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Ratgeber Immer weniger Verbraucher-Pleiten!
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19:17 05.02.2018
NEUANFANG: Wer Pleite ist, kann mit dem Antrag auf Privatinsolvenz sein Ende der Schuldenkrise in Sicht nehmen. Quelle: dpa
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HANNOVER

Es gibt so viele Jobs wie nie, die Auftragsbücher der meisten Unternehmen sind gut gefüllt - und immer weniger Menschen geraten in die Privatinsolvenz, immer weniger Unternehmen schlittern in die Pleite – zumindest besagen das die Zahlen für Hannover, die die NP zusammengetragen hat. Währenddessen steigt die Zahl der Menschen, die die städtische Schuldnerberatung aufsuchen.

Nach den Angaben des Gerichts sank etwa die Zahl der Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens seit 2010 am Amtsgericht Hannover um fast 38 Prozent - ein absoluter Rückgang um 1334 Anträge. Allein die Verbraucherinsolvenzen gingen von 2352 um 888 auf 1464 im vergangenen Jahr zurück. Auch im Fünf-Jahres-Vergleich ist die Entwicklung ähnlich: knapp 26 Prozent weniger Verbraucherpleiten als 2012 landeten 2017 beim Amtsgericht Hannover.

Gegenläufig sieht es bei der Schuldnerberatung etwa der Stadt Hannover aus: Aus den Zahlen geht hervor, dass seit 2012 die Zahl der Beratungsfälle um mehr als 20 Prozent zugelegt hat: statt 1414 Ratsuchende kamen vergangenes Jahr 1704, heißt es auf NP-Anfrage. Knapp 74 Prozent der Ratsuchenden hatten bis zu 20 000 Euro Schulden angehäuft – dabei hat der Anteil jener, die mit bis zu 5000 Euro im Minus stehen um 20 Prozent zugelegt. Immerhin ein Viertel steht demnach mit mehr als 20 000 Euro in der Kreide – dieser Anteil ist über die Jahre recht stabil geblieben. Im gleichen Zeitraum sank dagegen die Zahl der beendeten Beratungsfälle von 293 auf zuletzt 167 – ein Zeichen dafür, dass die Fälle beratungsintensiver geworden sind. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) verzeichnet dagegen eine schwankende Zahl Ratsuchender in ihrer Schuldnerberatung in Hannover, Langenhagen und Seelze, da ist für die vergangenen vier Jahre kein eindeutiger Trend erkennbar.

Die Umstände

Die Jahre 2007 bis 2012 standen ganz im Zeichen der „Finanzkrise“ nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA, dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehmann Brothers und der globalen Immobilien-, Banken- und Staatsschuldenkrise. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote in Deutschland sank von 8,1 im Jahr 2009 auf 5,7 Prozent im vergangenen Jahr, die Zahl der Erwerbstätigen kletterte in dieser Zeit um knapp 3,3 Millionen. Die Zahl jener, die zusätzlich einen Nebenjob mit geringfügiger Bezahlung (unter 450 Euro/Monat oder sehr kurzfristig) ausüben, hat in dieser Zeit um etwa 635 000 zugelegt.

So geht es aus der Insolvenz

Seit Mitte 2014 ist bei Privatinsolvenz (auch Verbraucherinsolvenz genannt) eine kürzere Wohlverhaltensperiode möglich: Jetzt kann ein Schuldner nach drei statt sechs Jahren schuldenfrei sein. Voraussetzung: 35 Prozent der Schulden und alle Verfahrenskosten müssen in dieser Zeit bezahlt sein. Wer binnen fünf Jahren immerhin sämtliche Verfahrenskosten zahlt, kann dann schon Restschuldbefreiung erhalten.

Unterhaltsansprüche und hinterzogene Steuern sind von der Restschuldbefreiung nicht mehr erfasst – die müssen selbst nach der Privatinsolvenz weiter gezahlt werden. Spätestens nach sechs Jahren entscheidet das Gericht über die Restschuldbefreiung. Wird sie gewährt, müssen die Gläubiger auf ihre restlichen Forderungen verzichten.

Von RALPH HÜBNER

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