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Zum Jahreswechsel erhöhen mehr als 200 Versorger den Strompreis um durchschnittlich 3,5 Prozent.

Zum Jahreswechsel erhöhen mehr als 200 Versorger den Strompreis um durchschnittlich 3,5 Prozent.© dpa

Millionen Haushalte betroffen

2017 wird Strom wieder teurer

Ende der Verschnaufpause für Deutschlands Stromkunden: Nach einem Jahr praktisch ohne Steigerungen geht es für Millionen Haushalte zum Jahresanfang 2017 wieder spürbar nach oben. Um rund 50 Euro pro Haushalt soll der Strom teurer werden.

Berlin.  Die Stromkonzerne müssen Preiserhöhungen sechs Wochen vorher ankündigen – zum neuen Jahr also bis zum Anfang dieser Woche. Mehr als 200 Versorger haben diese Frist eingehalten, wie die Vergleichsportale Verivox und Check24 mitteilten.

Demnach will fast jeder vierte Anbieter den Strompreis zum Jahreswechsel um durchschnittlich 3,5 Prozent erhöhen. Das entspricht etwa 40 bis 50 Euro im Jahr. Insgesamt rechnet Check24-Geschäftsführer Energie Oliver Bohr mit Strompreiserhöhungen im nächsten Jahr von vier bis fünf Prozent.

Die großen Versorger ziehen vielleicht nach

Dabei halten sich die vier größten Versorger RWE/Innogy, Eon, EnBW und Vattenfall in den Heimatmärkten Hamburg und Berlin bisher noch zurück und wollen über den Jahreswechsel die Preise stabil halten, wie Sprecher erklärten. Sie könnten aber im Laufe des Jahres nachziehen.

„In der Vergangenheit konnten wir beobachten, dass viele Anbieter zum Jahreswechsel zunächst stillhalten, später aber mit Preiserhöhungen nachziehen“, sagt Jan Lengerke, Mitglied der Verivox-Geschäftsleitung. „Deshalb erwarten wir auch 2017 eine zweite Preiswelle im Frühjahr.“

40 Euro Mehrkosten für eine vierköpfige Familie

Das Vergleichsportal Verivox hat ausgerechnet, welche Folgen die angekündigte Strompreiserhöhung von durchschnittlich 3,5 Prozent für eine vierköpfige Familie hat. Dafür hat sie einen Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden vorausgesetzt. Ergebnis: Die Familie wird 2017 etwa 40 Euro mehr für Strom bezahlen müssen als 2016.

Die Erhöhungen fallen regional unterschiedlich aus,wie Verivox weiter mitteilt: In Sachsen sind laut Verivox besonders viele Haushalte von den Preissteigerungen betroffen, weil gut zwei Drittel aller Grundversorger dort ihre Strompreise anheben. Auch viele Bayern und Hessen müssen demnach zum Jahreswechsel mit höheren Kosten für Strom rechnen.

Öko-Strom-Umlage steigt um 8,3 Prozent

Grund für die Erhöhungen sind nach Einschätzung von Fachleuten nicht die Strom-Beschaffungspreise an der Strombörse. Sie sind nach wie vor recht niedrig und waren im ersten Halbjahr 2016 sogar auf jahrelange Tiefstwerte gefallen.

Deutlich teurer werden dagegen die Ökostrom-Umlage, die 2017 um 8,3 Prozent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde wächst und die Kosten für die Stromnetze. Beide Posten machen zusammen rund die Hälfte des Strompreises aus.

Kritik an Konzernen und Stadtwerken

„Die Netzentgelte sind der größte Kostentreiber bei den Strompreisen“, sagt etwa Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft des Ökostromanbieters Lichtblick. „Weil die Netzgebühren in den meisten Regionen Deutschlands auch 2017 wieder deutlich steigen, erwarten wir flächendeckend höhere Strompreise.“ Lücking wirft den Stromkonzernen und Stadtwerken vor, für ihre Stromnetze übertrieben hohe Renditen zu kassieren.

Die Stromkunden zahlen mit EEG-Umlage und Netzentgelten zugleich auch kräftig für die Energiewende mit. Allein das Vergütungsaufkommen für Erneuerbare Kraftwerke aus der EEG-Umlage wird laut Bundesnetzagentur für 2017 auf 29,5 Milliarden geschätzt, denen nur knapp 5 Milliarden Euro Einnahmen für diesen Strom am Markt gegenüberstehen.

Streit um Verteilung der Netzkosten

Die Netzkosten decken nicht nur den Bau neuer Leitungen und Unterhalt bestehender Netze ab, die Kunden zahlen auch für Eingriffe der Netzmanager wegen der starken Schwankungen der Wind- und Sonnenproduktion. Dazu zählt vor allem die kostenpflichtige Abschaltung von Windkraftanlagen, wenn die bestehenden Leitungen ihren Strom nicht mehr transportieren können, oder der Einsatz von Reservekraftwerken bei regionaler Unter- und Überversorgung. Die Kosten dafür wachsen stark und liegen aktuell bei rund einer Milliarde Euro im Jahr.

Für politischen Zündstoff sorgt dabei die ungleiche Verteilung der Netzkosten: Die Netzentgelte wachsen nämlich besonders stark auf dem Land, im Osten und in Bayern – überall, wo besonders viele Wind-und Sonnenenergieanlagen errichtet und angeschlossen werden müssen – während der Westen mit seinen modernen Stromleitungen und vergleichsweise weniger Erneuerbaren-Kraftwerken geringer draufzahlt.

Der für Norddeutschland und Bayern zuständige Übertragungsnetzbetreiber Tennet kündigte etwa Ende September eine massive Erhöhung seiner Netzentgelte um 80 Prozent an – ein Paukenschlag. Im Westen kalkuliert das Dortmunder Netzunternehmen Amprion dagegen für 2017 nur mit vergleichsweise moderaten Zuwachsraten von rund zehn Prozent. Energieexperten fordern deshalb schon länger bundeseinheitliche Netzentgelte, die Bundesregierung plant ein entsprechendes Gesetz.

Verbraucher haben Sonderkündigungsrecht

Erhöhen Stromanbieter den Preis, haben private Stromkunden in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Sie können also ihren Vertrag zum Zeitpunkt der Erhöhung kündigen, erklärt Hartmut Müller von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Wollen Verbraucher zu einem günstigeren Anbieter wechseln, sollten sie am besten direkt nach Erhalt des Schreibens kündigen – idealerweise per Einschreiben mit Rückschein.

Die Stromversorger müssen auf eine Preisänderung dem Gesetzgeber zufolge „rechtzeitig, in jedem Fall jedoch vor Ablauf der normalen Abrechnungsperiode“ hinweisen. Dies müsse außerdem auf „transparente und verständliche“ Weise geschehen. Der Stromkunde muss auch über seine Rücktrittsrechte informiert werden. Die Mitteilung von Preiserhöhungen ist in der Praxis aber häufig in Informationsbriefen mit langen Texten versteckt, wie Verbraucherschützer kritisieren.

Müller weist außerdem darauf hin, dass Stromkunden beim Anbieterwechsel mit mehreren Tarifrechnern prüfen sollten, welches Angebot für sie das günstigste ist. Dabei sollten sie aus den Voreinstellungen Vergünstigungen und Bonuszahlungen wie einen Neukundenbonus entfernen. Diese werden häufig in den Gesamtpreis eingerechnet, die Tarifrechner spucken dann für das erste Jahr besonders günstige Preise aus.

Von dpa/afp/RND/wer


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