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Klärt sich der Himmel für Karstadt nochmal auf? Niemand vermag es vorauszusehen.© Nancy Heusel

Arcandor-Pleite

Schock und Verzweiflung in Hannover

Angst, Bestürzung, Resignation: Für die Arcandor-Mitarbeiter in ganz Deutschland war gestern ein rabenscharzer Tag. Die Meldung von den gescheiterten Rettungsbemühungen verbreiten sich am Morgen rasant in den Kaufhäusern. Auch in Hannover fließen bei manchen die Tränen, manche Mitarbeiter starren nur fassungslos ins Leere.

Von Vera König

Hannover. Gestern Mittag, 14.05 Uhr im Karstadt-Haupthaus. Die Scheiben der Schaufenster an der Georgstraße sind zugehängt. Zu lesen sind Slogans wie „Wir wollen nicht, dass hier das Licht ausgeht.“ Mit Trotz und Zuversicht hatten die Mitarbeiter das am Montag aufgehängt. Doch gestern ist der Optimismus verloren gegangen. Um 12.03 Uhr kommt die Eilmeldung, dass die Karstadt-Mutter Arcandor einen Insolvenzantrag gestellt hat. In allen drei hannoverschen Karstadt-Häusern verbreitet sich das wie ein Lauffeuer.

„Keine Kommentare, keine Fotos.“ Geschäftsführer Peter Krause verordnet allen 450 Beschäftigten einen Maulkorb. Mitte März erst trat er die Nachfolge von Gerhard Löwe an, der zum ECE-Konzern absprang. Krause, eingewechselt von der Filiale Münster, ist Hannovers fünfter Karstadt-Chef in fünf Jahren. Und jetzt einer, der mit abwickeln muss. Offenbar liegen da die Nerven blank.

14.Uhr, fünfter Stock, Betriebsratsbüro. Die Interessenvertretung steckt mittendrin in einer Telefonkonferenz. Das Gesicht von BR-Chef Rolf Stenzel wirkt wie versteinert. Angelika Ebeling, freigestellt für die Konzern-Schwerbehindertenvertretung, presst den Zeigefinger auf die Lippen. Wir warten draußen vor der Tür.

Alles verloren

14.20 Uhr: Die Konferenz ist beendet. Ebeling hat Tränen in den Augen. Der Betriebsrat hat gerade von den ersten Folgen des Insolvenzantrags gehört. „Vergütung oder Freizeit für meine 573 Überstunden kann ich vergessen“, meint Ebeling. „Die Anwartschaften auf Betriebsrente sind futsch“, sagt Stenzel. Seit 42 Jahren arbeitet er für den Warenhauskonzern, hat in letzter Zeit immer mal wieder mit Vorruhestand geliebäugelt. Kann sein, dass er jetzt unfreiwillig aufs Abstellgleis geschoben wird. Aber erst mal muss er für die Kollegen so was wie eine Vaterfigur sein. Im Gespräch mit Karstadt-Chef Krause soll Stenzel das weitere Vorgehen mitbestimmen.

Auch der Krause hat eine Telefonkonferenz hinter sich. Alle Abteilungsleiter sind auf dem Weg zu ihm. Stenzel findet: „Wir sollten unsere Häuser heute schon um 16 Uhr schließen und die Kollegen nach Hause schicken. Ein Mitarbeiter, der Angst um seine Existenz hat, ja vielleicht sogar Panik, kann jetzt nicht mehr freundlich und gelassen die Kunden bedienen.“ Schließlich kommen immer mehr Hiobsbotschaften an. Zuletzt die, dass die Staatsanwaltschaft gegen Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick wegen Insolvenzverschleppung ermittelt.

Krause und Stenzel verständigen sich auf Betriebsschluss um 18 Uhr, zwei Stunden früher als normal. In einer Betriebsversammlung sollen die Kollegen informiert werden und reden können. Alle ahnen, dass die meisten Fragen offen bleiben werden. Dass vielleicht der wichtigste Tipp ist, sich so schnell wie möglich als arbeitssuchend registrieren zu lassen.

„Acht Jahre ist es her, dass ich nach der Brinkmann-Insolvenz zu Karstadt kam“, berichtet Ralf Samtleben. Der 50-Jährige war froh, in der Multimedia-Abteilung im Heim- & Technikhaus wieder Arbeit zu haben, nahm dafür Gehaltsabstriche in Kauf. Jetzt das erneute Fiasko: „Ich habe ein Reihenhaus und drei Kinder, eine Frau, die geringfügig beschäftigt ist. Was passiert mit uns allen?“


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