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Kauflust: Kundenandrang in einem US-Einkaufszentrum.

Kauflust: Kundenandrang in einem US-Einkaufszentrum. © Erik S. Lesser/Archiv

Zentralbanken

US-Konjunktur zieht mächtig an - Fed reduziert Konjunkturhilfe

Nach einer Wachstumsdelle im ersten Quartal zieht die US-Konjunktur unerwartet kräftig an. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft stieg von April bis Ende Juni mit einer hochgerechneten Jahresrate von 4,0 Prozent.

Washington. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Schätzung des Handelsministeriums in Washington. Die US-Notenbank Fed sprach in ihrem Zinsentscheid am selben Tag von einer "grundlegenden Stärke" der Wirtschaft, die zur weiteren Senkung der Arbeitslosenquote führen dürfte. Doch wann sie mit höheren Zinsen darauf reagieren wird, ließ sie offen.

Präsident Barack Obama gab sich mit den neuen Konjunkturdaten hochzufrieden. "Unsere Wirtschaft wächst mit größer Stärke", sagte er. Zudem gehe auch die Arbeitslosigkeit erfreulich zurück.

Trotz ihrer besseren Zukunftsaussichten sind die Notenbanker aber insgesamt noch sehr unzufrieden mit der aktuellen Lage auf dem Jobmarkt. Eine Reihe von Daten zeige, dass zu viel wenige Bürger einen Arbeitsplatz hätten. Die Konsumausgaben stiegen nur moderat, der Immobilienmarkt erhole sich langsam und Sparmaßnahmen des Staates seien hinderlich.

Experten hatten lediglich mit einem BIP-Zuwachs von etwa drei Prozent gerechnet. Allerdings weist die Regierung ausdrücklich darauf hin, dass es sich um vorläufige Zahlen handele, die später korrigiert werden könnten. Ein zweite Schätzung werde Ende August veröffentlicht. Der positive Trend sei vor allem auf gestiegenen Konsum, private Investitionen sowie auf den Export zurückzuführen.

Zugleich wurden die BIP-Zahlen für das erste Quartal korrigiert: Die Wirtschaft war lediglich mit einem Wert von 2,1 Prozent geschrumpft, nicht mit 2,9 Prozent, wie es noch Ende Juni hieß. Dieser erste Rückgang des BIP seit drei Jahren war vor allem auf den harten Winter zurückgeführt worden. Die Wachstums-Werte in den USA können nicht direkt mit entsprechenden Zahlen aus Europa verglichen werden, da die US-Werte traditionell auf das Jahr hochgerechnet werden.

Wegen der verbesserten Wirtschaftslage setzt die Fed ihre Anfang des Jahres begonnene Abschmelzung der Konjunkturhilfen unverändert fort. Der Erwerb von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren wird bereits zum sechsten Mal in diesem Jahr um 10 Milliarden Dollar (7,5 Mrd Euro) pro Monat zurückgefahren. Damit sinken die Ankäufe von ursprünglich 85 auf künftig 25 Milliarden Dollar monatlich.

Hält die Fed am bisherigen Tempo bei dem sogenannten Tapering (Verringerung) fest, wird die Konjunkturmaßnahme im Oktober beendet sein. Eine "erhebliche" Zeit danach könnte auch der Leitzins angehoben werden, heißt es in der Mitteilung. Er liegt seit Ende 2008 auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent. Der Mini-Zins sollte helfen, die Wirtschaft nach der großen Rezession wieder auf die Beine zu stellen. Die Anleihekäufe sollten auch den langfristigen Zins drücken, um die Erholung zu beschleunigen.

Ihr Ziel sieht die Fed nun bald erreicht: Sowohl die Arbeitslosenquote (derzeit 6,1 Prozent) als auch die Inflationsrate steuern auf den Zielwert der Fed zu. "Die Wahrscheinlichkeit einer Inflationsrate von anhaltend unter zwei Prozent ist etwas gesunken", heißt es in der Mitteilung.

Der Präsident der Notenbank von Philadelphia, Charles Plosser, zieht nicht die gleichen Schlüsse wie seine Kollegen. Aufgrund der deutlichen Verbesserung der Wirtschaft könne nicht mehr von einer "erheblichen Zeit" gesprochen werden, bis die Zinsen stiegen, meinte er. Bislang gehen Experten davon aus, dass die Zinsen etwa Mitte 2015 steigen. Ein früherer Zeitpunkt erscheint manchen nicht mehr unwahrscheinlich.

dpa


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