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Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG, Rüdiger Grube.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG, Rüdiger Grube. © Soeren Stache/Archiv

Verkehr

Bahn erwartet tiefrote Zahlen und baut um

In zwei Wochen will Vorstandschef Grube den tiefgreifenden Umbau des Bundeskonzerns präsentieren. Details sickern nun schon durch. Und Zahlen, die zeigen, dass Grube keine Zeit mehr verlieren kann.

Berlin. Die Deutsche Bahn rutscht nach zwölf profitablen Jahren wieder tief in die roten Zahlen. Kosten für den Konzernumbau, Probleme der Gütersparte, Streiks und Unwetterschäden drücken den Bundeskonzern in diesem Jahr mit gut einer Milliarde Euro ins Minus.

Das verlautete aus Aufsichtsratskreisen. Medien berichteten von einem Verlust von knapp 1,3 Milliarden Euro.

Unterdessen nimmt der tiefgreifendste Umbau des Konzerns seit mehr als zwei Jahrzehnten Formen an. "Der Vorstand wird dem Aufsichtsrat am 16. Dezember ein mehrjähriges Programm für mehr Qualität, mehr Kunden und mehr Erfolg vorlegen", sagte ein Sprecher am Mittwoch. Er nannte jedoch keine Details und äußerte sich auch nicht zu den erwarteten Geschäftszahlen.

Schon im Juli hatte der Konzern seine Jahresprognose nach unten korrigiert, damals aber unterm Strich noch wie im Vorjahr einen Gewinn von einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Laut Aufsichtsratskreisen droht nun trotz eines Rekordumsatzes von etwa 40,6 Milliarden Euro ein Verlust.

Vom voraussichtlichen Vorsteuergewinn von 1,75 Milliarden Euro gehen demnach 700 Millionen Euro für Konzernumbaukosten ab, weitere 1,3 Milliarden Euro für Abschreibungen im Güterverkehr. 850 Millionen Euro überweist die Bahn wie geplant als Dividende an ihren Eigentümer, den Bund. Im vergangenen Jahr hatte die Bahn bei einem Umsatz von 39,7 Milliarden Euro einen Gewinn von 988 Millionen Euro ausgewiesen.

Der Aufsichtsrat wird am 16. Dezember über das Programm "Zukunft Bahn" entscheiden, mit dem Konzernchef Rüdiger Grube das Unternehmen wieder profitabel machen will. Demnach sollen in den nächsten fünf Jahren 20 Milliarden Euro in die Qualität des Angebots investiert werden, etwa in bessere Informationssysteme an Bahnsteigen und ein Frühwarnsystem für drohende Weichenstörungen. Die Pünktlichkeit soll steigen, der Service besser werden.

Auch die letzten Nachtzuglinien sollen gestrichen werden, wie die "Suttgarter Zeitung" (Donnerstag) berichtet. Demnach heißt es in einem internen Schreiben der Bahn, weitere Investitionen in dieses Angebot seien "wirtschaftlich nicht tragfähig", die Ertragsprognose sei "stark negativ". Das Angebot laufe wie die Autozüge im Dezember 2016 aus. Von der Bahn gab es dazu zunächst keine Stellungnahme. Das Nachtzugangebot ist jedoch in den vergangenen Jahren schon deutlich geschrumpft, weil die Kunden zum Flugzeug abwandern.

Zu einer besseren Pünktlichkeit soll auch die Software Rail Control System der Schweizerische Bundesbahnen (SBB) beitragen, die nach eigenen Angaben das am dichtesten befahrene Zugnetz der Welt betreibt. Es soll von 2019 an auch die Züge auf dem Netz der DB Netz AG disponieren. Eine entsprechende Lizenzvereinbarung wurde Ende August 2015 geschlossen. Die Schweizer Bahn zählt Experten zufolge zu den pünktlichsten der Welt.

Grube hatte unlängst eine umfassende und weitreichende Reform angekündigt. Er will Doppelstrukturen im Konzern schleifen, rund 5000 Mitarbeiter aus der Zentrale in eine Servicetochter verschieben, eine Teilprivatisierung der verlustreichen Gütersparte DB Schenker und der profitablen europäischen Bustochter Arriva ermöglichen. Die Zahl der Vorstandsmitglieder wurde schon von acht auf sechs verringert.

Einen Stellenabbau hat Grube bislang nicht ausgeschlossen. Die Bahn ist mit rund 196 000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Im Ausland hat sie gut 100 000 Mitarbeiter.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warf Grube und seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn vor, die Bahn über Jahre ausgepresst zu haben "wie eine Zitrone". In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag) forderte er, Grube auf, sich ausschließlich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. "Das heißt vor allem: Strecken sanieren, pünktlichen Taktfahrplan durchsetzen und wieder mehr kundenfreundliche Angebote einführen."

dpa


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