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Deutschland/Welt TV-Duell der Vizes: Biden angriffslustiger als Obama
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16:30 12.10.2012
Paul Ryan (R) und US-Vizepräsident Joe Biden während der TV-Debatte. Quelle: Rick Wilking
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Washington

Joe Biden und Paul Ryan schenkten sich nichts. Vor allem der Demokrat zeigte Zähne.

Eine Woche nach dem vielkritisierten Debatten-Auftritt von Obama griff sein Vize Biden die Republikaner frontal an. Biden (69) und sein 27 Jahre jüngerer Kontrahent Paul Ryan lieferten sich in der einzigen TV-Debatte der Vize-Kandidaten vor der Wahl vor allem bei den Themen Steuern und Arbeitslosigkeit scharfe Rededuelle. Erste Umfragen nach dem Duell deuteten auf ein Patt zwischen beiden Vize-Kandidaten hin. Ähnlich sahen es viele US-Medien.

So kommentierte etwa die "Washington Post", es habe keinen klaren Sieger gegeben. "Beide Kandidaten vertraten ihre Positionen kraftvoll und mit Überzeugung." Das erste TV-Duell zwischen Obama und Romney hatte dagegen der Republikaner nach Einschätzung der Fernsehzuschauer deutlich gewonnen. Daraufhin stiegen auch Romneys Chancen auf einen Wahlsieg am 6. November spürbar an. Obama büßte seinen über Wochen gehaltenen Vorsprung in Meinungsumfragen ein.

Ryan warf Obama sowohl innen- als auch außenpolitisches Versagen vor, so beim Iran und Syrien. "Die Probleme draußen nehmen zu, aber die Arbeitsplätze hier daheim nicht", sagte der 42-Jährige. In der Wirtschaftspolitik habe der Präsident seine Chance gehabt: "Es hat nicht funktioniert." Biden konterte: Unter einem Präsidenten Mitt Romney würden Reiche immer reicher. Dagegen werde sich die Regierung Obama "voll und ganz der Mittelschicht widmen".

Insgesamt war Biden in dem eineinhalbstündigen Rededuell bei weitem aggressiver und angriffslustiger als Obama bei der Debatte mit seinem Herausforderer Mitt Romney vor einer Woche. Selbst Demokraten hatten Obama als viel zu passiv kritisiert. Der 69-jährige Biden - ein erfahrener Debattenredner mit dem Hang zu sarkastischen Ausbrüchen - setzte den 42 Jahre alten Kongressabgeordneten Ryan vor allem in außenpolitischen Fragen unter Druck. Er lächelte und lachte aber oft so ironisch über die Äußerungen seines Debattengegners, dass er überheblich wirkte. So fanden auch in einer CNN/ORC- Schnellerhebung 53 Prozent der Befragten Ryan sympathisch, nur 43 Prozent Biden.

In der Debatte in Danville (Kentucky) hielt Ryan Obama vor, die Terrorbedrohung in Libyen vor dem Anschlag auf das Konsulat in Bengasi falsch eingeschätzt zu haben und insgesamt außenpolitisch Führungsschwäche zu zeigen. Die USA gäben viel zu viel Macht und Einfluss an die UN ab, geplante Einschnitte im Verteidigungshaushalt machten die USA verwundbar. "Was für ein Haufen Schwachsinn... Nicht ein einziges Wort daran ist wahr", feuerte Biden zurück. Zudem hielt er den Republikanern vor, die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm zu übertreiben. Ryan hatte gesagt, dass der Iran inzwischen genügend Material für den Bau von fünf Atombomben habe. "Was für ein loses Gerede", sagte Biden. Der Iran sei noch ein gutes Stück vom Atomwaffenbesitz entfernt.

Ryan warf Biden vor, die Regierung habe in vier Jahren keinen echten Aufschwung geschaffen. Es gebe 23 Millionen Arbeitslose. "Wir gehen in die falsche Richtung... So sieht kein echter Aufschwung aus." Biden konterte, die Steuerpläne der Republikaner begünstigten die Reichen und schadeten den Durchschnittsamerikanern. Außerdem weigerten sich Romney und Ryan, ehrlich zu sagen, wo sie sparen wollten. Im Gegensatz zu Obama in der Vorwoche hielt Biden seinem Widersacher auch eine kürzliche Behauptung Romneys vor, wonach praktisch 47 Prozent der Wähler - Amerikaner, die für Obama sind - praktisch Sozialschmarotzer seien. "Es steht mir bis hier mit der Behauptung", sage Biden.

Beide Kandidaten unterbrachen sich gegenseitig immer wieder, vor allem aber Biden fiel Ryan häufig ins Wort. Reichlich Spott musste Biden für sein demonstratives Belächeln des politischen Gegners in der TV-Debatte einstecken. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Debatten-Kameras auf Bidens Zähne vorbereitet waren. Das schaut man sich besser mit einer Sonnenbrille an", twitterte der Korrespondent des "Time"-Magazins, Michael Scherer.

Weder der Demokrat noch der Republikaner leisten sich in der Debatte aber echte Patzer. Präsident Obama verfolgte die Fernseh-Debatte an Bord seines Flugzeugs Air Force One. "Der heutige Abend hat einmal mehr gezeigt, dass es keinen besseren und unermüdlicheren Anwalt des Mittelstandes gibt als Joe Biden", schrieb der Präsident im Anschluss auf Twitter. Romney sagte laut Medienberichten, er sei stolz auf seine Nummer Zwei.

Das zweite von drei TV-Duellen zwischen Obama und Romney ist am 16. Oktober. Obama hatte bereits angekündigt, dass er seinen Gegner dann deutlich beherzter als beim letzten Mal angehen will. Der dritte und letzte Debattentermin ist der 22. Oktober.

dpa

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