliche Geschäftsmodelle gestülpt, damit wird man nicht jedem Institut gleichermaßen gerecht. Mit Blick auf bankaufsichtliches Handeln müssen die Ergebnisse also im Einzelfall genau geprüft werden."

dpa


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