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Wirtschaft Turbulenzen in der Nord/LB
Nachrichten Wirtschaft Turbulenzen in der Nord/LB
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06:16 27.07.2012
GUNTER DUNKEL: Der Nord/LB-Chef führt das Unternehmen erfolgreich in schwierigen Zeiten. Jetzt muss die Bank sparen. Quelle: Holger Hollemann
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Hannover

Keine Dividende an die Träger für die Jahre 2013 und 2014, Schließung der Repräsentanzen im indischen Mumbai und in Peking, Aufgabe von Beteiligungen, Abbau von 450 bis 650 Stellen - diese Zusagen hat die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) der EU-Kommission gemacht. Wie berichtet, braucht sie die Genehmigung aus Brüssel für ihre Eigenkapitalerhöhung um gut drei Milliarden Euro. Die Auflösung stiller Reserven und die Kapitalspritzen des Landes Niedersachsen hatten die Wettbewerbshüter als Beihilfe bewertet.

Dass im Zuge des EU-Verfahrens bis zu 650 Jobs wegfallen, hat zumindest die Öffentlichkeit überrascht. Nord/LB-Aufsichtsratschef und Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) versicherte gestern im Gespräch mit der NP, der Stellenabbau sei „seit Jahren vorgesehen“. Denn: „Risikogerichtete Aktiva müssen zurückgefahren werden.“ Wichtig sei einzig, „dass wir unsere Kapitalmaßnahmen von Brüssel genehmigt bekommen“. Noch besser wäre es gewesen, wenn die Landesbank die Zustimmung gar nicht gebraucht hätte.

Der Minister auf Abruf (er scheidet nach der Landtagswahl aus der Politik aus) nimmt kein Blatt vor den Mund. Das Genehmigungsverfahren nennt er „schlichten Blödsinn“, die Verhandlungen mit EU-Kommissar Joaquin Almunia „ausgesprochen frustrierend“. Europa schere alle Banken über einen Kamm - unabhängig von Größe, Ertragskraft und Stärke. Deshalb sei das Ganze „kein sauberes rechtsstaatliches Verfahren“.

„Die Bank ist gesund“, sagt Möllring. Sie habe schließlich unter der Leitung von Gunter Dunkel das zweithöchste Ergebnis nach der Deutschen Bank vorzuweisen. Das man für die Zukunft einen Kostendeckel einziehe, sei allerdings ausgesprochen vernünftig.

Festgeschrieben wird gegenüber der EU, dass die Gesamtkosten des Konzerns Nord/LB 1,1 Milliarden Euro jährlich nicht übersteigen. Das sei etwa der heutige Level, versichert Banksprecher Jan-Peter Hinrichs. Der Abbau der Stellen werde sozialverträglich sein. Mit dem Personalrat vereinbart sei beispielsweise ein internes Qualifizierungs- und Vermittlungscenter. Mitarbeiter, deren Stelle gestrichen werde, könnten sich fit machen für neue Anforderungen.

Jörg Reinbrecht von der Gewerkschaft Verdi hofft, dass der Stellenabbau diesmal mit mehr Verstand umgesetzt werde als im Jahr 2004. Damals waren 1200 Jobs gestrichen worden. Reinbrecht: „Allerdings ohne richtig zu prüfen, wo wirklich Einsparpotenzial war.“ Ein Teil der Stellen hätte im Nachhinein wieder besetzt werden müssen. Einfach einen Kostendeckel einzuziehen, sei „viel zu simpel“.

OB Stephan Weil macht sich Sorgen um den Standort Hannover. Im Verwaltungssitz der Landesbank, dem gläsernen Bau am Aegi, fallen nach NP-Informationen die meisten Stellen weg. Dass Mitarbeiter und Öffentlichkeit erst jetzt davon erfuhren, wertet Weil als „gezieltes Vorenthalten von Informationen“. Ministerpräsident David McAllister (CDU) habe seit Monaten durch Möllring vom Jobabbau gewusst - und dennoch das Ergebnis der Verhandlungen mit der EU als „gut und tragfähig“ bezeichnet. McAllister habe nicht ein Wort zu dieser sehr bitteren Note gesagt, kreidet ihm der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl an. Das sei „zynisch“.

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