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Zweieinhalb Millionen Menschen sind in Deutschland auf Pflege angewiesen. Nur 30 Prozent davon leben in einem Heim. Alle anderen werden zu Hause gepflegt - in vielen Fällen ohne Hilfe von Profis.

Zweieinhalb Millionen Menschen sind in Deutschland auf Pflege angewiesen. Nur 30 Prozent davon leben in einem Heim. Alle anderen werden zu Hause gepflegt - in vielen Fällen ohne Hilfe von Profis. © Jens Kalaene

Gesundheit

Steigende Bereitschaft zu Gewalt in der Pflege

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) befürchtet eine steigende Bereitschaft zu Gewalt in der Pflege. Ältere Menschen würden immer öfter Opfer von Straftaten wie Körperverletzung oder Vernachlässigung, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut der "Leipziger Volkszeitung".

Berlin. Genaue Zahlen, die Gewalt oder Vernachlässigung in Heimen oder bei ambulanten Pflegediensten belegen, liegen der Polizei allerdings nicht vor. Anzeigen würden noch nicht unter diesem Gesichtspunkt gesammelt, hieß es bei der Gewerkschaft. Es gebe aber Überlegungen, diese Fälle künftig ähnlich wie bei häuslicher Gewalt auszuwerten. Es gehe darum, eine gesellschaftliche Diskussion anzustoßen.

Bundesweite Zahlen über Übergriffe in der Pflege liegen nicht einmal dem Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung (GKV) vor. Die Heimaufsicht sei Ländersache, die Daten würden im föderalen System nicht zusammengeführt, sagte Sprecherin Ann Marini. Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts sind in Deutschland rund zweieinhalb Millionen Menschen auf Pflege angewiesen. Nur 30 Prozent davon leben in einem Heim. Alle anderen werden zu Hause versorgt, oft auch ohne die Hilfe von Profis. In einer alternden Gesellschaft werden künftig deutlich mehr Menschen Pflege brauchen.

"Gewalt gegen Senioren ist bei uns ein Thema. Ob sie steigt, können wir aber nicht belegen. Wir erheben auch keine Zahlen", sagt Karl-Günther Theobald vom Opferhilfeverband Weißer Ring. Bei Übergriffen in Heimen oder auch durch ambulante Pflegedienste zu Hause spiele häufig die personelle Ausstattung und die Qualifikation eine Rolle. Es könne aber auch um Machtverhältnisse gehen. "Mancher will gegenüber einem schwächeren Menschen seine Macht ausleben", sagte Theobald. Eine Kontrolle werde in einer "atomisierten Gesellschaft" ohne starke Familienstrukturen immer schwieriger. "Gewalt gegen Senioren wird immer mehr zum Thema werden, weil es immer mehr ältere Menschen gibt", ergänzte Theobald.

Die Gewerkschaft der Polizei setzt bei ihren neuen Überlegungen auf den Erfolg der Kampagnen gegen häusliche Gewalt. In dieser Frage gebe es heute einen breiten gesellschaftlichen Konsens - und auch Zahlen. Allerdings werden auch bei Gewalt gegen Partner oder Kinder längst nicht alle Fälle angezeigt.

dpa


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