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Die Reaktorblöcke Doel 1 und Doel 2 bei Antwerpen: Sie gingen bereits 1975 ans Netz und sind die ältesten in Belgien. Foto: Julien Warnand/Archiv

Die Reaktorblöcke Doel 1 und Doel 2 bei Antwerpen: Sie gingen bereits 1975 ans Netz und sind die ältesten in Belgien. Foto: Julien Warnand/Archiv

Atomkraft

Umstrittener belgischer Reaktor geht wegen Defekts vom Netz

Der Zustand belgischer Atomkraftwerke wird in Deutschland mit Sorge gesehen. Jetzt muss erneut ein Reaktor vom Netz genommen werden - nur vier Tage nach seiner Wiederinbetriebnahme.

Antwerpen. Nur vier Tage nach dem Wiederhochfahren ist der umstrittene belgische Atomreaktor Doel 3 erneut vom Netz genommen worden. Der Schritt sei notwendig gewesen, um eine Reparatur im konventionellen Teil der Anlage zu ermöglichen, sagte eine Sprecherin des Betreibers Electrabel.

Dort habe man an einer Heißwasserleitung eines Generators ein Leck entdeckt. Für die Sicherheit der Anlage und die Umwelt stelle der Defekt keinerlei Gefahr dar, betonte die Sprecherin. Der Druckwasserreaktor musste ihren Angaben zufolge nicht heruntergefahren werden. Es werde erwartet, dass er in einigen Tagen wieder ans Netz gehen könne.

Im konventionellen, nicht-nuklearen Teil des Atomkraftwerks befindet sich nach Angaben des Betreibers Electrabel unter anderem die Turbinenanlage mit dem Generator. Der dort von dem Leck betroffene Wasserkreislauf enthalte keine radioaktiven Stoffe, sagte die Sprecherin.

Das bei Antwerpen gelegene Kraftwerk Doel 3 war zuletzt wegen Sicherheitsbedenken mehr als eineinhalb Jahre abgeschaltet gewesen, nachdem Haarrisse am Reaktorbehälter entdeckt waren worden. Nach einer Überprüfung teilte die Atomaufsichtsbehörde AFCN jüngst aber mit, dass das Problem keine Gefahr für die Sicherheit des Reaktors darstelle. Er wurde erst am 21. Dezember wieder hochgefahren.

In Deutschland wird der Betrieb von Doel 3 und des baugleichen Reaktors Tihange 2 von Umweltschützern, aber auch von der Bundesregierung sehr kritisch gesehen. "Wir sind besorgt, ob die erforderliche Reaktorsicherheit dieser Anlagen in vollem Umfang gewährleistet ist", schrieb Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erst am Heiligabend auf ihrer Facebook-Seite.

Tihange liegt nur etwa 70 Kilometer von Aachen in Nordrhein-Westfalen entfernt. Von den Kraftwerken in Doel sind es etwa 150 Kilometer bis zur belgisch-deutschen Grenze.

Kurz vor dem Zwischenfall am Reaktor Doel 3 hatte der Betreiber Electrabel an Heiligabend den Reaktor Doel 2 wieder in Betrieb genommen. Die Atomaufsicht hatte zuvor eine Verlängerung der Laufzeit des Reaktors bis 2025 gebilligt. Ursprünglich sollte er im laufenden Jahr komplett stillgelegt werden.

Die Reaktoren Doel 1 und Doel 2 gingen bereits 1975 ans Netz und sind die ältesten in Belgien. Doel 1 soll am Sonntagabend wieder hochgefahren werden.

Nach Angaben der Bundesumweltministerin Hendricks wird Deutschland seine Bedenken Anfang Januar auch bei einem Gespräch mit der belgischen Atomaufsicht äußern.

Zugleich machte die SPD-Politikerin klar, dass die Bundesregierung keine Möglichkeiten habe, den Weiterbetrieb ausländischer Reaktoren zu verhindern. "Es liegt nicht in der Gewalt der Bundesregierung, Atomkraftwerke in anderen Ländern abschalten zu lassen. So wie Deutschland sich nicht vorschreiben lässt, Atomkraftwerke zu betreiben, so können wir anderen nicht vorschreiben, wie sie ihren Energiebedarf decken." Das liege in der souveränen Entscheidung jedes Landes.

Der Grünen-Politiker Oliver Krischer forderte Hendricks am Freitag dennoch auf, "ohne Wenn und Aber auf eine Abschaltung von Tihange und Doel zu dringen". Der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke sei "russisches Roulette für Millionen Menschen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland", kommentierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

dpa


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