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Händler an der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main. Der superschnelle Handel per Auto-Pilot gilt als ein Auslöser vieler Börsen-Turbulenzen.

Händler an der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main. Der superschnelle Handel per Auto-Pilot gilt als ein Auslöser vieler Börsen-Turbulenzen.© Emily Wabitsch dpa

Finanzen

Bundesbank stützt Zähmung des superschnellen Börsenhandels

Die Pläne der schwarz-gelben Koalition für strengere Regeln beim superschnellen Computerhandel an Börsen werden von der Finanzwirtschaft im Grundsatz mitgetragen.

Berlin. Verbände, Börsen sowie Bundesbank warnten aber vor überzogener Regulierung und mahnten Änderungen an.

"Insgesamt halten wir den Diskussionsentwurf für weitgehend gelungen, sehen an einigen Stellen jedoch Änderungs-, Klärungs- und Ergänzungsbedarf", heißt es etwa in einer Stellungnahme der Bundesbank für eine Expertenanhörung des Finanzausschusses des Bundestages am kommenden Mittwoch in Berlin.

Auch die Fondsbranche befürwortet eine Regulierung des sogenannten Hochfrequenzhandels. Der Branchenverband BVI mahnt in seiner Stellungnahme aber eine enge Anpassung an die geplanten Vorgaben auf EU-Ebene an. Die Börse Stuttgart sprach von einem wertvollen Beitrag zur Stärkung des Finanzmarkts und des Anlegerschutzes, warnte jedoch: "Eine Überregulierung (...) birgt hingegen die Gefahr, dass den Handelsplätzen Liquidität entzogen wird und kann durch Ausweichreaktionen und Abwanderung negative Folgen für den Finanzplatz Deutschland nach sich ziehen." Auch das Deutsche Aktieninstitut plädiert für "verhältnismäßige Regulierung". Eine Erlaubnis für Hochfrequenzhändler sei nicht sachgerecht.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will die Risiken durch den Hochfrequenzhandel eindämmen, ohne solche Geschäfte komplett zu verbieten. Geplant ist eine Zulassungspflicht für Hochfrequenzhändler. Sie sollen der Kontrolle der Finanzaufsicht BaFin unterstellt werden. In dem Segment tätige Unternehmen müssen sicherstellen müssen, dass ihre Handelssysteme den Markt nicht stören, um irrationale Kursschwankungen ohne jeden Bezug zur realen Wirtschaft zu verhindern. Zudem sollen bestimmte Praktiken ohne eine Handelsabsicht als Marktmanipulationen angesehen werden. Bei exzessiver Nutzung der Handelssysteme sind höhere Gebühren fällig.

Beim automatisierten Hochfrequenzhandel werden Computer mit komplizierten Formeln und mathematischen Algorithmen gefüttert. Der superschnelle Handel per Auto-Pilot gilt als ein Auslöser vieler Börsen-Turbulenzen. Innerhalb von Millisekunden werden Aktien gekauft und wieder verkauft, um minimale Kursdifferenzen zu nutzen und Milliarden zu bewegen. Der stark gewachsene "Algo-Handel" macht Kettenreaktionen und Betrugsfälle wahrscheinlicher. Fallen Kurse, zieht dies weitere Verkaufswellen nach sich, was Panik auslösen kann.

Politikern und Regulierern auch auf EU- und internationaler Ebene ist der von Computern gesteuerte Handel mit Aktien, Anleihen und Geld seit langem ein Dorn im Auge. Die EU-Kommission hatte im Oktober Vorschläge gemacht. Deutschland prescht mit den Gesetzesplänen bei der Regulierung vor und macht so Druck auch auf EU-Ebene.

Die Bundesbank merkt an: "Wir begrüßen (...) die Zielsetzung des Gesetzentwurfs, den aus dem HFH (Hochfrequenzhandel - d.Red.) resultierenden Risiken, die sich aus der übermäßigen Belastung der Handelssysteme, der Verletzung der Marktintegrität durch manipulative Strategien sowie der Instabilität der Finanzmärkte durch überhöhte Volatilität ergeben, entgegenzuwirken."

Derzeit hätten Aufseher keine ausreichenden Informationen darüber, wer diesen Handel betreibe, wo entsprechende Firmen angesiedelt seien und welchen Anteil der Hochfrequenzhandel am Gesamthandel ausmache, merkt die Bundesbank an. Daher seien mehr Transparenz und eine Kennzeichnung der durch Algorithmen erzeugten Aufträge zu begrüßen. Es sollte zudem ein Mechanismus erwogen werden, mit dem fehlerhafte und marktschädliche Algorithmen schnell ausgeschaltet werden könnten.

Die Bundesbank begrüßt "ausdrücklich den Verzicht auf die Einführung einer Mindesthaltedauer für Orders". Die Bundesländer hatten dagegen in einer Stellungnahme des Bundesrates eine Prüfung gesetzlicher Mindesthaltefristen für gehandelte Finanzinstrumente angeregt, "um missbräuchlichen Handelspraktiken entgegenzuwirken".

dpa


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