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Energie

Aus für Bosch Solar: Vorzeigebranche bangt um tausende Jobs

Der geplante Ausstieg des Bosch-Konzerns aus dem Solargeschäft versetzt der einstigen Vorzeigebranche in Ostdeutschland einen neuen Schlag. Nun wird allein in Thüringen und Brandenburg um rund 2500 Jobs gerungen.

Arnstadt/Prenzlau. Es dürfe keine betriebsbedingten Kündigungen geben und der Standort Arnstadt müsse erhalten bleiben, forderte der 1. Bevollmächtigte der Erfurter IG Metall, Wolfgang Lemb, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Mehr Klarheit über die Zukunft des Werkes mit 1800 Beschäftigten erhoffe er sich diese Woche von einer Betriebsversammlung und einem Krisengipfel mit Thüringens SPD-Wirtschaftsminister Matthias Machnig.

Betroffen sind auch 700 Jobs in Brandenburg. Der Konzern will sein dortiges Tochterunternehmen Aleo Solar mit Stammwerk in Prenzlau möglichst bald verkaufen. Zunächst geht der Betrieb dort aber normal weiter, betonte ein Firmensprecher am Sonntag. "Bis Ende März 2014 haben wir die Finanz- und Liquiditätsausstattung von Bosch." Dies gelte auch für den Standort Oldenburg. Durch die Ankündigung von Bosch herrsche jedoch große Unsicherheit bei der Belegschaft. "Die Stimmung ist gedrückt und die Anspannung hoch."

Laut dem Bundesverband Solarwirtschaft bot die Branche in Deutschland 2012 etwa 120 000 Menschen Arbeit. Doch die hiesige Solarindustrie muss sich nach Expertenmeinung auf weitere Rückschläge einstellen. Mit dem Ende von Bosch Solar sei der Tiefpunkt noch nicht erreicht, sagte der Geschäftsführer des Branchenverbandes Solarvalley Mitteldeutschland, Peter Frey, dem MDR Thüringen. Seinen Angaben nach können Solarfabriken weltweit doppelt so viele Anlagen herstellen, wie verkauft werden. Deutsche Hersteller sollten darauf setzen, Solarmodule mit ausgefeilter Speichertechnik zu kombinieren.

Bosch will nach einem Milliardenverlust im vergangenen Jahr aus dem Solargeschäft aussteigen. Die Fertigung von kristallinen Solarzellen am Hauptsitz in thüringischen Arnstadt soll Anfang 2014 eingestellt und sämtliche Entwicklung- und Vertriebsaktivitäten beendet werden, hatte der Konzern Ende voriger Woche mitgeteilt. Von der Entscheidung sind den Angaben zufolge insgesamt rund 3000 Beschäftigte betroffen. Gewerkschafter Lemb bezeichnete diesen Schritt als "bitter und strategisch völlig falsch". "Trotz der momentanen Krise bin ich davon überzeugt, dass die Solarindustrie Zukunft hat", erklärte Lemb. Unternehmen, die die momentane Durststrecke durchstehen, winke ein sehr zukunftsträchtiger Markt.

Lemb verlangte, dass entweder zumindest Teilbereiche der Solarproduktion in Arnstadt an andere Hersteller verkauft oder andere Produktionslinien des Bosch-Konzerns an den Standort verlagert werden. "Die große Mehrheit der Belegschaft ist momentan nicht gewillt, über einen Sozialplan zu reden."    

 

 

  Die Beschäftigten in Prenzlau waren am Freitag zeitgleich mit den rund 150 Kollegen in Oldenburg über den geplanten Ausstieg von Bosch informiert worden. Der Technikkonzern hält mehr als 90 Prozent der Anteile an Aleo Solar. Die Ansage sei völlig überraschend gekommen, hieß es. Auch Brandenburgs Wirtschaftsministerium war nach eigenen Angaben von den Plänen nicht unterrichtet. "Wir suchen das Gespräch mit dem Unternehmen, um möglichst schnell Details zu erfahren", sagte ein Sprecher.

 

In Brandenburg/Havel will Bosch dagegen sein Engagement zunächst fortsetzen. Über die Zukunft des Standorts werde später entschieden, hieß es. An dem Standort werden effiziente Dünnschichtmodule entwickelt und für Pilotprojekte gefertigt. Das Werk hat mehr als 150 Mitarbeiter.  

Die IG Metall Ostbrandenburg bewertet die Chancen für einen Verkauf des Werkes in Prenzlau angesichts der Solarkrise skeptisch. "Andernorts gestaltet sich die Investorensuche bislang auch kompliziert", sagte der Bevollmächtigte Peter Ernsdorf. Die Entscheidung von Bosch sei für die Beschäftigten und die strukturschwache Region ein "absolutes Desaster". Ernsdorf sieht die Politik gefordert: "Mit der Energiewende ist bislang viel in den Sand gesetzt worden. Es wird nicht genug unternommen."

 

  

dpa


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