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Ratgeber Richterin: Im Ausland nicht unbedingt deutsch
Nachrichten Ratgeber Richterin: Im Ausland nicht unbedingt deutsch
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00:23 08.04.2018
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HANNOVER

Die Ankunft am Reiseziel auf Boa Vista, eine der vor Westafrika gelegenen Kapverdischen Inseln, war für Erika C. und ihren Gatten schon mal ärgerlich: mangelhafte Willkommensheißung, kein Begrüßungstrunk, stellte sie fest. Auch wurmte sie die Sache, dass die Tui sich nicht gekümmert hätte, die vom Ehemann im Flugzeug verlorene Geldbörse mit EC- und Kreditkarte wieder herbeizuschaffen – mittels „Inselhopper“ von der Nachbarinsel Sal. Doch das war erst der Anfang ihres Urlaubs, den sie letztlich mit schweren Mängeln behaftet sah – und weswegen sie nach ausführlichem Schriftwechsel und auch nach Erhalt eines Reisegutscheins über 130 Euro doch gegen Veranstalter Tui vor Gericht zog, wo gestern Richterin Dagmar Frost sich der Sache annahm.

Mal abgesehen von der einen oder anderen Formalie, die während des Gütetermins noch geklärt werden musste, zeigte die Richterin ziemlich klar, was sie von den beklagten Mängeln und dem Wunsch hält, vom Reisepreis von etwa 2500 Euro für sie und ihren Mann gut 745 Euro erstattet zu bekommen.

Die erstgenannten „Mängel“ und daraus abgeleitete Ansprüche fand sie befremdend (wörtlich: „strange“). Und zur Beschwerde, dass die Animation in der Hotelanlage „zu 80 Prozent in französischer Sprache“ stattgefunden habe, merkte die Richterin an: „Wenn man sich aus Deutschland weg bewegt, muss man damit rechnen, dass da nicht deutsch gesprochen wird.“ Und wer im Urlaub ganz sicher deutsches Bier und deutsche Kost haben will, könnte ja nach Oberstdorf gehen …

Auch weitere beklagte Mängel – beschränkter Meeresblick, entgangener Tagesausflug, weil Reiseleitung unerreichbar, defekte Klimaanlage – wogen in den Augen der Richterin nicht besonders schwer, sie befand, dass die Klägerin „mit dem Gutschein gut bedient“ sei. Doch C.s Rechtsanwalt hatte wohl die Order, ein Urteil herbeizuführen – obwohl die Richterin ziemlich sicher war, dass die Sache nicht nur banal sondern auch noch verjährt sein dürfte – das will sie nun genau berechnen und am 26. April ihr Urteil verkünden.

Von Ralph Hübner

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