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Am Hauptstadtflughafen BER gilt seit Montag Baustopp. Eine neue Statikberechnung soll belegen, dass das Bauwerk standfest ist.

Am Hauptstadtflughafen BER gilt seit Montag Baustopp. Eine neue Statikberechnung soll belegen, dass das Bauwerk standfest ist. © Ralf Hirschberger

Luftverkehr

Aufsichtsrat berät über BER und glaubt an Eröffnung 2017

Ein "Sturm im Wasserglas" - mehr nicht? Angesichts des Baustopps im Terminal will der Aufsichtsrat Sorgen um den Eröffnungstermin zerstreuen. Er berät am Freitag auch über die Zeit danach.

Berlin. Am neuen Hauptstadtflughafen treibt der Aufsichtsrat die Pläne für eine Erweiterung des Projekts voran.

Nach dem für 2017 geplanten Start könnte das Terminal des alten Flughafens Schönefeld nebenan in Betrieb bleiben. Zudem sind provisorische Abfertigungsgebäude vorgesehen - so weit jedenfalls die Überlegungen, die den Aufsichtsrat am Freitag ein weiteres Mal beschäftigten.

Zugleich bemühte sich das Kontrollgremium, Befürchtungen zu zerstreuen, dass die Eröffnung des drittgrößten deutschen Flughafens noch einmal verschoben werden muss.

Trotz des Baustopps könne der Flughafen im zweiten Halbjahr 2017 eröffnen, machte der Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider am Freitag deutlich. "Ich glaube nicht, dass der Eröffnungstermin durch diese Havarie gefährdet wird." Seit Montag gilt ein Baustopp im Terminal, weil unter der Decke zu schwere Rauchgasventilatoren hängen.

Seit 2011 sind schon vier Eröffnungstermine geplatzt, weil Planungsfehler, Baupfusch und Technikprobleme den Bau verzögern. Der neue Airport soll die bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld sowie den geschlossenen Flughafen Tempelhof ablösen.

Weil die Passagierzahlen aber stärker steigen als vor Jahren erwartet, wird der Neubau vom Start weg zu klein sein. Er ist für 27 Millionen Passagiere ausgelegt, soll aber voraussichtlich nicht unter Volllast starten, um Chaos zu vermeiden. 2017 rechnet die Flughafengesellschaft jedoch schon mit 33 Millionen Fluggästen. Bereits genehmigt sind zwei Terminal-Satelliten auf dem Vorfeld des Neubaus, sie würden aber nicht rechtzeitig fertig. Im Gespräch ist deshalb, für etwa fünf Jahre das benachbarte alte Schönefelder Terminal offenzuhalten und zusätzlich einen Interimsbau neben das neue Terminal zu stellen.

Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung drangen zunächst nicht nach außen. Das Gremium wollte nach Sitzungsende informieren.

Die möglichen Statikprobleme im neuen Abfertigungsgebäude waren in der vergangenen Woche entdeckt worden. Auf Arbeitsbühnen hängen an der Terminaldecke schwerere Ventilatoren als geplant. Sie wiegen bis zu vier Tonnen. Der Aufsichtsrat wollte anhand neuer Berechnungen auswerten, ob die Standsicherheit der Bühnen dennoch gegeben ist. Der Berliner Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup hatte am Vortag deutlich gemacht, dass die Baustelle spätestens in vier Wochen wieder komplett freigegeben werden dürfte.

Bretschneider sprach angesichts der öffentlichen Debatten um den Baustopp von einem "Sturm im Wasserglas". "Es ist ein Fehler entdeckt worden und der wird abgestellt, Punkt." Wenn es schlecht laufe, finde man in dem neuen Terminal in Schönefeld noch 15 solcher Fehler, vermutete Bretschneider. Später sprach er von "weiteren Fehlern".

Anwohner-Initiativen forderten am Tagungsort, angesichts der Schwierigkeiten aus dem Projekt auszusteigen und an anderer Stelle einen neuen Flughafen zu planen. Bretschneider entgegnete ihnen: "Wir kommen von dem Standort Schönefeld nicht weg. Wir werden ihn zukunftsfähig ausbauen." Nach einer repräsenativen Umfrage von TNS Emnid für den "Focus" meinen 56 Prozent der Bundesbürger, dass der Flughafen fertig gebaut werden sollte. 21 Prozent sind für eine ersatzlosen Ausstieg aus dem Projekt, 15 Prozent für einen Neustart.

dpa


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