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Am Mittwoch demonstrierten zahlreiche Siemens-Mitarbeiter gegen die Schließung ihres Werks. Jetzt gibt es Hoffnung.

Am Mittwoch demonstrierten zahlreiche Siemens-Mitarbeiter gegen die Schließung ihres Werks. Jetzt gibt es Hoffnung.
© dpa

Nach Demonstrationen

Leise Hoffnung für Siemens-Werk in Görlitz

960 Jobs stehen im Görlitzer Siemens-Turbinenwerk auf dem Spiel. Die Stimmung ist unter den Beschäftigten so schlecht, dass Spartenchef Willi Meixner persönlich anreiste, um die Wogen zu glätten. Ein bekannter Görlitzer Unternehmer kritisiert den Elektrokonzern scharf.

Görlitz. Für das von der Schließung bedrohte Görlitzer Siemens-Turbinenwerk mit 960 Beschäftigten könnte es neue Hoffnung geben. Am Donnerstag war der Spartenchef von Siemens, Willi Meixner, zu Besuch in dem Traditionsbetrieb. Meixner habe sich Zeit für die Fragen der Beschäftigten genommen, es sei ein „sehr konstruktiver Dialog“ gewesen, sagte der Vize-Betriebsratsvorsitzende Ronny Zieschank auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

Am Mittwoch hatten 2500 Görlitzer eine Menschenkette zwischen den Werkstoren von Siemens und dem Waggonbauer Bombardier gebildet. Auch Bombardier will in Görlitz Stellen abbauen. Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos) befürchtet, dass seine Stadt in der Folge durch Wegzug ausbluten könne.

Angebot für Siemens-Beschäftigte

Unterdessen hat ein anderer Unternehmer mit Görlitzer Wurzeln die Entscheidung des Siemens-Managements scharf kritisiert. Winfried Stöcker, Gründer des Lübecker Medizintechnik-Herstellers Euroimmun, sagte dem RND: „Bei einer Aktiengesellschaft wie Siemens kommen die Interessen der Beschäftigten an zweiter Stelle. Aus meiner eigenen Erfahrung rechnet es sich aber auf lange Sicht für eine Firma besser und sie wird leistungsfähiger, wenn man sich in erster Linie auf die Interessen der Belegschaft konzentriert.“

Den Siemens-Beschäftigten machte Stöcker ein Angebot, falls es zu Entlassungen kommen wird: „Wir prüfen, ob wir hier in die Bresche springen können. Wir könnten einen Teil des bald in Görlitz freigesetzten, aber sicher bestens ausgebildeten kreativen Personals schrittweise übernehmen. Wenn das gelänge, würde dies einen neuen, glücklichen Anfang für die betroffenen Menschen bedeuten.“ Euroimmun beschäftige zurzeit mehr als 2500 Menschen und wachse rasant.

Stöcker fiel in der Vergangenheit mit umstrittenen Aussagen auf

Der 70-jährige Stöcker ist eine schillernde Persönlichkeit. Er stammt aus Rennersdorf bei Görlitz, baute später in Lübeck seinen Konzern auf, den er im Sommer für 1,3 Milliarden Euro an die amerikanische Firma Perkin Elmer verkaufte. Er blieb aber im Unternehmen. In seinem Heimatort hat Euroimmun ein Werk mit 150 Beschäftigten. In Görlitz selbst will Stöcker das leer stehende Jugendstil-Kaufhaus wieder eröffnen und zum „Kaufhaus der Oberlausitz“ machen.

Die Renovierung verzögert sich jedoch. Stöcker fiel in der Vergangenheit mit Äußerungen auf, die von vielen als rassistisch empfunden wurden. Für Äußerungen wie „Die reisefreudigen Afrikaner sollten sich dafür einsetzen, dass der Lebensstandard in ihrem Afrika gehoben wird, anstatt bei uns betteln zu gehen“, entschuldigte er sich im Nachhinein.

Von Jan Sternberg/RND


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