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Deutschland/Welt Sexuelle Belästigung in Gedenkstätte – Vorwürfe gegen Ex-Direktor
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16:09 05.10.2018
Hubertus Knabe, seit 2001 Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen und mittlerweile abgesetzt, ist hoch umstritten. Quelle: Tim Brakemeier/dpa
Berlin

Am Freitag meldete sich die Ost-CDU zu Wort. In einem Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) forderte der stellvertretende Unionsfraktionschef Arnold Vaatz, diese solle genauere Angaben zu den Vorwürfen gegen den entlassenen Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, machen. Sollten keine „triftigeren Gründe als die bisher öffentlich bekannten“ vorliegen, sei die Entlassung ein „irreparabler Rückschlag für die Aufarbeitung der DDR-Geschichte“, schrieb der Sachse. Zuvor hatten vier weibliche Mitglieder des Beirats der Gedenkstätte gegen die Entlassung des 59-Jährigen protestiert, darunter die früheren Dissidentinnen Freya Klier und Heidi Bohley. Und schließlich gibt es eine einschlägige Petition mit bis zuletzt etwa 400 Unterzeichnern, die Knabes Wiedereinsetzung fordern.

 

Bei all dem geht es nicht allein um den Vorwurf des „strukturellen Sexismus aus der Führungsetage“, den ein halbes Dutzend ehemalige Mitarbeiterinnen erhoben haben. Es geht auch um teils rechtslastige Tendenzen in der Gedenkstätte – und um Knabe als Person.

 

Angefangen hatte im Frühsommer alles damit, dass der Gedenkstättenführer Siegmar Faust in einem in Hohenschönhausen geführten Interview mit der Berliner Zeitung Sympathien für die AfD hatte erkennen lassen und am Ende sogar um Milde für den Holocaust-Leugner Horst Mahler bat. Noch am Tag der Veröffentlichung des Interviews trennte sich Knabe von ihm. Allerdings war die Geschichte damit nicht zu Ende. Alsbald meldeten sich Aufarbeitungsexperten mit dem Hinweis, dass nicht allein Faust der AfD nahe stehe, sondern auch andere Ex-Dissidenten und politische Häftlinge. So schreibt der Vorsitzende des Fördervereins der Gedenkstätte, Jörg Kürschner, in der rechtslastigen Zeitung Junge Freiheit und wirbt dort für die Partei. Als daran Kritik anhob, setzte Knabe die Kooperation mit dem Förderverein aus.

 

Mitte September wurde dann jener Brief ruchbar, den die ehemaligen Beschäftigten schon am 8. Juni an Grütters und den Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) abgeschickt hatten. Darin schildern sie Schikane in Hohenschönhausen bis hin zu sexueller Belästigung – und zwar von 2011 bis 2018. Die Hauptvorwürfe richten sich gegen den stellvertretenden Direktor Helmuth Frauendorfer, dessen Anwalt Fehlverhalten einräumte. Am Tag vor der entscheidenden Stiftungsratssitzung beurlaubte Knabe seinen Vize. Es war nach Kürschner der zweite langjährige Weggefährte, von dem er sich trennte, und nach der Trennung von Faust die dritte persönliche Konsequenz.

 

Doch es nützte nichts. Am 25. September entschied der Stiftungsrat einstimmig, dass auch Knabe gehen müsse. Die Begründung lautete, man traue ihm den in der Gedenkstätte nötigen Kulturwandel nicht zu. Neuerdings werden Vorwürfe lauter, die von Anfang an mitschwangen. So soll Knabe seinem Stellvertreter nicht bloß jahrelang keine Grenzen aufgezeigt haben. Er habe sich zudem persönlich jungen Mitarbeiterinnen körperlich genähert und sei für ein „Klima der Angst“ verantwortlich, heißt es. Zugleich werden alte Rechnungen beglichen. Die Liste der Vorwürfe gegen Knabe ist so lang wie die Liste seiner Gegner. Die Vorwürfe reichen von intrigantem Verhalten über eine manipulative Gedenkstättenarbeit bis hin zu parteipolitischer Einseitigkeit. Auf der anderen Seite sehen viele SED-Opfer Knabe ebenso als ihren Verbündeten wie konservative Christdemokraten. Sie mutmaßen, der Westfale werde aus politischen Gründen gefällt.

Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, Forscher in der Stasiunterlagenbehörde, fordert derweil einen Neuanfang. „Gedenkstätten sind Zentren der Aufklärung und politischen Bildung: sachlich, politisch neutral, auf wissenschaftlicher Grundlage“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Dazu benötigt man Führungspersönlichkeiten, die sich in den Dienst des Gedenkstättenauftrags stellen und nicht - wie Hubertus Knabe es jahrelang tat - die Gedenkstätte als Ausgangspunkt der eigenen politischen und persönlichen Profilierung benutzen.“

Von Markus Decker/RND

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