Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Türkische Polizei erhält mehr Macht
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Türkische Polizei erhält mehr Macht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:11 27.03.2015
Türkische Polizei im Einsatz: Das Parlament hat eine Verschärfung des Demonstrationsrechts beschlossen. Quelle: Sedat Suna/Archiv
Anzeige
Ankara

Mit der Mehrheit der islamisch-konservativen AKP verabschiedeten die Abgeordneten in Ankara ein Gesetzespaket, das unter anderem der Polizei deutlich mehr Vollmachten einräumt, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Die Beamten hatten wegen ihres oft brutalen Vorgehens gegen Regierungsgegner häufig in der Kritik gestanden. Nach der Reform sollen Polizisten künftig in bestimmten Situationen auf gewalttätige Demonstranten schießen dürfen, ohne selber angegriffen worden zu sein. Durchsuchungen und Festnahmen sollen erleichtert werden.

Präsident Recep Tayyip Erdogan muss das Maßnahmenpaket noch unterzeichnen. Dies gilt aber als sicher: Vor dem Parlamentsentscheid hatte er für das sogenannte Sicherheitspaket geworben. Die Opposition warnte vor der Abstimmung vor einem "Polizeistaat". In der Türkei wird am 7. Juni ein neues Parlament gewählt.

Die Telekommunikationsbehörde TIB soll nun zudem künftig auf Anordnung des Ministerpräsidenten oder zuständiger Ministerien Internetseiten ohne Gerichtsbeschluss sperren lassen dürfen, wenn diese die "nationale Sicherheit" oder die "öffentliche Ordnung" gefährdet sehen. Internetanbieter müssen die Anweisung zur Sperrung von Webseiten innerhalb von vier Stunden umsetzen. Innerhalb von 24 Stunden muss die Entscheidung einem Gericht zur Prüfung vorgelegt werden.

Im September 2013 hatte das Parlament einer ähnlichen Gesetzesänderung zugestimmt. Das Verfassungsgericht hob die Verschärfung des Gesetzes jedoch wieder auf.

Die Ausweitung der Polizei-Befugnisse rechtfertigte die AKP mit Unruhen im Oktober im kurdisch geprägten Südosten der Türkei, bei denen mindestens 40 Menschen starben. Aus Sicht der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP gefährden die Reformen den Friedensprozess mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Die Änderungen sehen unter anderem ein Vermummungsverbot bei Kundgebungen vor. Verstöße sollen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden, wenn bei der Demonstration für Terrororganisationen geworben wird. Die Aufsicht der formell unabhängigen Richter und Staatsanwälte über die Polizei soll geschwächt werden. Das Tragen von Molotow-Cocktails, Steinschleudern oder Feuerwerkskörpern bei Demonstrationen soll mit bis zu vier Jahren Haft bestraft werden.

Während der Parlamentsdebatten war es zu Schlägereien zwischen AKP-Abgeordneten und der Opposition gekommen. Die Polizei gerät seit den regierungskritischen Protesten im Sommer 2013 wegen ihres brutalen Vorgehens immer wieder in die Kritik. Die Proteste wurden ausgelöst von Regierungsplänen, den Gezi-Park in Istanbul zu bebauen.

Menschenrechtsgruppen waren vor der Parlamentsabstimmung Sturm gegen die Sicherheitsreformen gelaufen. Die Organisation Human Rights Watch kritisierte besonders, dass Polizisten bereits auf bewaffnete Demonstranten sollen schießen dürfen, wenn diese versuchen, Gebäude oder Fahrzeuge anzugreifen.

Die Regierung beharrte darauf, dass das neue Gesetz mit EU-Vorgaben vereinbar sei. Experten äußerten daran Zweifel. Die größte Oppositionspartei CHP hatte vor Verabschiedung des Gesetzes eine Klage vor dem Verfassungsgericht angekündigt.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Syriens Präsident Baschar al-Assad sieht mögliche Gespräche mit den USA über ein Ende des Bürgerkriegs in seinem Land skeptisch. Die Regierung in Washington sage "heute dies, morgen das", sagte Assad in einem Interview der russischen Nachrichtenagentur Tass.

27.03.2015

Das Bundesinnenministerium weist die Forderung der Länder nach mehr Bundesmitteln für die Unterbringung von Flüchtlingen zurück. Ein Sprecher sagte, die Vereinbarung vom vergangenen Dezember, wonach die Länder dafür 2015 und 2016 je 500 Millionen Euro erhalten, sei "abschließend" gewesen.

27.03.2015

Mehr als drei Viertel der Deutschen sprechen sich einer Umfrage zufolge gegen Entschädigungszahlungen an Griechenland für Verbrechen der Nationalsozialisten aus.

27.03.2015
Anzeige