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Deutschland/Welt Wilders-Schlappe durch Trump-Effekt
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Wilders-Schlappe durch Trump-Effekt
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00:16 19.03.2017
Harald Welzer

 Der Soziologe Harald Welzer sieht in der Wahlschlappe Geert Wilders in den Niederlanden den Trump-Effekt: Die Wähler haben in den USA gesehen, was passiert, wenn man Rechtspopulisten wählt.

Schlappe für Wilders in den Niederlanden. Sehen wir den Anfang des Endes der Rechtspopulisten in Europa?

Das ist etwas voreilig, die Relationen sind andere. Was Wilders maximal zu erwarten gehabt hätte, ist weit davon entfernt, was in den USA passiert ist und weit entfernt von dem, was in Frankreich zu erwarten ist. Der Trump-Effekt ist zwar wirksam, die Leute nehmen also wahr, was passiert, wenn sie rechte Protestparteien wählen würden. Aber die Konstellationen in den Ländern sind so unterschiedlich, dass man nicht jetzt schon anfangen sollte zu jubeln.

Nun gab es nicht nur die Wahl in den Niederlanden, Organisationen wie Pulse of Europe oder auch Ihre Initiative Offene Gesellschaft erhalten Zulauf. Sind das nicht Anzeichen für eine Gegenbewegung zu den Populisten?

In der Tat. Der Erfolg von Pulse of Europe ist gigantisch, wenn man bedenkt, dass deren Pro-Europa-Aktionen fast nicht vorbereitet und organisiert worden sind. Und natürlich gibt es viele Menschen, die nach dem Erfolg von Trump nach Möglichkeiten suchen, ihre demokratische Grundhaltung zu dokumentieren und plötzlich wieder für etwas einzutreten.

Ticken die Westeuropäer anders als die Osteuropäer in dieser Beziehung?

Man muss das historisch betrachten. Eine Generation, also 25 bis 30 Jahre, reicht einfach nicht aus, um eine in sich stabile moderne Zivilgesellschaft auszubilden. In den westlichen Nachkriegsgesellschaften hat es auch eine ganze Weile gedauert, bis man mit den autoritären Orientierungen durchgewesen ist. Das ist das Problem in den ehemaligen Ostblockstaaten, deswegen bekommen stark autoritäre Leute wie Kaczynski in Polen oder Orban in Ungarn solchen Zulauf.

Wecken diese Leute die Zivilgesellschaft bei den Nachbarn?

Ich glaube, der Trump-Effekt ist der entscheidende Punkt und deswegen können wir nach der Wahl in den Niederlanden auch wieder nach vorn gucke. In Deutschland erleben wir auch den Niedergang der AfD.

Liegt das nur an Trump?

Auch. Aber auch die Art und Weise, wie die miteinander agieren. Das zeigt ja auch den freundlichst mit der AfD Gesonnenen, dass mit denen nichts anzufangen ist. Die zerlegen sich, wie die Rechten in der Nachkriegsgesellschaft sich immer zerlegt haben.

Wie kann die Politik den Schwung, den die Demokratie als Gegenentwurf zum Populismus erfährt, retten?

Indem sie aufhört, rechte Themen zu adaptieren und wahrnimmt, dass die Mehrheit der Bevölkerung anders tickt. Dass man zur Kenntnis nimmt, dass es viele Menschen gibt, die zu dieser Gesellschaft stehen und bereit sind, dafür einzutreten. Politiker sind extrem schlecht beraten, die neurechte Minderheit zu bedienen – das gilt für Herrn Seehofer genauso wie für Frau Wagenknecht.

Von Petra Rückerl