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Die türkische Armee geht seit Dezember in einer Großoffensive gegen die PKK im Südosten des Landes vor.

Die türkische Armee geht seit Dezember in einer Großoffensive gegen die PKK im Südosten des Landes vor. © Refik Tekin

Konflikte

Türkei: Militäreinsatz gegen die PKK fast beendet

Hunderte Tote und zerstörte Stadtviertel. Der seit Dezember andauernder Einsatz des Militärs in der Südosttürkei brachte viel Leid. Steht er kurz vor dem Abschluss?

Istanbul. Der Militäreinsatz gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK im Südosten der Türkei ist nach Regierungsangaben fast beendet. In der Stadt Cizre nahe der irakischen Grenze werde die Operation in wenigen Tagen abgeschlossen sein, so der türkische Innenminister Efkan Ala.

Nur noch ein Prozent sei unter Kontrolle der PKK. Im Viertel Sur der Kurdenmetropole Diyarbakir könnten die Kämpfe noch bis zu zwei Wochen andauern, sagte Ala in Ankara.

Die türkische Armee geht seit Dezember in einer Großoffensive gegen die PKK im Südosten des Landes vor. In den Städten liefern sich Sicherheitskräfte Gefechte mit der PKK-Jugendorganisation YDG-H. Die Kämpfe konzentrierten sich zuletzt auf die Städte Cizre und Silopi sowie auf das Viertel Sur in der Altstadt Diyarbakirs. In den Orten gelten seit Dezember Ausgangssperren. Den Einsatz in Silopi hatte die Regierung schon vor zwei Wochen als "weitestgehend" beendet erklärt.

In Cizre bleibt die Situation für mehr als 20 Verletzte, die nach Oppositionsangaben seit zehn Tagen in einem Keller eingeschlossen sind, weiter dramatisch. Seit Samstag gibt es nach HDP-Angaben keinen Kontakt zu den Verwundeten. Der Abgeordnete Faysal Sariyildiz, der sich in Cizre aufhält, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Telefon, mindestens sieben Menschen seien an ihren Verletzungen gestorben oder verdurstet.

Sariyildiz warf der Regierung vor, ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" zu begehen. Er fühle sich zudem bedroht, weil er die Öffentlichkeit darüber informiere.

Zur Lage vor Ort gibt es seit Tagen widersprüchliche Angaben. Die HDP wirft der islamisch-konservativen Regierung vor, einen Rettungseinsatz zu verhindern, und auf das Gebäude zu feuern.

Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu hatte dagegen vergangene Woche gesagt, die Helfer könnten wegen Beschusses durch die PKK nicht zu den Verletzten vordringen. Innenminister Ala und der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bezweifelten sogar, dass es überhaupt Verwundete gebe. Die Angaben in Gebieten unter Ausgangssperre können unabhängig nicht überprüft werden.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unterdessen über einen Plan der Regierung für die Zeit nach den Kämpfen. Etwa solle die Polizeipräsenz in der Südosttürkei verstärkt werden. Die AKP plane zudem ein "Stadterneuerungsprojekt". Unter anderem würden "riskante" Gebäude in den Städten durch Häuser der staatlichen Wohnungsbaugesellschaft Toki ersetzt. Ob das Vorhaben auch für das zum Weltkulturerbe gehörende Viertel Sur in Diyarbakir gilt, war zunächst unklar.

Ähnliche Erneuerungsprojekte in der Westtürkei hatten Aktivisten in der Vergangenheit scharf kritisiert. Etwa ließen die Behörden vor rund sieben Jahren das historische Roma-Viertel Sulukule in Istanbul abreißen. Die freie Fläche wurde teilweise mit Toki-Häusern bebaut. Die Roma mussten das Viertel verlassen.

dpa


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