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Ärzte und Krankenkassen sollen Diagnosen systematisch manipuliert haben.

Ärzte und Krankenkassen sollen Diagnosen systematisch manipuliert haben.
 © dpa

Krankenkassen

Ärzte manipulieren Diagnosen für mehr Geld

Erst die Techniker Krankenkasse – jetzt auch Barmer, DAK und KKH. Immer mehr Krankenkassen sollen Ärzte zur Manipulation von Diagnosen angestiftet haben. Für mehr Geld ließen sie ihre Patienten kränker erscheinen.

Düsseldorf.  Am Wochenende sorgte der Chef von Deutschlands größter Krankenkasse für Schlagzeilen. Ärzte und Kassen machten ihre Patienten auf dem Papier kränker, als sie seien, sagte Jens Baas, Vorsitzender der Techniker Krankenkasse, im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Es sei „ein Wettbewerb zwischen den Kassen darüber entstanden, wer es schafft, die Ärzte dazu zu bringen, für die Patienten möglichst viele Diagnosen zu dokumentieren.“ Dann gebe es mehr Geld aus dem Risikostrukturausgleich. Dazu sollen Mediziner die Diagnosen ihrer Patienten bewusst im Sinne der Kassen beeinflusst haben.

Auch die Ärzte sollen davon finanziell profitiert haben. „Die Kassen bezahlen zum Beispiel Prämien von zehn Euro je Fall für Ärzte, wenn sie den Patienten auf dem Papier kränker machen,“ sagte Baas weiter. Die Zahl der Depressionen habe sich beispielsweise in den vergangenen vier Jahren vervierfacht. Das liege nicht daran, dass die Krankheit tatsächlich häufiger auftrete, gibt er zu bedenken.

Die von Baas geäußerten Diagnosemanipulationen bei der Einstufung von Krankheiten treffen offenbar nicht nur, wie zunächst angenommen, Ortskrankenkassen und die Techniker Krankenkassen. Sie haben einem Bericht zufolge ein größeres Ausmaß als bisher bekannt. Wie das Düsseldorfer „Handelsblatt“ am Mittwoch berichtete, sollen auch DAK, Barmer GEK, KKH sowie eine größere Zahl von Betriebs- und Innungskrankenkassen durch Beratung oder Verträge mit Ärzten Einfluss auf deren Diagnoseverhalten genommen haben.

Mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hatte am Montag mehr Transparenz bei ärztlichen Diagnosen gefordert, um Manipulationen zu vermeiden. Hintergrund ist, dass es für 80 ausgewählte Krankheiten seit 2009 für die Kassen mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds gibt.

Die Einflussnahme erfolgte dem Bericht zufolge vor allem über sogenannte Betreuungsstrukturverträge, die von den genannten Kassen mit Ärzten abgeschlossen worden seien. Formal gehe es dabei um eine bessere Betreuung der Versicherten. Allerdings würden Ärzte Extrahonorare dann erhalten, wenn der Arzt in seinem Computer die Krankheit im Sinne der Kasse kodiere.

Der in Sachsen und Thüringen tätigen Kasse AOK Plus sei es auf dies Weise gelungen, Mehreinnahmen allein bei Herz-Kreislauferkrankungen von bis zu 72,4 Millionen Euro pro Jahr zu erzielen, bei psychischen Erkrankungen von bis zu 110 Millionen Euro, hieß es im „Handelsblatt“. Das Blatt berief sich auf eine kürzlich veröffentlichte Doktorarbeit einer leitenden Mitarbeiterin der AOK Bayern.

Von RND/afp/are

Düsseldorf

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