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Der Verbraucher im Supermarkt hat eigentlich keine Chance, garantiert tiergerecht erzeugte Eier zu kaufen.

Der Verbraucher im Supermarkt hat eigentlich keine Chance, garantiert tiergerecht erzeugte Eier zu kaufen. © Malte Christians/Archiv/Symbolbild

Agrar

Branche will ausgeweitete Kennzeichnung für Eier

Eier gleichen sich wie ein Ei dem anderen? Von wegen. Selbst in der Bio-Haltung gibt es laut Kritikern große Unterschiede. Die Branche will nun auch mehr Transparenz: Verbraucher sollen besser sehen können, woher die Eier stammen.

Hannover/Berlin. Besser wissen, was drin ist: Deutschlands Legehennen-Halter dringen auf eine weitreichende Kennzeichnung für Eier im Lebensmittelhandel.

Der Bundesverband Deutsches Ei wolle sich für eine Neuregelung stark machen, teilte die Organisation auf Anfrage mit. Verbandschef Günter Scheper begründete den Vorstoß damit, dass deutsche Verbraucher großen Wert auf die deutsche Herkunft der Eier legten.

"Um diesem Verbraucherwunsch Rechnung zu tragen, wünscht sich die deutsche Eierwirtschaft eine ausgeweitete Kennzeichnung der deutschen Herkunft", sagte Scheper. "Nicht nur auf den im Handel erhältlichen Schaleneiern, sondern auch auf Eiprodukten für die Lebensmittelwirtschaft und auf weiterverarbeiteten eihaltigen Lebensmitteln wie Nudeln oder Keksen sollte künftig klar erkennbar sein, aus welcher Haltungsform und welchem Land die Eier stammen."

Bio, Freiland, Boden oder Käfig - die Art der Eierproduktion und die Lebensweise der Legehennen ist längst ein Politikum. So garantiere keine Eierproduktionsform eine tiergerechte Haltung von Legehennen, kritisiert die Verbraucherorganisation Foodwatch. Selbst Bio sei noch kein Garant dafür, heißt es in einem Foodwatch-Report. Luise Molling, Verbraucherrechtsexpertin bei Foodwatch, sagte: "Hühner sind Hochleistungstiere. Dementsprechend stellen sie auch höchste Ansprüche ans Management. Und in diesem Spannungsfeld besteht dann immer die Gefahr, dass das Profitdenken über dem Wohl der Tiere steht."

Foodwatch habe schon Bio-Haltungen mit 40 000 Tieren dokumentiert - die EU-Bio-Verordnung zieht die Grenze bei 3000 Tieren pro Stall. "Für das Einhalten der nötigen Obergrenze von 3000 Tieren genügten Holzwände als Abtrennung. Das dürften aber wohl die wenigsten Verbraucher in ihren Vorstellungen mit "Bio" verbinden", sagte Molling.

Hohe Krankheits- und Sterberaten, Verhaltensstörungen wie Federpicken oder Kannibalismus und das Töten ungewollter männlicher Küken gebe es in allen Haltungsformen. Die Verbraucher im Supermarkt hätten keine Chance, garantiert tiergerecht erzeugte Eier zu kaufen.

Die Geflügelwirtschaft hatte den Mitte 2015 vorgelegten Bericht zurückgewiesen. Die deutschen Halter produzierten "auf Basis hoher, über den europäischen Vorgaben befindlicher Standards hochwertige und gesunde Eier." Die Legehennenhalter seien sich "ihrer besonderen Verantwortung gegenüber dem Tier und dem Verbraucher bewusst."

Eine am Montag vorgelegte repräsentative Emnid-Umfrage legt den Wunsch nach einer weiterreichenden Kennzeichnung nahe. 81 Prozent der Befragten ab 14 Jahren wünschen sich demnach eine klare Kennzeichnung auf der Verpackung von Lebensmitteln, in denen Eier verarbeitet sind - etwa bei Nudeln, Gebäck oder Fertiggerichten. Die Erhebung erfolgte im Auftrag des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT). Zudem schaut laut Umfrage die große Mehrheit (87 Prozent) beim Kauf von frischen Schaleneiern genau auf die Packungsangaben und greift bei lose verkaufter Ware bewusst zu alternativ erzeugten Eiern aus Boden-, Freiland- oder Bio-Haltung.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, sagte, die Verbraucher müssten endlich sehen können, "wenn etwa Käfigeier aus hier verbotener Haltung aus der Ukraine oder Weißrussland in verarbeiteten Produkten untergejubelt werden".

Eine solche Kennzeichnung wäre ein doppelter Gewinn: Für die Verbraucher, die sich für mehr Tierschutz entscheiden könnten und für die Bauern, die in Deutschland Hennen halten "und im Moment mit billigem Ei-Pulver aus Käfig-Eiern konkurrieren müssen".

dpa


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