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Bildungspolitik

Erlass entbindet IGS von der Pflicht zum Turbo-Abi

Im erbitterten Streit um die Gesamtschulen in Niedersachsen geht die schwarz-gelbe Landesregierung auf ihre schärfsten Kritiker zu: Integrierte Gesamtschulen (IGS) werden von der Pflicht zum Turboabitur ausgenommen.
Das Turbo-Abi - gegen das diese Schülerin im vergangen Jahr in Hannover protestiert hat - ist an der IGS nicht mehr Pflicht.

Das Turbo-Abi - gegen das diese Schülerin im vergangen Jahr in Hannover protestiert hat - ist an der IGS nicht mehr Pflicht.

© Christian Behrens/Archiv

Integrierte Gesamtschulen (IGS) sollen selbst entscheiden können, ob sie das Abitur nach zwölf oder 13 Schuljahren vergeben. Das geht aus einem Erlass des niedersächsischen Kultusministeriums hervor, der am Freitag veröffentlicht werden soll.

Vor gut einem Jahr hatten Ministerpräsident Christian Wulff und Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (beide CDU) verkündet, auch an Gesamtschulen die Schulzeit auf zwölf Jahre verkürzen zu wollen. Vor allem in Hannover schlugen die Wellen der Empörung hoch. Tausende Lehrer, Eltern und Schüler gingen gegen den Beschluss auf die Straße. Ein von verschiedenen Initiativen gestartetes Volksbegehren richtet sich vor allem gegen die Einführung des Turboabiturs an den Gesamtschulen. Die Hauptsorge: Die Reifeprüfung nach zwölf Jahren würde den gemeinsamen Unterricht unmöglich machen. Die Kinder müssten schon ab der 6. Klasse aufgeteilt werden, das Kernprinzip der IGS wäre damit zerschlagen worden.

Der neue Erlass ist von einer Arbeitsgruppe im Ministerium formuliert worden, in der auch Vertreter der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule saßen. Er sieht vor, dass der Klassenverband bis zum Ende des 9. Jahrgangs bestehen bleibt. Ab Klasse 7 kann auf zwei oder drei unterschiedlichen Leistungsniveaus in Mathematik und Englisch unterrichtet werden, Ein Jahr später folgt die Differenzierung in Deutsch, dann auch in den Naturwissenschaften. In der 9. Klasse muss differenziert werden, in den unteren Jahrgängen kann auf Antrag gemeinsam unterrichtet werden. Die Schüler können entweder nach der 9. Klasse in die gymnasiale Oberstufe eintreten und nach zwölf Jahren Abitur machen oder sie lassen sich ein Jahr länger Zeit.

„An der IGS ist so ein Abitur der zwei Geschwindigkeiten möglich, in zwölf oder 13 Jahren“, sagt der Leiter der Hildesheimer Robert-Bosch-Gesamtschule, Wilfried Kretschmer. Er bewertet den Entwurf „überwiegend positiv“: Die IGS erhalte mehr Freiheitsgrade.

Das Kultusministerium in Hannover will dagegen nicht von einer Überraschung sprechen. „Wir haben immer gesagt, dass es nicht darum geht, dies Gesamtschulen zu zerschlagen“, sagte Ministeriumssprecher Andreas Krischat. Der IGS-Erlass des Ministeriums wird am Freitag veröffentlicht. Er geht danach in die Anhörung der Verbände und Interessengruppen.

[Saskia Döhner]

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