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Kriminologische Forschungsinstitut

Der Täter- und Opferforschung verpflichtet

Das Kriminologische Forschungsinstitut wird 30 Jahre alt – und sein Direktor Pfeiffer will bis 70 weitermachen
Will weitermachen: Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer (Mitte).

Will weitermachen: Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer (Mitte).

© Surrey (Archivbild)

„Das wird eines unserer größten Vorhaben“, schwärmt Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN): „Und gleich nach dem Jubiläum fangen wir damit an.“ Das KFN feiert in dieser Woche sein 30-jähriges Bestehen. In seinem neuesten Forschungsprojekt will es den zunehmenden Klagen über ein neues Phänomen nachgehen – Gewalt gegen Polizeibeamte –, und zwar in einer bislang einmaligen Befragung, an der alle Polizeibeamten der Bundesrepublik teilnehmen sollen. Pfeiffer will herausfinden, ob der sowohl von Gewerkschaftsvertretern wie auch Beamten geäußerte Eindruck stimmt, dass in letzter Zeit Beamte häufiger selbst Opfer von Gewalt werden.

Möglicherweise hänge dies, so seine Grundthese, damit zusammen, dass Polizisten seit dem Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes im Jahr 2002 häufig in innerfamiliäre Auseinandersetzungen geraten, „die mit einem beachtlichen Gewaltrisiko verbunden sind“. Genutzt werden soll für die Befragung, an der etwa 260 000 Personen teilnehmen sollen, die Internetplattform Extrapol, die nur für die Polizei zugänglich ist.

Seit 1979 untersuchen die Wissenschaftler des KFN in Hannover die Ursachen von Kriminalität. Sie analysieren, beispielsweise warum jemand zum Opfer wird und wie sich Täter herausbilden. Gegründet hat das Institut, in dem Psychologen, Soziologen, Juristen und Medienwissenschaftler fächerübergreifend arbeiten, der frühere niedersächsische Justizminister Hans-Dieter Schwind. Bundesweit bekannt gemacht hat es der Jurist Christian Pfeiffer. Er leitet das KFN seit 1985, ist ein renommierter Wissenschaftler wie eloquenter Prediger gleichermaßen, der auch in Talkshows gern gesehen ist, weil Zahlen, Daten, Zusammenhänge geradezu aus ihm heraussprudeln – ein Unikum in der intellektuellen Szene, das etwa den früheren Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel so beeindruckte, dass er Pfeiffer im Jahr 2000 zum Landesjustizminister machte. Mit der Abwahl der SPD im Jahr 2003 wechselte der Sozialdemokrat wieder zum KFN.

Gegenwärtig sind 18 Wissenschaftler am KFN beschäftigt, elf Frauen und sieben Männer. Finanziert wird das Institut, das seit 1987 mit der Universität Hannover kooperiert, vom Wissenschaftsministerium mit jährlich gut einer Million Euro, hinzu kommt eine weitere Million, eingeworben aus Drittmitteln. Zehn Habilitationen hat das Institut „produziert“, 20 Doktortitel, etliche Absolventen sind in Professorenstellen auf Fachhochschulen oder Universitäten. Pfeiffer ist sogar ein international beachteter Experte geworden – und hält Vorträge an US-Universitäten und vor dem britischen Oberhaus. Er, der dieses Jahr 65 wurde, will auch über die Pensionsgrenze hinaus arbeiten. Bald muss die Mitgliederversammlung des KFN befinden, ob der Direktor, der nach eigenen Worten noch so fit ist, dass er „auf der Treppe immer zwei Stufen gleichzeitig nimmt“, weitermachen darf, bis seine designierte Nachfolgerin Theresia Höynck die Stafette übernimmt.

[Michael B. Berger]

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