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Wirtschaft Kostendruck: Air Berlin wird zur Spardose
Nachrichten Wirtschaft Kostendruck: Air Berlin wird zur Spardose
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19:22 30.01.2013
Für die Air-Berlin-Jets wird Hannover kein Heimatflughafen mehr sein. Quelle: dpa
Hannover

Und der zweite Schritt? Lenkt den Blick auf einen weithin unbekannten Flugbetrieb, dem offenbar ein märchenhafter Aufstieg winkt. Warum sonst sollte sich die Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) darauf vorbereiten, immerhin 370 neue Mitarbeiter einzustellen? Firmengründer Bernd Walter (68), ein gebürtiger Niedersachse aus Einbeck, sagt auf NP-Anfrage dazu nichts.

Dabei gäbe es durchaus etwas aufzuklären. Denn laut 2011er-LGW-Bilanz, die der NP vorliegt, hat die Minifirma 110 Beschäftigte. 370 Neueinstellungen - das wäre ein Belegschaftszuwachs von deutlich mehr als 200 Prozent. Und ein Branchenrekord.

Die Erklärung: LGW mit Sitz in Dortmund fliegt seit 2008 mit 15 Maschinen (mit Air-Berlin-Logo) nur noch für Air Berlin und ist ein so enger Kooperationspartner, dass er nicht einmal einen eigenen Internetauftritt hat. Wer danach sucht, landet bei „airberlin.com“.

Kein Wunder: LGW - extrem kostengünstig, da frei von lästigen Tarifbedingungen - gilt als Spardose von Air Berlin. Daher soll der Betrieb des Ex-Fluglehrers Bernd Walter Auffangbecken für Air-Berlin-Mitarbeiter werden, deren befristete Verträge nicht verlängert werden. Es sind einige hundert. Weitere kommen hinzu, denn Air Berlin will wegen Dauerverlusten 900 der 9300 Vollzeitjobs abbauen. Da es viele Teilzeitkräfte gibt, seien mehr als 1000 Menschen betroffen, so Gewerkschafterin Anja Schlösser von der Verdi-Fachgruppe Luftverkehr.

Wohin mit arbeitslosen Air-Berlin-Leuten? LGW wartet schon - muss aber mit Zurückhaltung der Betroffenen rechnen. Denn Piloten, auf die Air Berlin verzichten will, dürften heftig zögern, sich ausgerechnet zu diesem Arbeitgeber zu flüchten. Das Image von LGW ist verbesserungswürdig.

„Freiwillig geht da niemand von Air Berlin hin, es wäre ein finanzieller Abstieg“, sagt Flugkapitän Jörg Handwerk von der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) zur NP. Die Arbeitsbedingungen bei LGW „bewegen sich am unteren Rand“, doch die massenhafte Übertragung von Flugstrecken an den Billigheimer im Ruhrpott ist für Air Berlin offenbar eine wichtige Sparmaßnahme. Schließlich wollen die Berliner viele Strecken erhalten, auch in dieser Stadt: „Das Air-Berlin-Angebot am Flughafen Hannover bleibt wie geplant bestehen“, so Airport-Sprecher Sönke Jacobsen. Ob diese Strecken bald von LGW für Air Berlin bedient werden? Ist noch offen. Air Berlin will für seine Spardose nicht sprechen: „LGW ist ein eigenständiges Unternehmen“, so Sprecher Mathias Radowski.

Das sieht Dietmar Plath, Chef des Luftfahrtmagazins „Aero International“, anders: „Eigentlich gibt es eigenständige Regionalflieger nicht mehr.“ LGW zähle zu dieser Kategorie. Was zu der Frage führt, wer die wirklichen Eigner sind. In der 2011er-Bilanz steht dazu nichts. Aber dies: LGW ist, anders als Air Berlin, sehr profitabel. Der Betriebsgewinn verdoppelte sich auf 1,67 Millionen Euro.

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