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O2 will den Rivalen E-Plus schlucken und damit an der Deutschen Telekom vorbeiziehen. Doch jetzt sorgt der mexikanische Milliardär Carlos Slim für Wirbel: Er will die E-Plus-Mutter KPN übernehmen.

O2 will den Rivalen E-Plus schlucken und damit an der Deutschen Telekom vorbeiziehen. Doch jetzt sorgt der mexikanische Milliardär Carlos Slim für Wirbel: Er will die E-Plus-Mutter KPN übernehmen. © Georgi Licovski

Telekommunikation

Milliardär Slim funkt O2 bei geplanter E-Plus-Übernahme dazwischen

Der geplante Zusammenschluss der Mobilfunker O2 und E-Plus könnte an einem Störfeuer aus Mexiko scheitern. Der von Milliardär Carlos Slim kontrollierte Mobilfunkanbieter America Movil hat am Freitag ein Übernahmeangebot für die niederländische E-Plus-Mutter KPN vorgelegt.

Mexiko-Stadt. Fast 30 Prozent von KPN gehören America Movil bereits. Der Mexikaner Slim gilt als Kritiker einer Fusion zwischen O2 und E-Plus.

Telefónica Deutschland (O2) hält ungeachtet des Störfeuers an der Übernahme von E-Plus fest. Man werde das Projekt zu den bereits verbindlich geschlossenen Bedingungen weiter verfolgen, sagte ein Unternehmenssprecher.

America Movil will sich nach eigenen Angaben einen Mehrheitsanteil an KPN sichern und bietet 2,40 Euro je Aktie. Das wäre ein

 

Aufschlag von einem Fünftel im Vergleich zum Schlusskurs vom

 

Donnerstag und würde die Anteile, die Slim noch nicht besitzt, mit rund 7,2 Milliarden Euro bewerten. Ende Juli hatte der Milliardär ein Stillhalteabkommen mit KPN aufgekündigt und damit den Weg für seinen Übernahmeversuch freigemacht.

 

Sollte Slim Erfolg haben, wäre das schlecht für die

 

Telekomunternehmen in Deutschland, sagte Bernstein-Anaylstin Robin

 

Bienenstock. Denn eine Konsolidierung im Markt wäre dann schwieriger.

 

Sie hält aber auch ein höheres Gegenangebot von Telefonica für KPN

 

für möglich. S&P-Capital-Analyst James Crawshaw geht davon aus, dass

 

KPN die Offerte von America Movil als zu niedrig zurückweisen dürfte.

 

Die Aktien des O2-Betreibers Telefonica Deutschland wechselten im Laufe des Tages mehrfach die Richtung und lagen am Nachmittag mit 0,21 Prozent im Minus.

 

Erst kürzlich hatte Slim seinen Widerstand gegen die Übernahme

 

von E-Plus durch Telefonica Deutschland, eine Tochter der

 

hochverschuldeten spanischen Telefonica, angekündigt. Presseberichten

 

zufolge hält er den gebotenen Preis von rund acht Milliarden Euro für

 

zu niedrig. Slim wolle das Angebot für E-Plus nun genau bewerten,

 

hieß es. Eine endgültige Entscheidung werde bis zur außerordentlichen

 

Hauptversammlung fallen. Für diese gibt es laut KPN noch keinen

 

konkreten Termin, sie werde in den "kommenden Wochen" stattfinden, erklärten die Niederländer. Nun wolle sich der Konzern das Angebot von Slim in Ruhe ansehen.

 

Bis dahin hängt die Fusion auf dem deutschen Mobilfunkmarkt

 

weiter in der Schwebe. Neben den Aktionären haben auch die

 

Wettbewerbshüter ein Wort mitzureden. Ende Juli hatte sich der

 

Präsident des Bundeskartellamts Andreas Mundt in einem Gespräch mit

 

der dpa bereits kritisch zu der geplanten Großfusion geäußert und

 

eine "sehr sorgfältige Prüfung" angekündigt. Sollte das Zusammengehen

 

der beiden klappen, wären die Spanier im deutschen Mobilfunkmarkt

 

Marktführer vor der Deutschen Telekom und Vodafone.

 

Der deutsche Telekommarkt ist in diesem Sommer gehörig in

 

Bewegung geraten. So probiert sich Vodafone im zweiten Anlauf an der

 

Übernahme von Kabel Deutschland. Vodafone will damit beim

 

Ausbau seines Internetangebots vorankommen und der Telekom als

 

Marktführer das Leben schwer machen. Auch bei dieser Fusion müssen

 

die Behörden noch zustimmen. Allerdings dürften hier die

 

Anteilseigner wohl kein Veto einlegen. Auch der Vorstand von Kabel

 

Deutschland unterstützt das Angebot.

 

America Movil ist nach eigenen Angaben das führende

 

Telekomunternehmen in Südamerika. Ende Juni hatte der Konzern demnach

 

262 Millionen Mobilfunkkunden. Mit der Übernahme von KPN wolle

 

America Movil sein Geschäft auf Regionen außerhalb Südamerikas

 

ausdehnen, hieß es. Das Unternehmen gehört zum Firmenimperium des 73

 

Jahre alten Managers Slim. Laut der Milliardärsliste des US-Magazins "Forbes" ist Slim mit einem Vermögen von geschätzten 69,4 Milliarden US-Dollar nach dem Microsoft-Gründer Bill Gates der zweitreichste Mensch der Welt.

dpa


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