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Selbst wenn VW weitere Millionen direkt von verantwortlichen Managern hereinholt, bliebe die Summe weit unter dem geschätzten Schaden von 6,5 Milliarden Euro.

Selbst wenn VW weitere Millionen direkt von verantwortlichen Managern hereinholt, bliebe die Summe weit unter dem geschätzten Schaden von 6,5 Milliarden Euro. © Peter Endig/Archiv

Auto

Abgas-Skandal: VW ruft fünf Millionen Autos in die Werkstätten

Der VW-Konzern nimmt Fahrt auf im Abgas-Skandal. Erste Etappe ist ein Aktionsplan, wie von den Behörden gefordert. Die IG Metall will jetzt mögliche Nachteile des Abgas-Skandals für die Belegschaft abwehren.

Wolfsburg/Brüssel. Im Abgas-Skandal hat VW einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vorgestellt und will fünf Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten holen. Die Wagen gehören zur Marke Volkswagen.

Die betroffenen VW-Kunden sollen demnächst per Post informiert werden, wenn ihre Diesel-Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. VW sprach von "Servicemaßnahmen". Es handle sich aber nicht um eine "Sicherheits-Rückrufaktion", weil die Sicherheit der Fahrzeuge nicht tangiert sei, sagte ein VW-Sprecher.

Die Kunden der Fahrzeuge sollen in den nächsten Wochen und Monaten informiert werden. Ex-VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard bestritten, etwas vom Einbau der Diesel-Manipulationssoftware gewusst zu haben.

Zu der Serviceaktion für die Fahrzeuge sagte VW-Markenchef Herbert Diess in Brüssel: "Wir haben einige Lösungen erarbeitet, insbesondere stehen natürlich die Kunden im Fokus im Moment." Die Kosten könne VW noch nicht abschätzen. Diess informierte EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska über den Abgas-Skandal. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte nach dem Treffen: "Beide Teilnehmer waren sich einig, dass es äußerst wichtig ist, das Vertrauen in die europäische Autoindustrie wieder herzustellen."

VW hatte bereits am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass von der Konzern-Kernmarke VW fünf Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Ebenfalls bereits bekannt ist, dass es insgesamt um elf Millionen Fahrzeuge geht, davon 2,8 Millionen in Deutschland.

Volkswagen und die weiteren betroffenen Marken des Konzerns wollen den zuständigen Behörden im Oktober die technischen Lösungen vorstellen. Die betroffenen Autos bestimmter Baujahre und Modelle - darunter der Golf sechs, der Passat der siebten Generation oder die erste Generation des Volkswagen Tiguan - sind mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet. Dass diese Modelle den Motor enthalten, hatte VW bereits am vergangenen Freitag bekanntgegeben. Der Autokonzern hatte mit einer Software Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen in den USA manipuliert.

Am Mittwochnachmittag steht nach dpa-Informationen erneut ein Krisentreffen des Aufsichtsrats-Präsidiums von VW an. Zum innersten Machtzirkel zählen Aufsichtsratschef Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Aufsichtsrat Wolfgang Porsche, Betriebsratschef Bernd Osterloh und dessen Stellvertreter Stephan Wolf. Dem Gremium soll nach internen Ermittlungen ein erster Zwischenbericht vorgelegt werden. Demnach fiel die Entscheidung zum Einbau der manipulierten Software bereits in den Jahren 2005 und 2006, und zwar in der Motorenentwicklung in der VW-Zentrale.

Der frühere VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatten nach eigenen Angaben keinerlei Kenntnis vom Einbau der Manipulationssoftware. Beide hätten auch keine Entscheidungen zur Entwicklung oder zum Einsatz der Software getroffen, teilten die Manager am Dienstagabend über die Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann mit.

Unterdessen wehrt sich die IG Metall gegen drohende negative Folgen des VW-Abgasskandals für die Belegschaft. Die Affäre bedeute einen "unendlichen Schaden" für das Produkt, den Konzern und den Standort Deutschland, sagte Gewerkschaftschef Detlef Wetzel in Frankfurt.

Aus nationaler Sicht sei der Skandal mit der Finanzkrise 2008/2009 vergleichbar. Arbeitnehmer seien dafür nicht verantwortlich, meinte Wetzel am Montagabend. Er gab aber zu, dass sich auch die in Wolfsburg mächtige IG Metall Fragen zu ihrem Beitrag zur Unternehmenskultur bei VW stellen müsse. Es stehe ein großer Kulturwandel an. "Es ist kein Wert an sich, größer als Toyota zu sein", sagte Wetzel. Zudem müsse man fragen: "Wieso haben wir davon nichts gewusst?" Die Affäre hat aus Sicht der Gewerkschaft aber mit der besonders ausgeprägten Mitbestimmung im Konzern nichts zu tun.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch), der Betriebsrat habe nicht erst "seit gestern" Veränderungen in der Unternehmenskultur gefordert. "Wir haben neue Strukturen eingefordert, weil wir klar gesehen haben, dass Volkswagen so auf Dauer nicht mehr zu führen ist." Bisher hätten sich Mitarbeiter mit Verbesserungsvorschlägen nicht durchsetzen können, "weil ihnen keiner zugehört hat".

Die bisherigen finanziellen Rückstellungen wegen des Abgas-Skandals dürften einem Bericht zufolge nicht für die Lösung aller Probleme ausreichen. Dies geht aus einer Antwort von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auf entsprechende Fragen bei einer Manager-Versammlung hervor, wie das Fachblatt "Automobilwoche" (Dienstag) schreibt.

Die veranschlagten 6,5 Milliarden Euro sind demnach vor allem für technologische Lösungen und Service-Leistungen vorgesehen. Möglicher Schadenersatz, Anwaltshonorare und andere Kosten kämen obendrauf. Ein VW-Sprecher verwies auf die Gewinnwarnung aus der vergangenen Woche fürs dritte Geschäftsquartal, wonach der angenommene Betrag für Serviceleistungen "Einschätzungsrisiken" unterliege und auch bereits klar nur den Serviceleistungen zugeordnet worden sei.

Der neue VW-Konzernchef Matthias Müller versprach eine "schonungslose und konsequente Aufklärung". Volkswagen werde in den nächsten Tagen betroffene Kunden darüber informieren, dass das Abgasverhalten ihres Fahrzeugs in Kürze nachgebessert werden müsse, sagte Müller laut Mitteilung am Montagabend. VW stehe vor der "größten Bewährungsprobe" in der Unternehmensgeschichte. Müller ist Nachfolger von Martin Winterkorn, der im Zuge des Skandals seinen Posten räumen musste.

dpa


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