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Wirtschaft „Man hatte die Highlights in Istanbul fast für sich allein“
Nachrichten Wirtschaft „Man hatte die Highlights in Istanbul fast für sich allein“
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11:52 07.03.2018
Engin Baran betreibt eine Reiseagentur in Istanbul. Er ist spezialisiert auf Kulturreisen. Quelle: privat
Berlin

Herr Baran, wie haben Sie die mageren Zeiten überstanden?

Meine Agentur arbeitet glücklicherweise mit einem sehr seriösen Partner in Deutschland zusammen. Wir haben vorausschauend geplant und wussten früh, dass es eine längere Phase ohne Gruppenreisen geben wird. Wir haben Kosten minimiert, haben nach Nebenbeschäftigungen gesucht. Anderen türkischen Agenturen erwischte es schlimmer: Ihnen wurden große Hoffnungen gemacht, die sich dann nicht erfüllten.

Wann fingen die Deutschen an, Istanbul als Reiseziel zu meiden?

Der entscheidende Wendepunkt waren die Proteste um den Gezi-Park im Sommer 2013 und die Art, wie diese beendet wurden. Damals bemerkten die Deutschen, dass es starke Auseinandersetzungen innerhalb der Türkei gibt. Bis dahin hatten sie sich das Land eher homogen vorgestellt, nun wuchs die Skepsis. Danach fielen die Buchungszahlen dramatisch.

„Viele haben sich ganz von der Touristik verabschiedet

Hätten Sie solch einen solchen Einbruch für möglich gehalten?

Das hat kein Mensch erwartet, die türkische Reisebranche nicht und wohl nicht einmal die Touristen selbst. Die wenigen, die später die Blaue Moschee oder die Hagia Sophia besucht haben, waren schockiert - und gleichzeitig erfreut: Sie hatten diese Highlights beinahe für sich allein. Dabei sind die Risiken von Anschlägen für Touristen in Istanbul dieselben wie in Paris oder einer anderen großen Stadt. Ich spaziere mit meiner Familie genauso durch die stark besuchten Viertel.

Und wenn es um die Verhaftung von Journalisten geht?

Das ist eine ganz andere Frage.

Ließ sich das Fernbleiben der Deutschen ausgleichen?

Die Reisebranche hat angefangen, sich nach anderen Destinationen umzuschauen. Sie haben sich um Besucher aus den arabischen Ländern bemüht, aus Katar oder Saudi-Arabien, genauso aus Südostasien, etwa aus Indonesien, China oder Taiwan. Viele haben sich aber auch ganz von der Touristik verabschiedet. Manche sind Makler geworden, haben Bücher geschrieben oder mit der Malerei begonnen. Darunter waren viele gute Leute, und die werden auch nicht zurückkommen.

„Die Deutschen fühlten sich nicht wohl bei uns“

Ist die Durststrecke jetzt vorüber?

Ende 2017 kamen die ersten Anfragen für Istanbul und die Westküste, gingen jedoch nach dem türkischen Einmarsch ins syrische Afrin gleich wieder zurück. Glücklicherweise nur kurz: Bei Badereisen zieht die Nachfrage jetzt stark an, bei Kulturreisen wird die Erholung wohl länger dauern.

Warum sollten Gäste jetzt in die Türkei fahren?

Egal ob Sie auf einen Berg klettern, im Meer schwimmen oder sich die Kultur anschauen wollen: Man reist, um sich wohlzufühlen. In den vergangenen zwei Jahren fühlten sich die Deutschen aber nicht wohl bei uns. Wir müssen ihnen jetzt dieses Gefühl zurückgeben.

Sie sind gerade auf der Anreise nach Berlin: Was versprechen Sie sich von der ITB?

Diese Messe ist für uns enorm wichtig. Wir können testen, wie weit sich die Kunden wieder für die Türkei interessieren. Und wir müssen den Kunden erklären, dass vieles besser wird.

Von Stefan Stosch

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