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Gepäckstücke stehen in München am Flughafen an einem Check-In-Schalter.

Gepäckstücke stehen in München am Flughafen an einem Check-In-Schalter.© Tobias Hase / Archiv

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Lufthansa reagiert mit radikaler Streichliste

Tabula rasa im Flugplan: Die Lufthansa streicht fast alle Montags-Flüge, weil Techniker und Serviceleute streiken. Mit Feldbettenromantik in der Abflughalle rechnet die größte Airline Europas dennoch nicht.

Berlin/Frankfurt/Main. Die Lufthansa reagiert mit radikalen Streichungen im Flugplan auf die für diesen Montag angekündigten Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi. Das Unternehmen hat fast alle Flüge gestrichen. Während die Lufthansa wegen der früh veröffentlichten Streichliste nicht mit längeren Warteschlangen in den Abflughallen rechnet, bereitet sich die Bahn auf einen Ansturm an den Gleisen vor. "Wir werden alles auf die Schiene bringen, was fährt", sagte eine Sprecherin am Sonntag.

 Von insgesamt 1720 geplanten Abflügen in Deutschland werden laut Lufthansa voraussichtlich nur 32 starten. Besonders betroffen sind die Deutschland- und Europa-Verbindungen. Von den mehr als 1650 geplanten Kurzstreckenverbindungen könnten im Sonderflugplan nur 20 angeboten werden, hieß es - vor allem ab Berlin, wo der Warnstreik am Montag bereits um 14.30 Uhr enden soll. Von den 70 Langstreckenflügen startet nur ein Dutzend.

 Betroffen von den Flugstreichungen bei Lufthansa-Abflügen sind in Deutschland die Flughäfen Berlin, Bremen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Friedrichshafen, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Münster-Osnabrück, Nürnberg, Paderborn-Lippstadt und Stuttgart. Passagiere können für Montag gebuchte Flüge kostenlos umbuchen oder zum Beispiel auf die Bahn umsteigen. Die Lufthansa-Tochter Germanwings teilte dagegen mit, nach dem derzeitigen Stand der Informationen fänden alle ihre Flüge statt.

 Trotz Warnstreiks und Streichungen im Flugplan rechnet die Lufthansa nicht mit überfüllten Abflughallen. "Im Gegenteil", sagte eine Sprecherin der größten Airline Europas. "Es ist davon auszugehen, dass es am Montag an den Flughäfen sehr ruhig wird." Es sei versucht worden, Passagieren so früh wie möglich Planungssicherheit zu geben. Feldbetten würden am Flughafen zunächst nicht aufgestellt.

 Es ist bereits die zweite Welle von Arbeitsniederlegungen im Tarifkonflikt um Entgelte und Arbeitsbedingungen von rund 33 000 Technikern und Serviceleuten. Am 21. März fielen bei einem weit kürzeren Warnstreik 700 Flüge aus. Die nächste Verhandlung steht am 29./30. April an.

 Das Unternehmen prüft rechtliche Schritte gegen die Gewerkschaft. Denn die Lufthansa erwartet nach eigenen Schätzungen in der Folge einen zweistelligen Millionenschaden. Personalvorstand Stefan Lauer erklärte in einer Mitteilung: "Ein 24-stündiger Warnstreik ist faktisch von seiner Wirkung her ein Vollstreik und vor dem Hintergrund erster Verhandlungsfortschritte eine völlig überzogene Arbeitskampfmaßnahme, die sich definitiv nicht mit dem aktuellen Verhandlungsstand begründen lässt."

 Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten 5,2 Prozent mehr Einkommen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite hat ein Angebot vorgelegt, das die Gewerkschaft als "nicht verhandlungsfähig" einschätzt. Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle kritisierte, das Angebot bedeute für die Beschäftigten mit Entgeltsteigerungen zwischen 0,4 und 0,6 Prozent im ersten Jahr deutliche Reallohnverluste und sei keinesfalls hinnehmbar.

 Lufthansa hatte die Verdi-Forderung mit einem nach  Geschäftsfeldern modifizierten und in Teilen erfolgsabhängigen Vergütungsangebot gekontert. Über 29 Monate Laufzeit kämen einzelne Berufsgruppe auf eine Steigerung von mehr als drei Prozent, hatte Personalvorstand Stefan Lauer erklärt. Jobgarantien macht Lufthansa von strukturellen Änderungen etwa zu längeren Arbeitszeiten und verschobenen Stufensteigerungen abhängig.

dpa


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