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Macht New Yorker fit: Ariane Hundt.© ddp

Deutsche in New York

Teutonen-Drill auf der Brooklyn Bridge

Samstag, 18.30 Uhr in New York. Wer auf der weltberühmten Brooklyn Bridge unterwegs ist, sollte sich über diesen Anblick nicht wundern: Eine Gruppe Fitnesswilliger sprintet auf dem Wahrzeichen der Stadt hin und her, macht schweißtreibende Kraftübungen am Brückengeländer, Liegestütze an den mächtigen Granit-Türmen - und wird bei alldem von einer jungen deutschen Frau angefeuert und überwacht.

Ariane Hundt veranstaltet in New York, rund 40 Meter über dem East River, ihre „Brooklyn Bridge Boot Camps“ - und ist damit zu einer kleinen „Attraktion“ in der US-Metropole geworden, wie sie im ddp-Gespräch stolz berichtet.

„Die Touristen bleiben mit der Kamera vor unserer Nase stehen und machen Fotos. Die Resonanz ist wirklich gut“, sagt die 33-Jährige. Verschiedene Fernsehsender aus den USA und Großbritannien haben über ihr ausgefallenes Fitnessprojekt berichtet. Auch eine Reporterin der „New York Times“ trainierte schon mit auf der 1,8 Kilometer langen Hängebrücke, die die Stadtteile Brooklyn und Manhattan mit seiner beeindruckenden Skyline verbindet.

„Es ist mein Lieblingsplatz in der Stadt. Also dachte ich mir, es wäre Klasse, wenn man das irgendwie mit Fitness verbinden könnte“, erklärt Hundt. Aufgewachsen ist sie in Bayern. Von ihrem 7. bis zu ihrem 21. Lebensjahr lebte sie in Traunstein, Waging und München. „Auf der Brücke ist es so, wie wenn ich auf einem Berg gesessen habe in Bayern. Man bekommt eine schöne Perspektive auf die Stadt. Morgens hast du den Sonnenaufgang, abends den Sonnenuntergang - es ist einfach ein toller Blick.“

Bevor Hundt sich als Fitnesstrainerin selbstständig machte, hatte sie einen ganz anderen Job. In einem Unternehmen in New York war sie drei Jahre lang als Direktorin für pharmazeutische Marktforschung tätig. Irgendwann habe sie gemerkt, dass sie keine Lust mehr hatte, oft bis 22.00 Uhr nur auf ihrem Hintern zu sitzen, erinnert sie sich. 2007 kündigte sie.

Besser als erwartet lief ihre zweite Karriere an. Eine langwierige Genehmigung der Stadt habe sie für ihre Kurse auf der Brooklyn Bridge, die sie nun seit einem Jahr anbietet, nicht benötigt. Zwischen Mai und Oktober bietet die Trainerin Stunden für maximal 15 Teilnehmer an. Diese sollten nicht völlig untrainiert sein. Voraussetzung sei, „dass sie mindestens fünf Minuten am Stück laufen können“.

„Die meisten wissen, dass es hart ist - und erwarten das auch“, sagt Hundt. Anders als der Name Boot Camp es vermuten lässt, herrsche bei ihr aber keinen rauer „Militärton“. Bei dem einstündigen Intervalltraining laufen die Teilnehmer von Manhattan aus los, machen an den beiden Türmen auf der Brücke Übungen für Beine, Po, Arme und Bauch, sprinten dann auf der Brooklyn-Seite die Treppen dort rauf und runter, bevor es wieder zurückgeht.

Vorsicht ist geboten, wenn man auf der Brücke dem Fahrradweg und seinen rasanten Radlern und Skatern zu nahe kommt. „Da wird man übel angeschrien. Einer hat mir mal gedroht, mich zu überfahren. Das ist typisch New York“, sagt Hundt und lacht.

Jeweils zwei Klassen um 6.30 Uhr und 18.30 Uhr gibt sie samstags und donnerstags. Außerdem beschäftigt sie inzwischen zwei weitere Trainer. Zwischen 15 und 20 Dollar kosten die Stunden. Die Nachfrage sei groß: „Die Amis sind ja viel extremer, wenn es um Ernährung geht und Fitness“, betont Hundt. Den „Einfluss von Hollywood“ spüre man sehr stark. Auch bedenkliche Folgen hat die 33-Jährige schon erlebt. Einmal habe sie eine Frau, die untergewichtig war, zum Psychologen geschickt.

Mit 21 Jahren wollte Hundt ursprünglich nur für ein Jahr als Au-Pair-Mädchen in die USA gehen. Sie blieb, studierte Psychologie und arbeitete auch in Washington und im US-Bundesstaat Connecticut. Ihre Leidenschaft für den Sport wurde durch ihre Au-Pair-Gastfamilie geweckt. „Davor hatte ich Gewichtsprobleme und keine Ahnung von Ernährung“, erinnert sie sich.

Ihren Job in der Marktforschung gab Hundt, die seit sieben Jahren in New York lebt, nicht „von heute auf morgen auf“. Mehrere Monate lang trainierte sie erste Kunden vor und nach der Arbeit und arbeitete in einem Fitnessstudio. Außerdem nahm sie ein Studium in Ernährungswissenschaften auf.

Ihr beruflicher Wechsel hat sich auch finanziell für die 33-Jährige ausgezahlt: „Ich habe meine Einkünfte verdoppelt im vergangenen Jahr“, betont sie. Die in einem TV-Beitrag über sie genannte Summe im unteren fünfstelligen Dollarbereich komme „schon hin“. Dabei dürfe man allerdings ihre Kosten für Mieten, Marketing und Mitarbeiter nicht vergessen. Im Winter arbeitet Hundt als Personal Trainer und gibt Ernährungsworkshops.

Eine Rückkehr nach Deutschland kann sie sich nicht vorstellen. „Ich fühlte mich in Deutschland immer sehr gebremst. Hier mache ich das, wozu ich lustig bin.“ ddp


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