Navigation:
Martin Beck

Martin
 Beck© Michael Joos

|
NP-Interview

„Wir haben bereits einen Bürgerkrieg“

Martin Beck, Leiter des Konrad-Adenauer-Büros in Jordanien, befürchtet eine Eskalation der Gewalt in Syrien.

Wird es in Syrien einen Bürgerkrieg geben?

Wir haben bereits einen Bürgerkrieg. Ein bis an die Zähne bewaffneter Staat führt Krieg gegen seine Bürger. Die Opposition bewaffnet sich zunehmend und schlägt auch zurück.

Darf der Westen die Gewalt unterstützen?

Wir können von einer Opposition, die derart unter Repressalien leidet, nicht erwarten, dass sie nur mit friedlichen Mitteln agiert. Das Assad-Regime ist eines der übelsten, fast so schlimm wie das Nordkorea-Regime. Folter und Mord werden systematisch angewendet,um die Bevölkerung zu unterdrücken. Die Gewalt kann natürlich nur gegen Repräsentanten des Regimes akzeptiert werden, nicht aber gegen die Zivilbevölkerung. Und gleich, wie man dazu steht, realistisch gesehen ist eine Eskalation der Gewalt auf beiden Seiten wahrscheinlich.

Ist die Eskalation ein Zeichen dafür, dass Assad am Ende ist?

Nein, das Assad-Regime ist noch lange nicht am Ende. Er wird bis zum bitteren Ende kämpfen - wie Gaddafi in Libyen. Nur dass es wohl nicht zu einer äußeren Einmischung kommen wird.

Woher kommt die Opposition?

Es begann mit einer Bewegung von unten, getragen von der unteren Mittelschicht, die bisher bei Revolutionen nur eine geringe Rolle spielte. Assads ökonomische Liberalisierung hat diese Menschen zu Verlierern gemacht. Erst im Zuge der wirtschaftlichen Sanktionen stoßen vermehrt auch die Oberschicht und mehr Akademiker dazu. Einige, die bisher vom Regime profitiert haben, wechseln nun die Seiten. Allerdings ist das gehobene Bürgertum deutlich unterrepräsentiert in der Opposition.

Spielt die Religion eine Rolle? Aleviten gegen Sunniten?

Nein, es ist ein sozioökonomischer Konflikt. Aleviten sind deswegen stark im Sicherheitsapparat repräsentiert, weil viele dem Aleviten Assad loyal gegenüberstehen. Aber es gibt auch Sunniten, die ihm treu ergeben sind. Und Aleviten, die in bitterer Armut leben. Die Gefahr ist, dass solche Dinge miteinander vermischt und Sündenböcke gesucht werden. Es gibt tatsächlich Leute, die von einer alevitischen Diktatur sprechen. Das ist problematisch. Die Assad-Familie beherrscht das Land als Clan und nicht als religiöse Gemeinschaft.

Was kann Ihr Konrad-Adenauer-Büro in Amman tun?

Nicht viel tun. Einmal, weil die Gefahr besteht, dass das Regime uns instrumentalisiert. Außerdem werden oppositionelle Syrer, die öffentlich auftreten, und vor allem ihre im Land gebliebenen Familien unbarmherzig verfolgt. Es geht schon sehr brutal zu. Wir hatten in der Vergangenheit immer wieder Syrer nach Jordanien eingeladen, die große Schwierigkeiten bekamen.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Kümmern Sie sich schon um Ihre Weihnachtseinkäufe?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie