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Wirtschaft E-Bus auf der Cebit fährt autonom
Nachrichten Wirtschaft E-Bus auf der Cebit fährt autonom
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00:16 24.03.2017
SMARTE FAHRT: Der kleine E-Bus von PostAuto braucht keinen Fahrer mehr. Auf der Cebit rollt er durch die Halle 13.  Quelle: Dröse
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Hannover

 Es surrt leise im Innenraum. Mit gemächlichen 25 Stundenkilometern rollt das „Smart Shuttle“ durch einen rund 600 Meter langen Parcour in der Halle 13. Das Gefährt kurvt sicher um Gitter oder Pflanzenkübel herum und stoppt sanft vor einem Zebrastreifen ab – und das alles ohne Fahrer. Denn die zwei kleinen Elektro-Busse mit jeweils elf Sitzplätzen, die das Transportunternehmen PostAuto (eine Tochter der Schweizer Post) mit zur Cebit nach Hannover gebracht hat, fahren autonom. Aus Sicherheitsgründen – und weil rechtlich noch notwendig – ist ein Mitarbeiter an Bord, der jederzeit eingreifen kann.

Hier kommt eine Zukunftstechnologie – das autonome Fahren – tatsächlich ganz „anfassbar und erlebbar“ daher, wie Messevorstand Oliver Frese zur Eröffnung der Cebit versprach. Ungewohnt fühlt es sich an, so ohne Fahrer, das Misstrauen im Kopf gegen die pure Technik lässt sich nur schwer abschalten. Dabei ist das Produkt schon erprobt: Seit neun Monaten lässt PostAuto zwei Smart Shuttles durch die Schweizer Stadt Sion (Sitten, Kanton Wallis) gondeln, die schmalen E-Busse kurven täglich durch die engen Gassen der Altstadt, bewegen sich auf öffentlichen Straßen mit normalen Fußgängern und Radfahrern. Rund 16 000 Passagiere wurden so schon befördert. Zwei weitere Busse sind zu Demonstrationszwecken in der Schweiz und in Frankreich unterwegs.

Auf der Cebit lassen sich täglich um die 2000 Menschen auf das Abenteuer Autonomes Fahren ein, insgesamt will man während der Messe auf rund 10 000 Passagiere kommen, berichtet Projektleiter Jürg Michel. An den zwei Haltepunkten in Halle 13 warten ununterbrochen Neugierige auf eine Freifahrt. Per App kann man sehen, an welcher Stelle auf dem Parcour sich die beiden 4,75 Meter langen und 2,05 breiten Busse (Höchstgeschwindigkeit: Tempo 45) exakt befinden.

Mit noch kleineren Fahrzeugen haben die Entwickler des Digitalprojekts RIO-X-Lab (gehört zur VW-Tochter MAN) zu tun, zumindest auf der Cebit: Extra für die Messe haben sie Modell-Lkws gebaut, mit denen Besucher Sinn und Zweck eines cloudbasierten Betriebssystems für Lkw-Flotten erleben können. Es soll einen effizienteren und transparenten Betrieb von Flotten ermöglichen.

Die e X-Lab-Crew hat eine kleine Rennstrecke für ihre Lkw-Modelle in die Halle 11 gezaubert, an der sie ihre Arbeitsweise zeigt. Statt einen Projektauftrag von Anfang bis Ende abzuarbeiten und dann dem Auftraggeber vorzustellen, teilt die X-Lab-Mannschaft einen Auftrag in einzelne Pakete – jederzeit ist man dabei im Kontakt mit dem Kunden. Welche Wünsche hat dieser? Welche Daten sind für ihn wichtig? Was klappt gut? Was nicht?

So ist eine der ersten Aufgaben auf der Messe, die Modelle zum Fahren zu bringen. Cebit-Besucher können ihre Projektwünsche live einbringen – etwa den Wunsch, dass ein Lkw unfallfrei drei Mal den Parcours umrundet. Ein Gast aus Amsterdam wünscht sich eine Notbremsung – eine klassische Notfall-Lösung. Die Programmierer vor Ort versuchen diesen Wunsch direkt umzusetzen. Dabei ist aber auch ein Data-Scientist wie Thomas Eichner (35), der auf Datenanalyse spezialisiert ist. Seine Aufgabe ist es, aus den riesigen Datenmengen, die bei jeder Fahrt anfallen, die interessanten herauszufiltern. In der Realität sollen bereits in einigen Wochen neu ausgelieferte MAN-Lkws serienmäßig mit RIO ausgestattet sein.

Von Inken Hägermann

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