Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Taliban-Angriff auf Parlament in Kabul abgewehrt
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Taliban-Angriff auf Parlament in Kabul abgewehrt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:29 22.06.2015
Die radikalislamischen Taliban übernahmen die Verantwortung für den Angriff. Quelle: Hedayatullah Amid
Anzeige
Kabul

Der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Sedikki, sagte: "Sieben Angreifer, die versuchten, das Parlamentsgebäude zu stürmen, wurden alle durch Sicherheitskräfte getötet." Abgeordnete seien nicht zu Schaden gekommen.

Ein Polizeisprecher sagte, ein Kind und eine Frau seien bei der Detonation der Autobombe getötet worden. Nach Krankenhausangaben wurden mehr als 30 Zivilisten verletzt.

Kabuls Polizeichef Abdul Rahman Rahimi sagte, die Angreifer seien beim Eindringen in das Gelände von Polizisten in Kämpfe verwickelt worden und in ein nahe gelegenes Gebäude geflohen. Von dort aus hätten sie sich Gefechte mit den Sicherheitskräften geliefert. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. "Das Parlamentsgebäude ist unter schwerem Angriff der Mudschaheddin und ist umstellt worden", teilte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid über Twitter mit.

Im Parlament wollte sich am Montag der designierte Verteidigungsminister Masum Staniksai vorstellen. Zudem hätte am Montag die neue Legislaturperiode des Parlaments begonnen. Da es bislang keine Wahlen gab, verlängerte Präsident Aschraf Ghani die derzeitige Sitzungsperiode in einem umstrittenen Schritt auf unbestimmte Zeit. Der Außenpolitik-Experte der Grünen im Bundestag, Omid Nouripour, warnte mit Blick auf den Angriff und auf die verschobene Wahl: "Es droht ein politisches Vakuum in Afghanistan."

In einem Fernseh-Mitschnitt aus der Parlamentssitzung war eine laute Detonation zu hören. Anschließend schrien Menschen, Staub wirbelte auf. In der Nähe des Parlaments waren Explosionen und Schüsse zu hören. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Abgeordnete aus dem Gebäude flohen. Die Darulaman-Straße, die zum Parlament führt, wurde von Sicherheitskräften abgeriegelt.

Am früheren Bundeswehr-Standort Kundus setzten die Taliban ihren Vormarsch unterdessen fort. In der Provinz eroberten die Aufständischen am Montag weitgehend den Bezirk Dascht-e-Archie, wie Distriktgouverneur Nasruddin Sayedi sagte. "Die Gefechte zwischen Extremisten und Sicherheitskräfte dauerten die Nacht über an, bis er am frühen Morgen an die Taliban fiel." Die Regierung habe die erbetene Verstärkung nicht geschickt.

Damit ist der zweite von sieben Distrikten in der Provinz unter Kontrolle der Taliban. Am Wochenende war es ihnen gelungen, Char Darah einzunehmen, wo mehrere deutsche Soldaten gefallen waren. Die Bundeswehr war im Oktober 2013 aus Kundus abgezogen.

Die Taliban haben im April ihre Frühjahrsoffensive begonnen. Die afghanischen Sicherheitskräfte sind weitgehend auf sich selber gestellt, seit der Nato-Kampfeinsatz Ende vergangenen Jahres auslief.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

An Europas größter Uniklinik, der Berliner Charité, hat am Montag ein unbefristeter Streik des Pflegepersonals begonnen. Im Laufe des Tages sollten mehr als 20 Stationen an allen drei Standorten geschlossen werden, wie Verdi-Gewerkschaftssekretär Kalle Kunkel der Deutschen Presse-Agentur sagte.

22.06.2015

Die Ehefrau eines israelischen Ministers hat den US-Präsidenten Barack Obama mit einem rassistischen Witz beleidigt. "Wisst ihr, was Obama-Kaffee ist?", fragte Judy Nir-Moses über Twitter.

22.06.2015

In der DDR wurden jedes Jahr zwischen 15.000 und 30.000 Häftlinge als Zwangsarbeiter ausgebeutet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, in Berlin vorstellte.

22.06.2015
Anzeige