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Deutschland/Welt Ukrainische Luftwaffe greift Donezk an
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Ukrainische Luftwaffe greift Donezk an
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17:18 06.08.2014
Su-25-Kampfjets der ukrainischen Luftwaffe. Quelle: Sergey Popsuevich/Archiv
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Donezk/Berlin

Bei den Attacken auf Stellungen der Aufständischen starben mindestens drei Zivilisten, wie der Stadtrat mitteilte. Wegen der Gefechte zog die OSZE Beobachter aus der Stadt ab.

Russland wies Vorwürfe des Westens zurück, die Krise in der Ukraine durch einen Truppenaufmarsch an der Grenze weiter anzuheizen. Die Behauptungen seien eine "Irreführung der Weltöffentlichkeit", erklärte das Verteidigungsministerium der Agentur Interfax zufolge.

Die Bundesregierung sieht die Bewegungen des russischen Militärs weiter sehr kritisch. "Angesichts der angespannten Situation trägt die Kombination aus einem großangelegten Militärmanöver und einer Truppenkonzentration nahe der Grenze nicht zu der von uns geforderten Entschärfung der Lage bei", sagte eine Außenamtssprecherin. Berlin fordere von Moskau "größtmögliche Transparenz".

Die Nato warnte vor einer "gefährlichen Situation". "Wir können nicht mutmaßen, was Russland vorhat, aber wir können sehen, was Russland macht - und das erfüllt uns mit großer Sorge", sagte eine Sprecherin in Brüssel. Die Nato fürchtet, dass Moskau unter dem Vorwand einer "Friedensmission" Truppen in die Ostukraine senden könnte. An diesem Donnerstag wird Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zu Krisengesprächen mit der prowestlichen Führung in Kiew erwartet.

Die Aufständischen in Donezk warnten die Armee vor einer Offensive. "Die Erstürmung steht unmittelbar bevor, aber wir sind gut darauf vorbereitet", sagte Separatistenführer Sergej Kawtaradse. Immer mehr Frauen und Kinder würden Donezk durch einen Fluchtkorridor verlassen.

Die Armeeführung in Kiew betonte aber, sie plane keine "kopflose" Erstürmung von Donezk oder des benachbarten Lugansk. "Das sind nicht irgendwelche Festungen. Das sind Städte, in denen Menschen leben", unterstrich Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat.

Bei erbitterten Gefechten in der Region beklagte das Militär zahlreiche Opfer. Innerhalb von 24 Stunden seien 18 Soldaten getötet und 54 verletzt worden, sagte Lyssenko. Auch in der Stadt Gorlowka berichteten die Behörden von einer steigenden Zahl von Toten. In den vergangenen Tagen seien bei Artilleriebeschuss 33 Zivilisten getötet und 129 verletzt worden. Gas- und Wasserversorgung seien zerstört.

In Lugansk müssen nach Behördenangaben ebenfalls Zehntausende ohne Strom und Wasser auskommen. Schwierigkeiten gibt es zudem weiter mit der Lebensmittel- und Treibstoffversorgung sowie mit der Müllabfuhr.

Russland warf der ukrainischen Führung erneut den Einsatz von Phosphorbomben gegen Zivilisten im umkämpften Osten des Landes vor. "Eine Bodenprobe hat ergeben, dass die Armee in der Nähe von Slawjansk die verbotenen Brandgeschosse verwendet hat", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde in Moskau, Wladimir Markin. Der Einsatz sei ein "Kriegsverbrechen". Die russischen Behörden bezogen sich auch auf die Berichte ukrainischer Flüchtlinge. Die Führung in Kiew hatte die Vorwürfe wiederholt als "Verleumdung" zurückgewiesen.

Im Kampf gegen die Aufständischen will Kiews Geheimdienst SBU mehr Agenten in die Reihen der militanten Gruppen einschleusen. Damit sollten ihre Aktionen untergraben werden, schrieb Anton Geraschtschenko vom ukrainischen Innenministerium bei Facebook. Es gebe kein effektiveres Mittel zum Kampf gegen den Terrorismus.

Im Zuge des Ukraine-Konflikts hat sich die antiwestliche Stimmung bei Bürgern in Russland einer Umfrage zufolge massiv verschärft. Negative Meinungen gegenüber dem Westen seien so weit verbreitet wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr, berichteten Moskauer Medien unter Berufung auf das Meinungsforschungsinstitut Lewada. "Unsere Einstellungen haben sich sogar Deutschland gegenüber deutlich verschlechtert, mit dem es traditionell ein gutes Verhältnis gibt: 2010 verhielt sich 1 Prozent der Bevölkerung negativ zu Deutschland - jetzt sind es 18 Prozent", sagte Lewada-Direktor Lew Gudkow der Zeitung "Wedomosti".

dpa

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