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Die Verlagsspitze der «Washington Post» sieht im Amazon-Chef Bezos den idealen Besitzer. Foto: Michael Nelson

Die Verlagsspitze der «Washington Post» sieht im Amazon-Chef Bezos den idealen Besitzer. Foto: Michael Nelson

Medien

Amazon-Chef kauft die "Washington Post"

Für das US-Traditionsblatt "Washington Post" bricht eine neue Ära an: Amazon-Chef Jeff Bezos kauft die Zeitung für 250 Millionen Dollar (188 Mio Euro) aus seinem persönlichen Vermögen.

Washington/Seattle. Der zu den erfolgreichsten Internet-Unternehmern zählende Bezos übernimmt ein Blatt, das seit Jahrzehnten das politische Geschehen in den Vereinigten Staaten mit prägt. Reporter der "Washington Post" brachten den Watergate-Skandal ins Rollen und veröffentlichten parallel zum britischen "Guardian" die ersten Enthüllungen zum NSA-Spähprogramm Prism.

Donald Graham, Chef der Washington Post Company und Kopf der Verlegerfamilie, führte die schwierige Lage der Branche als Grund für den Verkauf ins Feld: "Das Zeitungsgeschäft brachte immer neue Fragen auf, auf die wir keine Antwort haben." Auch bei der Hauptstadt-Zeitung waren bedingt durch die Online-Konkurrenz Auflage und Anzeigeneinnahmen geschrumpft. "Die "Washington Post" hätte auch im Besitz unseres Unternehmens überleben können auf absehbare Zeit", sagte er im eigenen Blatt. "Aber wir wollten mehr als überleben."

Der Zeitung zufolge gab es noch ein halbes Dutzend weitere Interessenten. Aber erst durch das Auftauchen von Jeff Bezos seien seine Hemmungen gegenüber einem Verkauf verschwunden, sagte Graham. "Ich sage nicht, dass dies einen Erfolg garantiert, aber es birgt eine größere Chance auf einen Erfolg."

Wie das Medienunternehmen betonte, kauft der Amazon-Gründer die überregionale Zeitung als Einzelperson und nicht im Namen des weltgrößten Onlinehändlers Amazon. Bezos sagte, er habe noch keinen ausgearbeiteten Plan für die Zeitung. "Das ist unbekanntes Gebiet und es wird Experimentieren erfordern." Er zeigte sich aber zuversichtlich für die Zukunft des Blattes.

Die Redaktion war zunächst wie vor den Kopf gestoßen. Es folgten jedoch rasch positive Kommentare. "Insgesamt gesehen ist das ein gutes Ergebnis für die "Post"", schrieb Watergate-Aufdecker Bob Woodward in einer E-Mail an die Online-Publikation Politico, die sich in der US-Hauptstadt zu einem der schärfsten Rivalen der "Washington Post" gemausert hat. "Bezos hat das Geld, die Geduld und das Vorstellungsvermögen, damit es funktioniert." Von Verlagschef Graham sei der Verkauf "ein mutiger Schritt im größeren Interesse der Zeitung und ihres Überlebens" gewesen.

Bezos versprach: "Die Werte der "Post" werden sich nicht ändern." Die bisherigen Verantwortlichen sollen in ihren Ämtern bleiben, darunter Herausgeberin Katharine Weymouth und Chefredakteur Martin Baron. Entlassungen unter den 2000 Mitarbeitern werden nicht erwartet. Zusammen mit der "Washington Post" gehen auch mehrere kleinere Blätter an den Internet-Unternehmer über, ausgeklammert ist indes das Verlagsgebäude. Auch das Internet-Magazin "Slate" wird nicht an Bezos verkauft.

Der 49 Jahre alte Unternehmer kann sich den Kauf locker leisten: Er besitzt nach Schätzungen des Finanzdienstleisters Bloomberg aktuell ein Vermögen von 28,2 Milliarden Dollar (21,3 Mrd Euro), das vor allem in Amazon steckt. Damit landet er in der Rangliste der Superreichen auf Rang 15.

Die börsennotierte Washington Post Company stellt sich schon seit Jahren neu auf. Zu ihr gehören unter anderem ein Bildungsanbieter, lokale Fernsehstationen und ein Kabelnetz-Betreiber. Vor allem dank des Fernsehgeschäfts lag der operative Gewinn des Unternehmens im ersten Halbjahr bei 116 Millionen Dollar, die Zeitungen erwirtschafteten dabei einen Verlust in Höhe von 49 Millionen Dollar. Die Auflage der "Washington Post" war von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,1 Prozent auf durchschnittlich 447 700 zurückgegangen.

Der Verkauf der "Washington Post" ist der bisherige Höhepunkt eines Umbruchs in der US-Zeitungslandschaft: Erst am Wochenende hatte der "Boston Globe" für 70 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt. Auch hier war es ein reicher Einzelunternehmer, der zuschlug. Zuvor hatte Medienmogul Rupert Murdoch seine Zeitungen (unter anderem "Wall Street Journal", "Sun") in ein eigenständiges Unternehmen abgespalten. Einen ähnlichen Weg geht die Tribune Company ("Chicago Tribune", "Los Angeles Times"), die sich aufs Lokalfernsehen verlegt.

Starinvestor Warren Buffett hatte über seine Investmentholding Berkshire Hathaway rund 70 lokale Blätter übernommen. Buffett ist auch größter außenstehender Aktionär der Washington Post Company, die von der Verlegerfamilie Graham kontrolliert wird. Der Kurs des Unternehmens stieg am Freitag vorbörslich um 5 Prozent.

dpa


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