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Deutschland/Welt Wirtschaftskrise verdrängt die Angst vor Terroranschlägen in den USA
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Wirtschaftskrise verdrängt die Angst vor Terroranschlägen in den USA
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13:55 10.09.2010
Am 11. September 2001 starben bei Terroranschlägen islamistischer Todespiloten auf das New Yorker World Trade Center (Bild) und das Pentagon sowie bei einem Absturz in Pennsylvania rund 3000 Menschen. Quelle: dpa

Es ist eine seltsame Stimmung, mit der die USA dem Jahrestag des 11. Septembers entgegenblicken. Nach den Endloskriegen in Irak und in Afghanistan sinkt die Bereitschaft in der Bevölkerung, in aller Welt gegen den Terror zu kämpfen. Schenkt man den jüngsten Umfragen Glauben, verdrängen andere Sorgen die alten Ängste: Die Jobmotoren Nordamerikas geraten ins Stocken und immer mehr Menschen befürchten, in den Sog der Wirtschaftskrise zu geraten.

Jenseits der weltweiten Strategien wird das Gedenken an die Opfer der Anschläge in New York in diesem Sommer durch eine örtliche Debatte überlagert. Die muslimische Gemeinde von Manhattan will zwei Straßenblocks vom Ground Zero entfernt eine große Moschee bauen - einschließlich Kulturzentrum, Theater und Schwimmbad. Für die Republikaner, allen voran für die konservative Frontfrau Sarah Palin, ist das eine "unnötige Provokation" - hatten sich doch die Attentäter vor neun Jahren explizit auf den Koran berufen. Dagegen hatte Präsident Barack Obama zunächst Verständnis für die Pläne geäußert und auf die Grundsätze der Religionsfreiheit hingewiesen. Nach einem Sturm der Entrüstung musste der Chef des Weißen Hauses eilig zurückrudern: Nunmehr heißt es, dass diese Pläne "zwar nicht illegal, aber keineswegs weise sind".

Die hitzige Debatte um ein Gotteshaus, das keineswegs direkt am Ground Zero, sondern nur in der weiteren Nachbarschaft liegt, zeigt einmal mehr, dass der Alptraum des 11. Septembers 2001 noch längst nicht verwunden ist. Die Nordamerikaner fühlen sich bis heute angegriffen, wobei das Bedrohungsgefühl einer allgemeinen Verunsicherung weicht. In vielen Bereichen läuft es nicht mehr rund für die letzte verbliebene Supermacht. So nagt es am Selbstbewusstsein der Amerikaner, dass ihr Arbeitsmarkt schlechter läuft als beispielsweise in Deutschland. Auch ist es mittlerweile in das Allgemeinwissen vieler US-Bürger durchgedrungen, dass die Lebensverhältnisse in den Vereinigten Staaten keineswegs zu den besten der Welt zählen. Auch diejenigen, die in der Neuen Welt gutes Geld verdienen, leiden unter der schlechten Infrastruktur, hohen Schul- und Studiengebühren für ihre Kinder und unter der allgegenwärtigen Angst, durch eine unvorhergesehene Krankheit zuerst den Job und dann die Krankenversicherung zu verlieren.

Diese neuen Befindlichkeiten führen zu überraschenden Reaktionen. So einigten sich die muslimischen Gemeinden in Washington in dieser Woche darauf, die Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan möglichst zurückhaltend zu gestalten. Zufälligerweise fallen sie ausgerechnet auf den 10. und 11. September und würden normalerweise mit prunkvollen Festen gestaltet. Nun aber wollen sie in den Moscheen in Washington besondere Rücksicht nehmen und an dem Gedenktag möglichst leise auftreten.

Den etwa 250 000 Moslems in der US-Hauptstadt ist nicht entgangen, dass die Streitigkeiten über die geplante New Yorker Moschee landesweit Wellen schlagen. Die Frage, wie die ursprünglich christlich geprägten Amerikaner eigentlich zu den Moslems im eigenen Land stehen, wird seit Wochen lautstark in den Medien diskutiert.

Die nachdenklichen Stimmen aus den muslimischen Gemeinden Washingtons können allerdings nicht verhindern, dass im Land der Meinungsfreiheit auch Exzentriker das Scheinwerferlicht der Medien suchen. So ruft der Prediger Terry Jones aus Florida zu öffentlichen Koran-Verbrennungen am 11. September auf. Der 58-Jährige steht zwar nur einer kleinen christlich-fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft vor, die gerade mal 50 Mitglieder zählt, doch die Reaktionen kommen aus höchsten Kreisen. So meldete sich jetzt Afghanistan-Kommandeur David Petraeus aus Kabul zu Wort, um vor dieser wirren Aktion zu warnen. Die Bücherverbrennung könnte schwere Proteste in der muslimischen Welt provozieren und sogar das Leben seiner Soldaten am Hindukusch gefährden.

Das scheint den Prediger Jones offenbar nicht zu irritieren. Der Bibel-Fundamentalist gilt als Geltungssüchtig und sucht seit Jahren das Rampenlicht. Dass das Weiße Haus, das US-Außenministerium und die Militärallianz Nato vor wütenden Gegenreaktionen warnen, spornt dem Mann aus Gainesville in Florida offenbar nur an.

Schrille Gestalten wie der Hassprediger aus Florida schaffen es immer mal wieder in die Schlagzeilen. Die schleichende Verunsicherung, unter der eine größere Zahl der Amerikaner mittlerweile leidet, findet dagegen nicht so viel Aufmerksamkeit.

Aus Washington berichtet Stefan Koch

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